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Abseits vom Massentourismus findet der Besucher auf Capri auch
heute noch das, was den russischen Dichter Turgenjew vor über hundertfünfzig
Jahren dazu führte, Capri als "die
Inkarnation der Schönheit" zu preisen. Artikel von Ursula Wiegand. |
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Die Via Krupp
Foto: Ursula Wiegand
Capri und die Via Krupp
Capri und sein Schmuckstück, die Via Krupp, sind vom Pech verfolgt. 32 Jahre
lang war diese faszinierende Straße gesperrt, polterten doch immer wieder
Gesteinsbrocken von den steilen Felswänden, an denen sie in engen Serpentinen
von den Augustusgärten hinab zur Marina Piccola führt. Sieben Millionen Euro
waren ausgegeben worden, um diese einmalige Touristenattraktion endlich sicher
zu machen.
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Aber schon die Wieder-Eröffnungsfeier am 28. Juni 2008 stand unter einem
ungünstigen Stern. Erst strahlend blauer Himmel, doch dann entlud sich ein
heftiges Gewitter. Die teuren Kleider und Frisuren der angereisten Prominenz
gingen baden, und dieses Pech ist der Via Krupp offenbar treu geblieben.
Denn schon einen Monat später musste die Straße erneut gesperrt werden - wieder
wegen Steinschlag. Und im Februar 2009 zerstörte ein Erdrutsch nicht nur
die am pittoresken Serpentinenweg gelegene Villa Krupp sondern auch die
Hoffnungen auf dessen baldige Wiedereröffnung. |
Ursula Wiegand, die Autorin dieses Artikels, ist eine
erfahrene Reise-
und Kulturjournalistin, die für
diverse Blätter arbeitet.
Italien gehört zu ihren Lieblingszielen.
Andere Artikel von Ursula Wiegand in dieser Website:
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Der Industrielle Friedrich Alfred Krupp (1854-1902) hatte die Straße von
1900-1902 bauen lassen und auch den größten Teil der Finanzierung übernommen.
Denn Krupp, der „Kanonenkönig“ aus Essen, liebte Capri und das dortige schlichte
Leben. Immer wieder öffnete er zum Wohle der Insel die Brieftasche. Unter
einfachen und ehrlichen Menschen, so meinte er, wollte er glücklich sein. Gerne
verbrachte er dort Wintermonate und betrieb Meeresforschung.

Alfred Krupp (1854-1902)
Capri, zuvor kaum beachtet, kam durch Krupp in Mode. Wohlhabende wie er quartierten sich im Hotel Quisiana ein, der damals einzigen Nobelherberge und noch immer
die Nr. 1. Die steigende Zahl von Besuchern verhalf den zuvor bitterarmen
Capresen zu Wohlstand. Krupp, dem Initiator und großen Gönner, haben sie es
nicht gedankt.
Im Gegenteil. Es kam zu einer Verleumdungskampagne. Angelpunkt war eine Höhle an
der Marina Piccola, in der Krupp mit Freunden kleine Feste feierte. Die Rede war
von Sex-Orgien mit Jünglingen, die aber nie bestätigt wurden. Krupp kehrte zu
seiner Familie zurück, um diese Anschuldigungen zu widerlegen. Dazu kam es nicht
mehr. Wenige Tage später starb er, ob durch eigene Hand oder eine Herzattacke,
ist ungeklärt.

Der Hafen von Capri
Foto: Wikipedia
Wenn in Capri die rote Sonne im Meer versinkt...
Diese alten Geschichten waren vergessen, als in den fünfziger Jahren der Song
„Die Caprifischer“ zum Welterfolg wurde. Alle trällerten „Wenn in Capri die rote
Sonne im Meer versinkt.“ Erneut reisten die Urlauber begeistert nach Capri und
tun es immer noch, egal ob mit oder ohne Via
Krupp. Nicht nur die Reichen und Schönen, sondern auch sonstige
Italien-Fans. Etwas elitär ist die Insel immer noch und für Massentourismus
glücklicherweise zu klein. „Ballermann“ hat dort keine Chance. Trotz der
Tagesausflügler konnte sich Capri seinen Charme und seine Magie bewahren. Wenn
diese Kurzbesucher weg sind, gehört die Insel wieder ihren Liebhabern.
Geschichtsinteressierte zieht es zur “Scala Fenicia“, der Phönizischen Treppe.
Andächtig schreiten sie die Stufen aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. hinauf und
hinab. Bis 1874 war diese Treppe die einzige Verbindung vom Haupthafen Marina
Grande nach Anacapri. Dieser Teil der Insel ist noch immer ruhig. Nur wenige
Interessierte betrachten den Majolika-Fußboden von 1761 im Kirchlein San
Michele. Dargestellt ist die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, das
nur so wimmelt von allerlei komischem Getier. Der Löwe guckt wie eine
Schmusekatze, der Hund mit dem langen Ringelschwanz blickt eher streng. Eva
ringt noch die Hände, während Adam tatendurstig davon stürmt.


Der Majolika-Fußboden im Kirchlein San Michele
Fotos: Ursula Wiegand
Die weitaus meisten Besucher fahren vom Hafen Maria Grande mit der Funiculare
(Seilbahn) hinauf ins Dorf Capri und landen auf der “Piazzetta“. Wer hier zu
Füßen des alten Glockenturms einen Cappuccino schlürfen möchte, muss sich
sputen. Schnell sind schon morgens die Tische und Stühle besetzt.
Doch bitte nicht sitzen bleiben oder nur in mondänen Boutiquen stöbern, sondern
hinaufwandern zur Villa Jovis, dem einstigen Palast von Kaiser Tiberius im
Nordosten der Insel. Vielleicht soll der steinerne Jüngling an einem Felsen hoch
über den Fluten an ihn erinnern. Schon der Weg vorbei an prächtigen Villen und
Gärten bietet besondere Eindrücke. Es folgen Weingärten, blühende Wiesen,
sturmzerzauste Pinien und schließlich die Palastfragmente. Vom wertvollen
Inventar der Bauten blieb jedoch nichts an Ort und Stelle. „Alles geklaut,“ sagt
die Inselführerin. Für diesen Verlust entschädigt die fabelhafte Aussicht aufs
schimmernde Meer.

Die Faraglioni-Felsen, das Wahrzeichen von Capri
Foto: Ursula Wiegand
Übertroffen werden solche Bilder nur noch vom Blick auf die Faraglioni, Capris
Wahrzeichen. Es sind drei Felsnadeln, die bis zu 109 Meter aus den Fluten ragen.
Abends werden sie von der sinkenden Sonne vergoldet. Vielleicht hatte der
russische Dichter Turgenjew diese Felsen vor Augen, als er Capri als „die
Inkarnation der Schönheit“ pries.
Für viele Besucher verdient auch die Blaue Grotte ein solches Lob, selbst wenn
dort vormittags Andrang herrscht. Zahlreiche Boote wollen dann mit ihren
Passagieren hinein. Die müssen sich vor der niedrigen Öffnung lang legen, um
ihre Köpfe zu retten. In letzter Sekunde duckt sich auch der Skipper. Dann ein
erstauntes Ah und Oh, leuchtet doch drinnen das Wasser tatsächlich in einem ganz
unwahrscheinlichen Blau.
Text: Ursula Wiegand


Die berühmte blaue Grotte
Foto oben: Ursula Wiegand - Foto unten: Wikipedia
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Wichtig zu
beachten: |
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Ab Neapel fahren mehrmals täglich Schnellboote nach Capri. Autos dürfen die
Besucher nicht auf die Insel bringen. Dort gibt es aber gute Busverbindungen. |
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Azienda Autonoma Cura Soggiorno
e Turismo Isola di Capri
Capri: Piazza Umberto I
Tel. 0039 081 8370686
Anacapri: Via G. Orlandi, 59
Tel. 0039 081 8371524
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