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Kalabrien -
zwischen tyrrhenischem und ionischem Meer

Ein Reisebericht von Bernhard Kieninger.
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Allgemeines über Kalabrien

Geografisch betrachtet, mag Kalabrien das "Ende" Italiens sein, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass der Ursprung des Begriffs "Italien" in Kalabrien liegt. Die antiken Griechen nannten das heutige Kalabrien in Erinnerung an den mythischen Italos, einen Enkel des Odysseus und König am Golf von Squillace, "Italia", und erst während byzantinischer Herrschaft wurde die Bezeichnung "Calabria" von der salentinischen Halbinsel in Apulien, der sie ursprünglich angehörte, auf die Stiefelspitze übertragen.

Zwei gegensätzliche Küsten prägen die weit nach Süden vorgestreckte Stiefelspitze. Die offenen, weit gespannten, flachen und einladenden Strände am ionischen Meer weisen nach Griechenland. Im Westen treten die Gebirge bis nahe ans Tyrrhenische Meer heran und stemmen sich mit Steilküsten, zauberhaften Buchen und vorgelagerten Inseln Wind und Wellen entgegen. Kalabrien ist aber vornehmlich ein Hügel- und Gebirgsland; lediglich neun Prozent sind Ebenen, der Rest ist mehr oder weniger Gebirge mit Gipfeln von mehr als 2200 m - doch kein Ort liegt mehr als 50 km vom Meer entfernt.

Morano Calabro
Alle Fotos auf dieser Seite: Bernhard Kieninger

Morano Calabro

Unsere Urlaubsreise 2002 begann in Morano Calabro. Niemand wird Morano Calabro die Rolle, unter den schönsten Orten Kalabriens einer der schönsten zu sein, ernsthaft streitig machen. Die intakte Anlage des mittelalterlichen Ortes, dessen Häuser sich pyramidenförmig den Hang hochziehen, lädt zu ausgedehnten Streifzügen ein. Der Ort soll bereits 317 v. Chr. von den Römern eingenommen und wegen seiner strategisch wichtigen Position Station der Via Popilia geworden sein.

Nationalpark Monte Pollino

Das Pollino-Gebirge erstreckt sich von der Basilikata bis nach Kalabrien, so dass der Besucher ohne es zu merken von einer Region in die andere wandert. Der Parco Nazionale del Pollino hat insgesamt eine Ausdehnung von 192.565 ha. Der kalabresische Teil wird im Norden begrenzt von dem höchsten Gipfel des Pollino, dem Serra Dolcedorme mit 2.267 m Höhe. Im Osten des Nationalparks liegt Cerchiare di Calabrie mit seinen Thermalquellen in der Grotte delle Ninfe, welche wir natürlich besuchten und nicht schlecht staunten.

Cerchiara di Calabria

Cerchiara di Calabria, die Grotta delle Ninfe

Eine großartige, von tiefen Schluchten durchzogene Landschaft, Grotten, denen Thermalwasser entströmt, ein Heiligtum und Wanderwege in luftiger Höhe. Gründe genug also, dem kleinen Ort an den östlichen Ausläufern des Pollino einen Besuch abzustatten. Die warmen Quellen der Grotta delle Ninfe wurden bereits von den vergnügungssüchtigen Griechen aus Sybaris aufgesucht.

Santa Maria delle Armi

Santa Maria delle Armi

Der in 1015 m an den Hängen des Monte Sellaro erbaute Komplex schmiegt sich eng an die Felswand. Die Kirche wurde im 15. Jh. um eine basilianische Grotte herum errichtet und später zum Konvent erweitert. An die Gunst der Familie Pignatelli, die für die Restaurierung der Kirche im 17. Jh. sorgte, erinnert deren Familienkapelle.

Der Altar der Marienkapelle
Das in einen dunklen Stein eingravierte Bild in der Marienkapelle gedenkt der Madonna delle Armi. Einer Legende nach entstand das Bild, als zwei Bauern bei den Bauarbeiten einen aus dem Boden herausragenden Felsbrocken entzwei schlugen.

Grabfunde in der Grotta del Romito

Ausflug zur Grotta del Romito

In der Grotta del Romito wurden die Skelette einer Frau und eines Kindes gefunden. Die Ausgrabungsstätte befindet sich unter freiem Himmel, deshalb sind hier nur Kopien zu sehen, die Originale befinden sich im Nationalmuseum von Reggio. Das wohl bedeutendste Zeugnis ist das Graffiti des bos primigenius (wörtl. der allererste Stier, 10.800 v. Chr.)

Die Zugfahrt durch die Sila Grande

Unsere Zugfahrt durch die Sila Grande:

Die Tage im Norden Kalabriens waren nun gezählt und so führte uns unsere Reise in Richtung Süden. Von Cosenza aus lockte uns eine romantische Eisenbahnstrecke in die Höhen der Sila Grande. Wir planten unseren Start mit der Dampflokomotive in Camigliatello (1.278 m ü.d.M.) über Fermata Righio nach San Giovanni und wieder zurück. Dass diese Reise zu einem unvergesslichen Abenteuer wurde, kann nur mündlich weitergegeben werden, dass wir aber tatsächlich mit diesem Zug unterwegs waren, davon bezeugen unsere Bilder (siehe oben).

Die Küste bei Montepaone Lido

Montepaone Lido

Die zweite und dritte Woche unseres Urlaubes verbrachten wir in einer Anlage in Montepaone Lido, etwa 20 km südlich der kalabresischen Hauptstadt Cantazaro am ionischen Meer. Wenn wir nicht gerade Urlaub am Strand machten und die Buben nicht gerade sportlich aktiv waren, so haben wir von hier aus Ausflüge ans Ionische oder ans Tyrrhenische Meer gemacht.

Der kleine Ort Montepaone Lido liegt am Golf von Squillace. Früher waren es hauptsächlich die Reichen aus Catanzaro, die an diesem wunderschönen Fleckchen Erde Ihre Ferienvillen bauen ließen. Irgendwo an diesem Küstenstrich soll Homers Odysseus gestrandet sein und Nausica, die schöne Prinzessin der Phäaken, getroffen haben. Hier begann er, den Phäaken seine Geschichte von Troja und seiner Reise zu erzählen.

Die Chiesetta di Piedigrotta

Chiesetta di Piedigrotta

Um 5.00 Uhr morgens scheuchte ich die ganze Familie aus dem Bett, um das geplante Tagespensum zu schaffen. Wir fuhren, um Zeit zu gewinnen, auf der Autostrada von Osten nach Westen. Am Tyrrhenischen Meer angekommen, führte uns der erste Weg nach Pizzo, einer kleinen Stadt über dem Golfo di Sant'Eufemia. Hier am nördlichen Ortsende befindet sich die kleine Kirche Piedigrotta.
Chiesetta di Piedigrotta ist vollständig in den Fels gehauen. Errichtet wurde sie Ende des 17. Jh. von neapolitanischen Seeleuten nach glücklicher Rettung aus schwerer Seenot. Ende des 19. Jh. griff der lokale Künstler Angelo Barone zur Spitzhacke, erweiterte die Grotte und schmückte sie mit Dutzenden naiver Heiligenfiguren, die er direkt aus dem weichen Sandstein schlug.

Tropea: Die Isola Bella mit der Kirche Santa Maria dell'Isola

Tropea - Perle des Tyrrhenischen Meeres (?)

Auf einem Felsen hoch über dem Meer liegt der rund 7.000 Einwohner zählende, beliebte Ferienort. Die Ursprünge der Stadt und die Bedeutung und Herkunft des Namens sind bei den Historikern ebenso ungeklärt wie bei uns der Grund für den Beliebtheitsgrad der Stadt bei den Touristen. Scharen von Touristen schieben sich zu den wenig bedeutenden Bauwerken. Einzig der Blick auf die Isola Bella mit der Kirche Santa Maria dell'Isola ist vielleicht eine Reise wert. Ansonsten nichts wie weg in Richtung Süden, entlang der Küste der Götter, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Capo Vaticano

Capo Vaticano

Capo Vaticano gilt als das schönste Küstengebiet Kalabriens und bietet faszinierende, atemberaubende und wunderbare Ausblicke auf das Meer und die Klippen. Bezaubernde Ausblicke auf bizarre Felsformationen bietet der Aussichtspunkt Belvedere an der nördlichen Kapseite. Wen wundert es, dass auch dieser Ort mit der Legende von einer Frau verbunden ist. Canfora, eine wunderschöne, von den Sarazenen geraubte Frau, soll sich vom Kap in den Tod gestürzt haben. Seitdem leuchte das Meer in ihren Lieblingsfarben azur und türkis, erzählen sich die Kalabresen.

Tiriolo

Tiriolo - Cittá dei due mari

Den Beinamen trägt Tiriolo für die zentrale Lage an der schmalsten Stelle Italiens und des dadurch möglichen Ausblick sowohl auf das Tyrrhenische Meer samt der Äolischen Inseln als auch auf das Ionische Meer.

Auf der Piazza IV. Nov. erinnert ein Denkmal an Odysseus. Die mythische Figur Homers soll hier, vom ionischen Meer kommend gerastet haben, bevor der Held ans Thyrrhenische Meer weiterzog. Daher auch der weitere Beiname der Stadt "terra dei feaci" (Phäaken). Der berühmteste Sohn der Stadt ist Vincenzo De Filippis, Mathematiker und Philosoph. Auf der Gedenktafel an seinem Geburtshaus steht: "... gelebt für die Wissenschaft, gestorben für die Freiheit ..."
Während der kurzzeitigen Repubblica Partenopea von Neapel (1799) war er Minister. Dies musste er mit dem Leben bezahlen, als er mit sieben weiteren Anhängern Napoleons gehängt wurde.

Tiriolo liegt etwa 650 m ü.d.M. Die ursprüngliche Besiedelung fand aber auf dem östlich gelegenen Monte Tiriolo (838m) statt. Hoch oben auf dem Berg sieht man noch heute die alten Befestigungsmauern und alte byzantinische Ruinen. Die herausragende Lage des Berges mit Blick auf beide Meere war so einladend, dass ich mir einen Sonnenaufgang einfach antun musste.

Sonnenaufgang über dem Ionischem Meer
Gegen 5.30 Uhr stieg ich mit Taschenlampe und festem Schuhwerk auf mehr oder weniger erkennbaren Trampelpfaden auf den Berg. Und alle Mühe hatte sich gelohnt. Ein traumhafter Blick über die Region von Catanzaro bis Lamezia Terme. Und weit und breit Einsamkeit und Ruhe. Ein unvergessliches Erlebnis.
Text und Fotos: Bernhard Kieninger
Die Homepage von Bernhard Kieninger: www.kieweb.de

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