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Reise durch den Cilento

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Ein Reisebericht von Bernhard Kieninger.
Capo Palinuro
Capo Palinuro
Alle Fotos auf dieser Seite: Bernhard Kieninger

Zur besseren Orientierung:

Der Nationalpark Cilento - Straßenkarte online
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Der Nationalpark von Cilento:

Lange Sandstrände zwischen schroffen Felsen, kleine verwinkelte Dörfer, die sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt haben, große Wälder und Berge bis annähernd 2000 m - all das bietet der Cilento. 1991 wurde die Region zum Nationalpark erklärt und darüber hinaus noch Weltkulturerbe der UNESCO und eines von 350 Biosphärenreservaten der UNO. Ein Refugium seltener Tierarten und eine Landschaft voller Überraschungen. Gleich nach den beeindruckenden Tempelanlagen von Paestum erheben sich die ersten Berge und Hügel des Cilento, eines der letzten unentdeckten Kleinode Italiens und eine Urlaubslandschaft ersten Ranges!

1 - An der Küste entlang:

Die folgende Bilderserie umfasst nur die Gegend, beginnend von Velia bis zum Capo Palinuro. Nicht etwa, weil die restlichen Küstenstreifen, westlich und östlich davon, weniger eindrucksvoll waren, sondern einfach deswegen, weil uns die Zeit fehlte, diese zu erkunden. Die immer noch andauernden Ausgrabungen von Velia (Elea) sind zwar nicht vergleichbar mit der antiken Pracht von Paestum, doch einen Besuch sind sie unbedingt wert.

Vermutlich zeigen sie auch bis heute erst etwa 15% der insgesamt noch ans Tageslicht zu befördernden Fundstücke früherer Kulturen. Im 6.Jh. vor unserer Zeitrechnung erreichte die Ausdehnung Großgriechenlands auch Süditalien. Überall waren griechische Ansiedlungen entstanden, so auch Velia - auf griechisch Elea - um 540 v. Chr.

Neben dem bedeutenden Poseidonia (später Paestum) hatte sich Elea bereits um 500 v.Chr. als geistiges Zentrum des Griechentums etabliert. Nach Cäsars Ermordung 44 v. Chr. soll übrigens auch dessen Mörder Brutus sich hier auf der Flucht versteckt haben.

Wegen seiner ersten Philosophenschule auf europäischem Boden, die sich nicht in Hellas, sondern in Kleinasien befand, war Elea viele Jahrhunderte lang der Ort der Eleatischen Schule.
Die Ausgrabungen von Velia (Elea)
oben und unten:
Die Ausgrabungen von Velia (Elea)
Die Ausgrabungen von Velia (Elea)
Einige Kilometer von unserem Urlaubsort entfernt lag Ascea Marina. Ein etwas zersiedelter, fast ausschließlich touristischer Badeort am lang gezogenen Badestrand. Der schönste Strandabschnitt ist das letzte, flache Stück, kurz bevor die Felsen wieder aus dem Meer steigen. Es mag zwar ein anderes Meer gewesen sein, in welches Horaz und Cicero zu ihrer Zeit eintauchten - kristallklar ist das Wasser aber immer noch.
Am Strand von Ascea Marina
Am Strand von Ascea Marina
Wir fahren die Küstenstraße, vorbei an Ascea Marina, Richtung Süden nach Pisciotta. Die Küstenstraße steigt hier wieder an und der atemberaubenste Teil der Cilentoküste beginnt. Verwegen und steil in den Berg gebaut, scheinen sich die Häuser von Pisciotta gegenseitig nach oben zu schieben.

Als normannische Gründung wurde der Ort an dieser strategisch guten Stelle mit dem atemberaubenden Rundumblick 1140 zum ersten Mal erwähnt. Die Bauern um Pisciotta sind berühmt für ihr Olivenöl, das ganz besonders herzhaft ist. Schon vor mehr als vier Jahrtausenden erließ Hammurabi VII., König von Babylonien, Vorschriften zur Züchtung, zum Handel und zur Produktionskontrolle. In den Cilento kamen sie - wie so vieles - mit den Griechen acht Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung und fanden hier ideale Bedingungen.
Pisciotta
Pisciotta
Schon von Weitem sieht man das Wahrzeichen des berühmtesten Badeorts dieser Küste, das legendäre Capo Palinuro.

Der Steuermann des Äneas, ein gewisser Palinuro, soll hier über Bord gegangen und ertrunken sein - angelockt vom Gesang verführerischer Sirenen. Das berichtet zumindest Vergil. Vielleicht ist dieser Palinuro aber auch nur in einem Sturm in die raue See gefallen - immerhin bedeuteten solche Landzungen in damaliger Zeit ein gefährliches Hindernis. Weit ragt diese Halbinsel ins Meer hinein. Ihre nördliche Flanke ist bebaut, auf der Südseite ist die Küste steiler und bildet kleine Buchten.
Capo Palinuro
Capo Palinuro
Capo Palinuro
Die zahlreichen Grotten und Höhlen sind zwar nicht sensationell, aber die launigen Geschichten der einheimischen Fischer machen solche Fahrten zum unvergesslichen Erlebnis. Von der Südseite des Kaps sieht man den berühmten Arco Naturale, den natürlich entstandenen Felstorbogen, wohl der wildeste Küstenabschnitt des Cilento.
Capo Palinuro
Auf diesem Foto sehen wir den Finistra Palinuro. Wer ganz genau hinschaut, sieht durch das Loch den Leuchtturm vom Capo Palinuro. Eines der bekanntesten Fotomotive des Cilento!
Capo Palinuro

2 - Im Hinterland:

Unser Fahrt führt uns von Ascea über Terradura nach Catona. Hier entdecken wir abseits des Durchgangsverkehrs das wunderschön gelegene Santuario Madonna del Carmine.

Der Weg führt uns über Mandia, vorbei an den Wasserquellen "Sorgenti le pantane" in Richtung Santa Barbara. Normalerweise ist man hier selten alleine. Entweder verkauft ein Bauer selbstgemachten Likör aus Waldbeeren oder es wird kistenweise das wunderbar weiche Quellwasser in unzählige Flaschen abgefüllt, um diese dann mit nach Hause zu nehmen.
Das Santuario Madonna del Carmine
Das Santuario Madonna del Carmine
Die Wasserquellen "Sorgenti le pantane"
Die Wasserquellen "Sorgenti le pantane"
Bevor wir einen etwas größeren Sprung zu den Grotten von Castelcivita machen, eine kleine Rast in Ceraso.

Dieses Städtchen liegt am kleinen Fluss Palistro. Ein wunderschöner Dorfplatz mit schattenspendenden Bäumen und zwei kleinen Cafes. Mich beeindruckten hier aber ganz besonders die kleinen Gassen. Hier werden mit Blumen und Farbe aus den unscheinbarsten Gassen wunderschöne versteckte Ecken. Zu jeder Tageszeit ein phantastisches Zusammenspiel von Licht und Schatten.

Ceraso liegt etwa 4km südlich der "Hauptstadt" des Cilento, Vallo della Lucania. Hier findet jeden Sonntag Morgen der größte Markt des Cilento statt. Wenn Vallo nicht selbst, dann ist zumindest dieser Markt einen Besuch mehr als wert!
Ceraso
Ceraso
Ceraso   Ceraso
Jetzt der kleine Sprung in den Norden zur Grotte di Castelcivita. Die auch als "Teufelshöhle" oder "Spartakushöhle" bekannte Höhle liegt bei etwa 94 m ü.d.M. am Ufer des Calore-Flusses. Die hier gefundenen Geräte aus Stein, aber auch Fossilreste beweisen, dass bereits vor mehr als 40.000 Jahren diese Höhle von Menschen benutzt oder bewohnt wurde.
Die Grotte di Castelcivita
Die Grotte di Castelcivita
Schon weithin sichtbar ist das Kreuz auf dem Gipfel des Monte Sacro. Wir erlaubten uns mit dem Auto diesen Wallfahrtsort zu besuchen. Aber viele Pilger machen die 5 Std. von Novi Velia auch zu Fuß. Die Cilentaner sowieso, denn eine Tradition will, dass sie einmal in seinem Leben diesen Wallfahrtsort besuchen sollten.
Der Monte Sacro
Der Monte Sacro
Über die alte SS 18 führt uns nun der Weg in Richtung Osten. Unser Ziel ist das Bergdorf Camerota, nicht zu verwechseln mit dem Touristenort Marina di Camerota.

Ein Gang durch die Gassen von Camerota ist eine Wohltat für die Sinne. Immer wieder führen enge Gassen, in denen man kaum zu zweit nebeneinander gehen kann, auf kleine Plätze, von denen man sich weiter den Berg hinaufschraubt. Oben sieht man die Ruinen des kleinen Forts von Camerota. Ein atemberaubender Blick hinunter aus 300m Höhe bis aufs Meer entschädigt für jede Blase an den Füssen...
Camerota
Camerota
     
Das Hinterland im Cilento ist ausnahmslos kultiviert. Im Cilento wird überwiegend Olivenanbau betrieben und das hier produzierte Olivenöl gehört qualitativ zu den besten von Italien.

In den Olivenhainen werden bereits im Sommer die Netze vorbereitet, um diese dann gegen Mitte Dezember endgültig unter die Bäume zu spannen. Maschinelle Olivenernte ist im Cilento kaum machbar. Einmal wegen des unwirtlichen Geländes, zum anderen aber wegen der Größe der Bäume. Wer bislang die Größe der Olivenbäume auf unter 5 m schätzte, wird im Cilento mehr als überrascht sein. Bäume mit bis zu 18m Höhe sind hier nämlich keine Seltenheit!
Olivenanbau im Cilento
Olivenhaine im Cilento
Sonnenuntergang im Cilento
Diesen Reisebericht schließen wir mit der Erinnerung an wunderschöne Sonnenuntergänge,
die sich nicht annähernd in Bilder fassen lassen!
Text und Fotos: Bernhard Kieninger

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