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Albenga (23.600 Einwohner, Provinz Savona) besitzt eine der schönsten Altstädte Liguriens. Wer in das enge, von einer schützenden Mauer umschlossene Gassengewirr eintaucht, erliegt schnell der Faszination dieses geschichtsträchtigen Ortes.


Ergeben eine markante Silhouette:
die Geschlechtertürme von Albenga
Foto: Michael Müller Verlag

Hoch ragen die roten Türme über eine der schönsten Altstädte Liguriens. Wer in das enge, von einer schützenden Mauer umschlossene Gassengewirr eintaucht, erliegt schnell der Faszination dieses geschichtsträchtigen Ortes. Und hinter jeder Ecke wartet eine Entdeckung: knallrote, zum Trocknen aus dem Fenster gehängte Peperonikränze, steinalte Reliefs an ehrwürdigen Häuserwänden, idyllische Blicke in Hinterhöfe und auf Türme ...

Einzigartig in der Region ist die Zahl der schlanken Geschlechtertürme. Über zehn dieser mittelalterlichen Türme, die sich die reichsten Familien aus Prestigegründen hatten errichten lassen und sich nicht scheuten, mit den Kirchtürmen der Stadt zu konkurrieren, bilden die markante Silhouette Albengas. Der mit über 60 Metern höchste ist die Torre del Comune, die um 1300 für eine adelige Familie gebaut wurde. Gleich daneben erheben sich die Torre del Municipio und der Kirchturm der Cattedrale San Michele. Hier bei der Piazza San Michele, im Herzen der Altstadt, stehen auf engstem Raum die markantesten Bauwerke der Stadt fotogen beieinander.

Dieser Text, der mit
freundlicher Erlaubnis des
Michael Müller Verlags
veröffentlicht wurde,
stammt aus dem Reiseführer
Ligurien - Italienische Riviera
Genua - Cinque Terre

Reisführer: Ligurien - Italienische Riviera - Genua - Cinque Terre

Mehr über die Reiseführer des
Michael Müller Verlags
lesen Sie hier:
Reiseführer
von Südtirol bis Sizilien

Das vielleicht bedeutendste Gebäude Albengas duckt sich dabei fast schon unscheinbar neben die Cattedrale: das spätantike Baptisterium. Auch die beiden Museen Museo navale romano und Civico Museo Ingauno befinden an der Piazza San Michele, von der aus die lebhafte Ladengasse Via d'Aste zum breite Largo Doria nahe der Piazza del Popolo führt. Um diesen malerischen Kern des Centro storico erstreckt sich ein überschaubares Labyrinth aus schmalen Gassen, in dem man sich für einen kleinen Spaziergang ruhig einmal „verlaufen“ sollte.

Nicht ganz so idyllisch präsentiert sich der Rest der Stadt. Das Strandviertel und der nicht sonderlich lauschige Lungomare werden durch den Bahndamm von der Neustadt Albengas abgetrennt, durch die sich kerzengerade Straßen ziehen. Die Piazza del Popolo bildet die Nahtstelle zwischen Neustadt und Centro storico, flankiert von Wohnvierteln und der Centa, über die sich eine rote Brücke elegant ans andere Ufer schwingt.

Das Stadtgebiet von Albenga erstreckt sich weitläufig in der größten Schwemmlandebene der Region. Und wenn schon mal Platz ist in dem an großen Flächen armen Ligurien, dann wird der auch bebaut: mit Obstplantagen und Gewächshäusern, einem kleinen Flughafen, einer Trabrennbahn und zahlreichen kleinen Ortschaften – arg zersiedelt, möchte man meinen, oder eben gut genutzt.

Zum Vergrößern klicken Sie auf die Karte:
Riviera di Ponente - Albenga
© 2007 Google-Map

Geschichte

Angesichts der für Riviera-Verhältnisse endlosen Weite wundert es nicht, dass Albenga schon in vorchristlicher Zeit bevölkert war und unter der römischen Vorherrschaft wie auch im Mittelalter eine glanzvolle Zeit erlebte.

Im ersten vorchristlichen Jahrtausend siedelten Angehörige des mächtigen ligurischen Volksstamms der Ingauni am Ufer des Centa-Flusses, ihre Castellari (Fluchtburgen) thronten auf den Hügelkuppen der Umgebung. Im 3. Jh. v. Chr., als Rom noch mit Karthago um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeerraum kämpfte, verbündeten sich die Ingauner mit dem punischen Heer gegen das vorrückende Rom. Während des zweiten punischen Kriegs fand kein Geringerer als Mago, der jüngste Bruder Hannibals, bei den Ingaunern Zuflucht. Die letztlich siegreichen Römer gründeten nach der Unterwerfung der ligurischen Widersacher ihrerseits eine Stadt an der Mündung der Centa. Dieses Municipium an der römischen Heeresstraße Via Iulia Augusta entwickelte sich neben Luna, Genua, Vada Sabatia und Albintimilium zu einer der größten römischen Niederlassungen am Rivierabogen: Das rechtwinklig angelegte Albingaunum umfasste ein Forum, einen Hafen, zahlreiche Bürgerhäuser und Villen sowie ein Amphitheater und große Thermalanlagen. Die Weitläufigkeit der Ruinen der Nekropole, die sich über den Hügel Richtung Alassio erstrecken, zeugen von der Größe der Stadt. Nach dem Untergang des Römischen Reichs aber zerstörten die Langobarden die blühende Hafenstadt am Centafluss bis auf die Grundmauern.

Ab dem 5. Jh. entstand ein völlig neues Albenga, das nunmehr auch Bischofsitz war. Ende des 11. Jh. nahm die mittelalterliche Stadt mit einer eigenen Flotte am erfolgreichen ersten Kreuzzug ins Heilige Land teil, der dem Handel einen enormen Aufschwung und Albenga relative politische Unabhängigkeit bescherte. Die Seerepublik Genua musste diesen Aufschwung widerwillig dulden. Verschärft wurde die konfliktreiche Beziehung im 12. Jh. dadurch, dass sich Albenga auf die Seite Kaiser Friedrichs II. geschlagen hatte. Doch nach dessen Tod 1250 war die Stadt gezwungen, mit der großen Rivalin ein „Bündnis” einzugehen.

Zwar zeugen die rege Bautätigkeit und besonders die Entstehung der Geschlechtertürme im 13. Jh. vom Selbstbewusstsein der Bürgerschaft von Albenga, doch unter der Vorherrschaft Genuas, das die ligurische Provinz sträflich vernachlässigte und bewusst klein hielt, geriet auch das glanzvolle Albenga langsam in Vergessenheit. Hinzu kam höhere Gewalt: Der durch einen Kanalbau gestaute Centa-Fluss trat über die Ufer, überschwemmte das gesamte Stadtgebiet und zerstörte den Hafen.

Spätestens seit dem 14. Jh. stand Albenga gänzlich unter dem Einfluss Genuas und war für Jahrhunderte von der mächtigen Nachbarin abhängig.


Karte: Michael Müller Verlag

Sehenswertes in Albenga

Cattedrale San Michele:
Die dreischiffige Pfeilerbasilika wurde weitgehend zwischen dem 11. und dem 14. Jh. erbaut. Ihre außergewöhnliche Bedeutung für die Gläubigen geht auf die lange Geschichte der Kathedrale zurück. So ruhen ihre Fundamente auf den Resten einer frühchristlichen Bischofskirche aus dem 5. Jh., in der bereits der erste urkundlich erwähnte Bischof von Albenga die Messe hielt.
Außen und innen weist San Michele einen erstaunlichen Reichtum an Formen und Stilen auf, der die wechselhafte Geschichte der Umbauten und Restaurierungen augenscheinlich macht: Reste der frühchristlichen Krypta, aus der romanischen Bauphase Fußböden, Rundarkaden und Achteckpfeiler, dann die Gotik, während der die Kirche aufgestockt wurde und die Seitenschiffe sowie den Kirchturm erhielt; schließlich die barocken „Modernisierungen”, die seit dem 16. Jh. hinzukamen: eine erneute Erhöhung des Hauptschiffs (1582) und der Umbau des Hauptportals (1669).

Baptisterium:
Hinter der Kathedrale steht das älteste Sakralgebäude der Stadt und eines der bedeutendsten ganz Liguriens: die Taufkirche aus dem frühen 5. Jh. Das Fundament des gedrungenen Baukörpers liegt ein wenig unter dem Niveau der heutigen Straßenpflasterung. Eigenwillig ist der Grundriss: Während das Baptisterium außen unregelmäßig zehneckig ist, zeigt es sich im Innern achteckig. Die acht Marmorsäulen im Innenraum sind mit korinthischen Kapitellen verziert, in der Mitte platziert ist das ebenfalls oktogonale Taufbecken. Von großem kunstgeschichtlichem Wert sind die gut erhaltenen byzantinischen Mosaiken (spätes 5. Jh.) in der Altarnische des Baptisteriums.

Civico Museo Ingauno in der Torre del Comune:
Albengas höchster Geschlechterturm beherbergt im Erdgeschoss das kleine Stadtmuseum, das v. a. spätantike Fundstücke aus Albingaunum zeigt (teilweise Einblick auch von der Gasse aus). Die Torre del Comune ist zugleich Zugang zum Innenraum des Baptisteriums (s. o.).
Mitte Juni bis Mitte Sept. Di–So 9.30–12.30 und 15.30–19.30 Uhr, sonst 10–12.30 und 14.30–18 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt 3 €, erm. 2 €. Kinder 1 €. Tickets gibt’s direkt gegenüber.
Die Torre kann auch bestiegen werden: tägl. 18–19 Uhr (außer Mo); da sich die Zeiten gelegentlich ändern, besser bei der I.A.T. oder in der Biglietteria nachfragen.

Museo Navale Romano:
Das „Museum der Römischen Seefahrt” im Palazzo Peloso Cepolla, am westlichen Ende der Kathedralenpiazza San Michele, verdankt seine Existenz einem archäologischen Glücksfall: Im 1. Jh. v. Chr. sanken zwei voll beladene römische Frachtschiffe in den küstennahen Gewässern der Riviera di Ponente. Im Lauf der Jahrhunderte wurden sie mit Sediment bedeckt, dadurch geschützt und schließlich in den 1950er und 1970er Jahren entdeckt und geborgen. In den Schiffsrümpfen lagerten nach gut zwei Jahrtausenden nahezu unversehrt Hunderte von Amphoren und Gefäßen, in denen spanischer Wein, Öl, Nüsse und Getreide transportiert worden waren. Ein Großteil der spektakulären Funde ist hier ausgestellt: eine sehenswerte Sammlung aus schlanken und weniger schlanken Amphoren, Bleianker, Bootszubehör, Keramikgeschirr etc. In einem Raum stehen zahlreichen Amphoren dicht aneinandergelehnt, als wären sie transportfertig und hier nur zwischengelagert. In einem anderen Raum ist ein mächtiges kugelrundes Gefäß(doliolum) aufbewahrt, zwar weniger handlich als eine Weinamphore, dafür aber von ungeheurem Volumen.
In den mit Fresken geschmückten Museumssälen ist zudem eine wertvolle Sammlung von Apotheker-Keramik zu sehen; die blau-weißen Teller und Gefäße stammen aus den einst renommierten Manufakturen von Albisola und Savona.
Mitte Juni bis Mitte Sept. Di–So 9.30–12.30 und 15.30–19.30 Uhr, sonst 10–12.30 und 14.30–18 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt 3 €, erm. 2 €, Kinder 1 €.

Museo Diocesano di Arte Sacra:
Das Diözesanmuseum befindet sich im Bischofspalast gleich neben dem Baptisterium; zu sehen sind unter anderem Teile des Domschatzes, Gemälde genuesischer Künstler aus dem 16./17. Jh., flämische Wandteppiche und einige mehr oder weniger gut erhaltene Fresken.
Tägl. (außer Mo) 10–12 und 15–18 Uhr. Eintritt 3 €, erm. 1 €.

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Siehe auch:

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