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Der folgende Artikel ist die aktualisierte Version eines von mir im Jahr 2000 geschriebenes Artikels, der damals von der deutsch-italienischen Zeitschrift Contrasto veröffentlicht wurde. Il seguente articolo è la versione aggiornata di un articolo scritto da me nel 2000 e pubblicato allora dalla rivista italo-tedesca Contrasto.


Der Artikel "Eurofilia" aus dem Jahr 2000,
veröffentlicht in der Zeitschrift "Contrasto"

Die Meinungsumfragen sprechen eine klare Sprache: Wenn in der Vergangenheit, vor der Einführung des Euro, gefragt wurde, wie die Italiener über das vereinte Europa oder über den Euro dachten, dann waren die Antworten in Italien immer sehr viel positiver als in anderen europäischen Ländern.

Die Einführung des Euro hat die unvoreingenommen positive Haltung der Italiener zwar etwas relativiert, aber nicht radikal umgekrempelt. Aber dass der Euro, wie die Regierung Berlusconi oft behauptet hat, einer der Hauptgründe für die Preiserhöhungen in Italien ist, glaubt kaum einer ernsthaft.

Volksabstimmungen gab und gibt es in Italien sehr viele, aber abgesehen von einigen unverbesserlichen norditalienischen Separatisten ist es bis heute noch nie jemandem eingefallen, den europäischen Zusammenschluss und den Euro ernsthaft in Frage zu stellen.

Sind die Italiener also bessere und überzeugtere Europäer? Auf den ersten Blick scheint es in der Tat so, auf den zweiten bemerkt man jedoch Dinge, die nicht ganz in dieses Bild passen.

I sondaggi parlano chiaro: quando in passato, prima dell'introduzione dell'Euro, si chiedeva che cosa pensassero gli italiani dell’Europa unita o dell’Euro il risultato era sempre molto più positivo che negli altri paesi dell’Europa.

L'introduzione dell'Euro ha certamente smorzato questo atteggiamento incondizionatamente positivo, ma non l'ha cambiato completamente. Il fatto che l'Euro, come ha spesso affermato il governo Berlusconi, sia stato il motivo principale dell'aumento dei prezzi in Italia, non lo crede quasi nessuno seriamente.

In Italia ci sono stati spesso - e ci sono ancora - dei referendum popolari, ma, a parte alcuni incorreggibili separatisti dell'Italia settentrionale, a nessuno è mai venuto in mente di mettere in dubbio l’unificazione dell’Europa e l'Euro.

Gli italiani sono quindi migliori e più convinti europei? A prima vista sembrerebbe proprio di sì, ma andando più a fondo si scoprono delle cose che non collimano del tutto con quest’immagine.

Untersuchungen über die Verbreitung von Fremdsprachenkenntnissen zeigen immer wieder, dass die Italiener unter diesem Aspekt in Europa ziemlich am Ende stehen. Fragt man die Italiener, wie sympathisch sie die Deutschen, Engländer oder Franzosen finden, wie sie ihre Lebensweise, ihre Gewohnheiten beurteilen, dann sehen die Ergebnisse ganz anders aus (im Durchschnitt natürlich): die italienische Lebensart scheint unübertroffen in Europa. Fragt man dann noch, in welchem Land Europas sie am liebsten leben würden, gibt es nur wenige, die diese Frage nicht mit einem überzeugten „In Italien natürlich“ beantworten. Ein weiteres Symptom für den Nationalstolz ist die italienische Fahne, die allgegenwärtig ist und bei jeder Gelegenheit vorgezeigt wird.

Manchmal scheinen die Italiener sehr viel nationalistischer zu sein als die Deutschen. Wie kann man das vereinbaren mit der weitgehenden Zustimmung zum Europagedanken?

Le indagini sulla diffusione della conoscenza delle lingue straniere continuano a dimostrare che, tra gli europei, gli italiani a questo proposito sono quasi in coda. Se si chiede agli italiani quanto simpatici siano i tedeschi, gli inglesi o i francesi, come giudicano il loro modo di vivere e le loro abitudini, allora i risultati sono molto diversi (in media, naturalmente): il modo di vivere italiano sembra il migliore d’Europa. Se infine si chiede a un italiano in quale paese dell’Europa preferirebbero vivere, allora solo pochi non rispondono con un convinto “naturalmente in Italia”. Un altro sintomo dell’orgoglio nazionale italiano è l’onnipresente tricolore, mostrato in ogni occasione.

A volte gli italiani sembrano essere molto più nazionalisti dei tedeschi. Come si concilia allora questo fatto con il vasto consenso all’idea dell’Europa unita?

Man kommt der Antwort näher, wenn man untersucht, was sich die Italiener eigentlich von Europa erwarten. In der Regel sind es politische Stabilität, Effizienz und Modernität der Verwaltung, Sauberkeit und Korrektheit in der Politik, ein Ende der Vetternwirtschaft und der Korruption. Mit anderen Worten: sie erwarten von Europa das, was der italienische Staat offensichtlich bisher nicht garantieren konnte.

Der Stolz auf die „italianità“, d.h. auf die eigene Lebensweise, aber auch auf die Schönheit des Landes und seine Beliebtheit im Ausland steht in krassem Gegensatz zu dem Abgrund, den die italienischen Bürger vom eigenen Staat trennt. Der Staat war und ist für viele der Feind, den man sich so weit wie möglich vom Leib zu halten hat. Selbst Italiener, die die jeweilige Regierungspartei wählen, sprechen über den Staat oft so, als ob es da kaum noch etwas zu retten gäbe. Das Vertrauen der Italiener in die Verbesserbarkeit des eigenen Staates ist wohl so niedrig, wie in kaum einem anderen Land Europas.

Wenn Deutsche den eigenen Staat kritisieren, wollen sie ihn ändern, wenn Italiener Kritik üben, dann tun sie es in der Regel mit einem resignierten Unterton: so war es immer und so wird es auch bleiben. Etwas überspitzt ausgedrückt könnte man sagen: die Italiener lieben Italien, aber sie verabscheuen den italienischen Staat.

Die Gründe dafür reichen weit in die Vergangenheit zurück und sind ohne Berücksichtigung des ausgeprägten Regionalismus in Italien und auch des tief verwurzelten Individualismus der Italiener kaum zu verstehen. Sie genauer zu analysieren würde jedoch den Rahmen dieses Artikels weit sprengen.

Ci si avvicina alla risposta se si cerca di capire che cosa, alla fin fine, si aspettano gli italiani dall’Europa. Di solito sono stabilità politica, efficienza e modernità dell’amministrazione, pulizia e correttezza nella politica, fine del clientelismo e della corruzione. In altre parole, si aspettano dall’Europa quello che lo stato italiano evidentemente finora non è riuscito a garantire.

L’orgoglio dell’ “italianità”, cioè del proprio modo di vivere, ma anche della bellezza del Paese e della stima che gode all’estero, stanno in netto contrasto con l’abisso che separa il cittadino italiano dal proprio stato. Lo stato ha sempre rappresentato – e per molti resta tutt’oggi – il nemico dal quale bisogna tenersi il più lontano possibile. Persino gli italiani che votano i rispettivi partiti al governo parlano a volte dello stato come di qualcosa che sarebbe meglio buttare. La fiducia degli italiani nella possibilità di poter migliorare il proprio stato è molto scarsa, probabilmente come in pochi altri paesi dell’Europa.

Quando i tedeschi criticano lo stato vogliono modificarlo. Gli italiani, invece, lo fanno di solito con un tono di profonda rassegnazione: così è sempre stato e così rimarrà. Con un’espressione un po’ forzata si potrebbe dire che gli italiani amano l’Italia, ma detestano lo stato italiano.

I motivi di questo disagio risalgono ad un passato molto lontano e sono difficilmente comprensibili senza considerare il forte regionalismo in Italia e il radicato individualismo degli italiani.
Purtroppo lo spazio di questo articolo non consente di analizzarne questi motivi più dettagliatamente.

Die negative Einstellung dem eigenen Staat gegenüber führt manchmal zu einer ans Komische grenzenden Überschätzung des Auslandes, zu einer Tendenz, wenigstens auf dem Gebiet der Politik das, was aus dem Ausland kommt, grundsätzlich für besser zu halten. Bei vielen politischen Diskussionen ist oft eine zentrale Frage: was denkt man im Ausland darüber? Eine politische Kritik ist dann besonders vernichtend, wenn der Kritisierende zeigen kann, dass es in Deutschland, England,  Frankreich oder in Amerika ganz anders gemacht wird.

Ein Hauch von Ausland verschafft in der italienischen Politik immer einen kleinen Vorteil. Ist es vielleicht ein Zufall, dass der (links-außen) Politiker Bertinotti immer betont englisch gekleidet ist? Oder dass der (mitte-rechts) Politiker Buttiglione oft mit seinen guten Deutsch-Kenntnissen kokettiert? Und Berlusconi hat nie mehr gestrahlt, als auf den Fotos neben "seinem Freund" Bush.

Auf der anderen Seite gibt es im erz-katholischen Italien auch eine Tendenz, stark vertreten in der Regierung Berlusconi, Italien gegen die zu liberalen Einflüsse aus anderen Ländern Europas (Homo-Ehe, Sterbehilfe, Abtreibung) abzuschotten und eine Art katholischen Patriotismus dagegenzusetzen. Die euroskeptische Berlusconi-Regierung hat aber die unkritische Europaverehrung eigentlich nur durch eine ebenso unkritische Amerikaverehrung ersetzt.

L’atteggiamento negativo nei confronti del proprio stato porta a volte a una esterofilia che confina con il comico: la tendenza, almeno nel campo della politica, a ritenere a priori migliore tutto quello che viene dall’estero. In molte discussioni politiche spesso una domanda centrale è: che cosa si pensa di questo problema all’estero? Una critica politica diventa particolarmente efficace quando colui che la esprime può dimostrare che in Germania, in Inghilterra, in Francia o in America questo problema viene trattato in una maniera del tutto diversa.

Un accenno all'estero procura sempre un piccolo vantaggio nella politica italiana. È forse un caso che il politico Bertinotti (di sinistra) si vesta sempre in stile esplicitamente inglese? oppure che Buttiglione (centro-destra) si vanta spesso delle sue buone conoscenze della lingua tedesca? E Berlusconi non si è mai mostrato più raggiante che nelle foto che lo mostrano accanto al "suo amico" Bush.

Dall'altra parte c'è, nella cattolicissima Italia, anche una tendenza, fortemente rappresentata nel governo Berlusconi, di blindare l'Italia contro le influenze troppo liberali provenienti da altri paesi europei (matrimonio tra gay, eutanasia, aborto) e di porvi contro una specie di patriottismo cattolico. Ma il governo euroscettico di Berlusconi ha, in realtà, solo sostituito l'ingenua eurofilia con una altrettanto acritica ammirazione dell'America.

Das Heil wird also von vielen immer noch aus dem Ausland erwartet. Aber, so muss man sich natürlich fragen, können die Probleme, die ihre Ursache in Italien haben, wirklich „von außen“ gelöst werden? Viele Italiener haben das inzwischen auch verstanden, denn außer einer unzweifelhaften Währungsstabilität (wer erinnert sich nicht an die berüchtigten Kursstürze der wackeligen italienischen Lire) haben sich die Hoffnungen kaum erfüllt. Aber die Unerfüllbarkeit dieser Wünsche wird weniger Europa, als der vermeintlichen Unverbesserlichkeit des italienischen Staates angelastet. Ein Karikaturist der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" hat unlängst angesichts des andauernden Polit-Chaos den verzweifelten Hilfeschrei ausgestoßen: "Jetzt helfen nur noch zweihundert Jahre ausländische Besetzung!"

Man muss sich schließlich auch fragen: Haben die Überschätzung des Auslandes, was die politische Ebene betrifft und die Geringschätzung dieser Länder, was die Lebensweise und Mentalität ihrer Einwohner angeht, nicht vielleicht die gleiche Wurzel? Liegt es nicht vielleicht an einer mangelnden oder doch sehr oberflächlichen Kenntnis dieser Länder?

Per molti la salvezza dovrà dunque venire da fuori, dall’estero. Ma bisogna chiedersi se i problemi che hanno origine in Italia possano essere veramente risolti “dall’esterno”. Molti italiani l'hanno nel frattempo anche capito perché, a parte una indubbia stabilità della valuta (chi non si ricorda gli spaventosi crolli della vecchia e instabile lira), le speranze non sono affatto diventate realtà. Ma la colpa di questa delusione non viene attribuita all'Europa, ma piuttosto alla presunta incorreggibilità dello stato italiano. Un vignettista del quotidiano italiano "Corriere della Sera" ha recentemente emesso, di fronte al perdurante caos politico, il grido disperato di aiuto: "Ora servono solo duecento anni di occupazione straniera!"

Infine bisogna anche chiedersi: la sopravvalutazione dell’estero per quanto riguarda la politica, nonché la poca stima che godono questi paesi per quanto riguarda mentalità e modo di vivere dei loro abitanti, non hanno forse alla fine la stessa radice? Cioè una conoscenza molto scarsa o superficiale di questi paesi?

Siehe auch:

Die Europawahlen 2009
Der Wahlkampf vor den Europawahlen 2009 in Italien hatten kaum europäische Inhalte, alles ging im Wesentlichen darum, ob Berlusconi seine innenpolitische Macht und seinen Einfluss noch erweitern konnte.

Über die deutsch-italienische Zeitschrift "Contrasto":

Contrasto
Eine Zeitschrift aus Hamburg, herausgegeben von der gleichnamigen Kulturvereinigung. Alle Artikel sind zweisprachig: auf Deutsch und auf Italienisch!

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