|

Panoramablick über Molise und Kampanien mit dem Matese-See
Das unbekannte Molise
Schweigende steinerne Bergdörfer auf sanften Hügeln, fernab der großen
Verkehrsströme, die sich von Norden nach Süden ziehen: In Molise ist das Leben
für einige Momente stehen geblieben. Molise ist mit seinen 320.000 Einwohnern
die zweitkleinste Region Italiens mit seinen beiden Provinzen Campobasso und Isernia. Von der rasenden Industrialisierung verschont geblieben, ist es ein
Stück Italien, das sich unberührt vom Massentourismus selbst treu geblieben ist.
Es eröffnet sich den Menschen, die dem Land mehr als einen oberflächlichen Blick
schenken und keine touristischen Fassaden suchen, sondern etwas Wahres.
|
Doch wo liegt Molise?
Seit Jan Weilers Buch „Maria ihm schmeckt´s nicht!“ haben
zumindest einige Literaturliebhaber von Campobasso, der Regionshauptstadt
Molises gehört. Molise ist die zweitkleinste Region Italiens. Bis 1963 noch mit
den Abruzzen vereint, ist Molise heute eine eigenständige Region in den Bergen
des Apennin, rund 200 Kilometer östlich von Rom.
Die Molisaner leben ein
einfaches, bäuerliches Leben, den Tourismus haben sie nur an dem kleinen
Küstenabschnitt rund um Termoli für ihre Region entdeckt. Hauptstadt der Region ist
Campobasso mit rund 80.000 Einwohnern. |
 |
Alto Molise
Die Landschaft des Molise teilt sich in „Alto Molise“ mit seinen hohen
Bergzügen, der unberührten Natur und den stillen Bergdörfern und in „Basso
Molise“, das sich mit sanften Hügellandschaften, Weinbergen und bis hin zur
Küste zieht. Diese gehört nur auf einer Länge von 50 Kilometern zu Molise.
|
Im Alto Molise im nordwestlichen Teil der Provinz Isernia, an der Grenze zu den
Abruzzen, befindet sich der Monte Meta, der auch Teil des Nationalparks der
Abruzzen ist. Das Tal des Flusses Volturno ist eine der landschaftlich schönsten
Gebiete des Molise. Hier liegt das Dorf Castel San Vincenzo hoch über einen
smaragdgrünen See. Unweit befindet sich auch das verlassene Dorf Rocchetta Alta,
zu dem auch ein Wanderweg führt. Nur wenige Kilometer entfernt befinden sich die
Ruinen der Abtei San Vincenzo al Volturno, der zweitältesten Benediktinerabtei
Italiens. Sie wurde 702 gegründet und beherbergte einst bis zu 500 Mönche.
Unweit befindet sich auch Scapoli, die Stadt der Zampogna (eine Variante des
Dudelsacks), des traditionellen Musikinstruments der Region Molise. Hier wird am
letzten Sonntag im Juli eine Dudelsackmesse mit Markt, Schaustellern und einem
Festival veranstaltet. |
Michaela Störr, die Autorin dieses Textes, ist
Leiterin
des Reiseunternehmens
"La Kooperativa":
La Kooperativa
Italien. Reisen. Erleben
Geyerstraße 20
80469 München
Tel.: 089-420 95 66 91 0
Fax: 089-420 95 66 91 9
stoerr@lakooperativa.de
www.lakooperativa.de
Lesen Sie auch:
Von den Abruzzen nach
Molise: Wanderreise entlang der Tratturi
von Michaela Störr |

Die Abbazia San Vincenzo di Volturno
ist die zweitälteste Benedektinerabtei Italiens
Isernia selbst ist seit 1970 Provinzhauptstadt und mit rund 20 000 Einwohnern
die kleinste Italiens. Das antike Aesernia geht auf eine samnitische Siedlung
zurück. Ein Großteil der Stadt wurde 1943 von dem Deutschen bombardiert und
zerstört.
Im nördlichen Teil der Provinz Isernia liegt eines der bedeutendsten
archäologischen Ausgrabungsstätten Süditaliens. Im Herzen des antiken Samnium
befindet sich das höchstgelegene Amphitheater Italiens, Pietraabbondante. Das
antike Bovianum Vetus war das Heiligtum der Samniten. Erstmals entstand hier
eine Kultstätte bereits um 3. Jahrhundert vor Christus. Das Theater bot Platz
für maximal 2200 Zuschauer. Das Halbrund eröffnet einen Panoramablick über die
grünen Hügel Molises.
Und in diesem Teil Molises gibt es eine Weitere Sehenswürdigkeit: die älteste
Glockengießerei der Welt in Agnone. Sie entstand um das Jahr 1000 n. Chr. Das
Museum Marinelli zeigt die schönsten Glocken aus alter und neuerer Zeit. Die
Stadt ist stolz auf seine lange Handwerkstradition und im August wird hier
jährlich die „Stagione teatrale e musicale“ mit vielen Veranstaltungen gefeiert.
Agnone erlebte zur Stauferzeit seine Blüte. Das Städtchen Frosolone dagegen ist
bekannt für seine Scheren- und Messerschleifereien. Hier werden die Scheren und
Messer noch per Hand hergestellt.

Smaragdgrün
schimmert der See bei Castel San Vincenzo,
umgeben von einer traumhaften Bergwelt in Molise.
Weiter nördlich liegt das höchstgelegene Dorf Molises, Capracotta. Auf über 1.400
Metern thront der Ort umgeben von Buchenwäldern und Wildkräuterwiesen. Von dem
umliegenden Bergen genießt man ein 360-Grad Panorama über Molise, die Abruzzen,
das Latium bis nach Apulien. Hier gibt es auch einen botanischen Garten mit
allen Pflanzen der apenninischen Bergwelt. Die Gegend von Collemelluccio und
Montedimezzo wurden von der UNESCO zu Naturreservaten erklärt.
Einzigartig ist auch der Tratturo in Molise. Dieser antike Schafsweg besteht aus
einem 2500 Jahre alten Wegenetz, genutzt von Schäfern und ihren Herden. Über 70
Prozent des vom Staat geschützten Wegenetzes befinden sich in Molise (siehe dazu auch:
Wanderreise entlang der Tratturo).
An der Grenze zu Kampanien gibt es ein weiteres wichtiges Gebirgsmassiv: den
Monte Matese. Hier ist auch die Heimat des Matese Wolfes, wilder Orchideen und
imposanter Buchen. Am Bergfuß führte bereits in prähistorischer Zeit ein
wichtiger Wanderweg der Hirten durch. Hier entstand zu Zeiten der Samniten ein
wichtiger Zufluchtsort, „Saipinis“. Die Römer nannten die Stadt Saepinium, im
Mittelalter erhielt sie den Namen Altilia. Die archäologische Ausgrabungsstätte
liegt mit wundervollem Blick auf den Matese. Im 17./18. Jahrhundert erbauten
Bauern ihre Gehöfte über den Ruinen. Heute aber ist ein kleiner Teil wieder
ausgegraben und kann von Touristen besichtigt werden. In Guardaregia, einem
schönen Bergdorf am Hang des Matese, ist der Sitz der WWF-Verwaltung, die diese
einzigartige Landschaft schützt.

Das Dorf Guardaregia schmiegt sich an das Matese-Massiv
Basso Molise
Das „Basso Molise“ in der Provinz Campobasso ist geprägt von den sanft
auslaufenden Hügelketten bis hin zu den langen Sandstränden am Mittelmeer.
Hauptort an der Küste ist Termoli mit seiner schönen Altstadt. Wahrzeichen ist
der Torre Saracena, der im 16. Jahrhundert zur Abwehr der Türken und Piraten
erbaut wurde. Zugang gewährt das Stadttor, das Kastell wird Friedrich II
zugeschrieben. Im neuen Teil der Stadt befinden sich hervorragende
Fischrestaurants. Nördlich von Termoli erstrecken sich bis Campomarino lange
Sandstrände. Von Termoli aus kann man auch die Tremiti-Inseln mit Fähren
erreichen, die aber zu der Region Apulien gehören. Die kleinen Inseln sind ein
Paradies für Taucher und Wassersportfreunde.
In Küstennähe haben sich im 15. Jahrhundert Einwanderer aus Albanien
niedergelassen, die noch heute eine albanische Sprachinsel bilden. Hauptorte
sind hier Ururi und Campomarino.
Dünn besiedelt ist das Gebiet an der Grenze zu Apulien. Hier liegt Gambatesa auf
einem Tuffrücken inmitten eines Olivenhains und bietet mit seinem Kastell eine
schöne Sehenswürdigkeit.
Wer von der Küste ins Landesinnere Richtung Campobasso fährt, kommt an Larino
vorbei mit seinem freigelegten Amphitheater. Das im 1. Jahrhundert n. Christus
erbaute Theater bot bis zu 14.000 Zuschauern Platz.
Die Hauptstadt der Region Molise ist Campobasso mit rund 80 000 Einwohnern. Rund
um den Festungsberg mit seinem Kastell, das man bereits von weitem erblickt,
liegt das Centro storico, das in den vergangenen Jahren hübsch renoviert wurde
und nun einige Restaurants und Cafés beherbergt. Rund um Campobasso befinden
sich typische Neubaugebiete, von denen man sich nicht abschrecken lassen sollte.
Der Stadtkern ist gemütlich, das Leben in der Regionshauptstadt bäuerlich
geprägt.
Auf der anderen Seite der Stadt Campobasso thront der Ort Ferranzzano hoch auf
einem Hügel. Der Ort hat sich herausgeputzt, ist komplett saniert und bietet
einen hübschen Marktplatz. Er ist vor allem bekannt für seinen berühmten Sohn,
den amerikanischen Schauspieler Robert de Niro, dessen Vorfahren einst von hier
aus in die USA auswanderten. Im Sommer finden hier Kinofestspiele statt.

In den bäuerlichen Dörfern von Molise
finden sich noch viele traditionelle Steinhäuser
Essen und Trinken in Molise
Gastronomisch hat die bäuerliche, rustikale Küche in Molise viel zu bieten:
Trüffel, Pecorino direkt vom Erzeuger, Lamm oder frische Büffelmozzarella kommen
hier auf den Tisch. Dinkelsuppe, Polenta mit Soße und Wurst oder mit Bohnen,
Kalbsleber mit Cavatelli (Gnocchi aus Kartoffeln) oder die Soppressata, ein
lokaler „Presssack“, sind nur einige Spezialitäten der einfachen, bäuerlichen
Küche. Viele Gerichte basieren auf Ziege oder Lamm, wie die Pezzata (gekochtes
Schaffleisch mit aromatischen Kräutern) und die Torcinelli (Innereien vom
Milchlamm). Spezialitäten sind ebenfalls die “Provole” (Büffelkäsesorte), die
Mozzarella, die Trecce (geflochtener Filata-Käse), die Burrini (kleine Käse) und
der Pecorino (Schafskäse). Das bekannteste Weingut mit hervorragendem Rotwein
ist das Di Majo Norante in Campomarino.
Tourismus in Molise
Touristisch ist Molise noch wenig erschlossen und ein Geheimtipp für
Italienliebhaber. Touristischer Hauptort ist an der Küste Termoli, hier gibt es
auch einige schöne Hotels und Pensionen. Aber auch im Alto Molise entwickelt
sich langsam eine touristische Infrastruktur mit typischen Landhotels und
Agriturismi rund um Capracotta, Frosolone und Agnone. Die Region ist hier noch
unberührt und lädt zu Entdeckungen ein.
Text und Fotos: Michaela Störr
stoerr@lakooperativa.de
www.lakooperativa.de
|