|
Ursula Wiegand begleitet Sie auf einem Teilstück des Pilger-und Wanderwegs
"Via Romea", von Ravenna nach Bagno di Romagna, durch einige der schönsten Gegenden der Region Emilia Romagna.
![]() Der Regionalpark Foreste Casentini im Morgenlicht Foto: Ursula Wiegand Alles begann im Jahre 1236...
Via Romea heißt ein neuer Pilger- und Weitwanderweg, doch der hat eine lange
Geschichte. Schon Abt Albert von Stade nutzte ihn, als er sich 1236 nach Rom
aufmachte.
Stade liegt westlich von Hamburg, und so führt die Via Romea von Norddeutschland durch Niedersachsen, Mitteldeutschland und Bayern. Sie quert Österreich, Südtirol, die Emilia Romagna, die Toskana, das Trentino und Oberitalien und erreicht schließlich die ewige Stadt. Eine Route ohne Andrang von Pilgern und Wanderern. Die Via Romea ist noch ein echter Geheimtipp. Der Grund für Abt Alberts Reise? Er wollte sein Marienkloster in eine Zisterzienserabtei umwandeln und brauchte dafür die Zustimmung des Papstes. Die Füße hat er sich auf der 1.600 km langen Strecke kaum wund gelaufen, wurden zuvor doch Pferde aus Dänemark besorgt. So steht es in seinen „Annales Stadense“ von 1251/52, verfasst als munterer Dialog zwischen zwei Klosterbrüdern. Ein lockerer Bericht, aber mit solch exakten Beschreibungen und Entfernungsangaben, dass sich die Route wiederfinden ließ. Während Abt Albert auf dem Hinweg einen Umweg über Burgund machte - vermutlich zu den dortigen Zisterzienserklöstern - verlief die Heimreise zielgerichtet gen Norden. Sein Rückweg ist die jetzige Via Romea. ![]() Ein Wegweiser entlang der Via Romea Foto: Sandra Lumetsberger Ravenna:
Startpunkt unserer Via Romea ist Ravenna,
UNESCO-Weltkulturerbe und Hauptstadt der Mosaike. In fabelhafter Fülle
finden wir sie in der Basilika San Vitale. Welche Farbenpracht bei
Bildwerken und Ornamentik! „Die Mosaike bestehen aus eingefärbtem Glas, die
verblassen nicht,“ weiß Stadtführerin Dorothea Weidemann.
![]() Jesus auf dem Globus - ein Mosaik in der Kirche San Vitale in Ravenna Foto: Ursula Wiegand ![]() Kaiserin Theodora mit Gefolge - ein Mosaik in der Kirche San Vitale in Ravenna Foto: Ursula Wiegand Es war eine gute Wahl. Treu stand sie an seiner Seite, wurde seine Ratgeberin und ermutigte ihn, einen Aufstand niederzuschlagen. Als Justinian an der Pest erkrankte, führte sie die Reichsgeschäfte. Noch älter sind die Mosaike im Mausoleum der Galla Placidia, das diese Kaiserin ab 425 für sich errichten ließ. Begraben wurde sie hier wohl nicht, denn sie starb 450 in Rom. Auch dominiert St. Laurentius, ein römischer Heiliger, den runden Raum. Züngelnde Flammen um den Rost künden von seinem Feuertod. - Doch warum drängen so viele in die Kirche San Francesco? Die hat sich gesenkt, so dass Grundwasser eingedrungen ist. Nun schwimmen Goldfische in der 3,5 m tiefen Krypta. Cesena:
Nächste Station ist Cesena, und genau wie Abt Albert
überbrücken wir größere Entfernungen mit Transporthilfen. Statt der Pferde
sind es Räder oder Busse. - Cesena, jahrhundertelang von Päpsten und Kaisern
begehrt und schließlich schlimm zerstört, wurde ab 1379 von der Adelsfamilie
Malatesta wieder aufgebaut und gilt als Renaissanceperle. So schön sah sie
Abt Albert nicht, konnte sicherlich auch nicht wie wir die trutzige Festung
La Rocca treppauf, treppab erkunden.
![]() Die Biblioteca Malatestiana in Cesena Foto: Ursula Wiegand ![]() Ein Chorbuch der Biblioteca Malatestiana in Cesena Foto: Ursula Wiegand Von Santa Sofia nach Bagno di Romagna:
Bagno di Romagna, die nächste Etappe, erreichen wir über
Santa Sofia. Hübsche Bauten mit netten Cafés reihen sich am
Flüsschen Bidente. Dort steht auch die Jugendherberge, in der Pilger
ebenfalls willkommen sind. Es gibt 1- bis 11-Bett-Zimmer sowie eine Küche.
Auf Wunsch fährt ein Shuttle-Bus Pilger und Wanderer von Santa Sofia ein reichliches Stück bergan, so dass sich die Strecke auf 15 km verkürzt. Naturparkführer Silvio Mini begleitet uns und wählt einen Weg mit Aussicht am Rande des Regionalparks Foreste Casentinesi. Wie Wellen reihen sich in der Ferne die bewaldeten Bergketten (siehe Foto oben). Danach Erholung in der Eurotherme von Bagno di Romagna, und das hat Tradition. Schon die alten Römer schätzten das dortige Thermalwasser, und so ist der Ort noch immer ein gern besuchtes Ziel, auch für Fleißige, die in der dortigen Schule Italienisch lernen. Gut durchgewärmt wagen wir uns in die wehrhaft wirkende romanische Basilika Maria Assunta (9. Jh.). ![]() Die Kirche Maria Assunta in Bagno di Romagna Foto: Ursula Wiegand Das Franziskanerkloster La Verna:
Nun aber nach La Verna, zu einem der bedeutendsten
Franziskanerklöster Italiens. Dafür ist ein kleiner Abstecher in die Toskana
nötig, und der lohnt sich. Ab Badia Prataglia stapfen wir auf Franziskus’
Spuren durch tausendjährigen Forst. Große bemooste Steine und von Efeu
umrankte Baumriesen verleihen dem Pfad etwas Mystisches, und wieder sind wir
ganz unter uns.
![]() Das Kloster La Verna auf dem Monte Penna Foto: Christiane Pötsch-Ritter Nach Kreuzzügen und diversen Reisen zog es Franziskus 1222 wieder in diese Stille. Dort erhielt er 1224 nach 40-tägigem Fasten – 2 Jahre vor seinem Tod - die Stigmata, gedeutet als Wundmahle Christi. Bald wurde an dieser Stelle die Stigmata-Kapelle errichtet, später eine Kirche und ein Klosterkomplex. Täglich um 15 Uhr, zur Todesstunde Jesu, ziehen die Franziskaner über das Klostergelände ins Gotteshaus. 17 Brüder und 6 Novizen sind es an diesem Tag. Der Orden, dessen Gründer den Vögeln predigte, der Feuer, Wasser und die Gestirne im „Sonnengesang“ seine Brüder nannte, hat offenbar kaum Nachwuchssorgen. Franziskus hat weiterhin viele Aufgaben. Seit 1939 ist er der Patron Italiens, gilt aber auch als Beschützer der Amen und Behinderten, der Schiffbrüchigen, der Straftäter und der Tiere. Papst Johannes Paul II hat ihn 1980 zum Patron für den Umweltschutz erklärt. ![]() Franziskaner-Prozession im Kloster La Verna Foto: Silvio Mini Wer länger bleiben möchte, kann sich im Kloster einmieten, an den Gebeten teilnehmen und beim Wandern den Vögeln lauschen. So wie Franziskus. Doch fasten wie er muss niemand, weder im Kloster noch in der Emilia Romagna. Gerade die ist ja für gute Küche bekannt.
Text: Ursula Wiegand
Ursula Wiegand ist eine erfahrene Reise- und Kulturjournalistin, die für diverse Blätter arbeitet. Italien gehört zu ihren Lieblingszielen. Andere Seiten von Ursula Wiegand in reise-nach-italien.de: Verona - Turin - Turin kulinarisch - Ferrara - Lucca - Lucca und Puccini - Malcesine - Ledrotal - Capri - Messina - Lago Maggiore - Herbsturlaub in Emilia Romagna Alle Beiträge anderer Autoren: Alle Seiten der Mitarbeiter Weiterführende Infos:
Ungefähre Kilometerangaben zu dieser Teilstrecke der Via Romea:
Empfohlene Unterkünfte:
Weitere Unterkünfte zwischen Ravenna und Bagno di Romagna:Es gibt bis jetzt 1 Kommentar zu dieser Seite:
Sabine Seidel (Kunsthistorikerin und
ehemalige Stadtführerin von Ravenna) schreibt über die Mosaike in Ravenna:
Man hat damals, im 5./6.Jhr. millimeterdicke, durch und durch eingefärbte Glasplatten hergestellt (die Produktionsöfen wurden in Ravenna bei archäologischen Grabungen entdeckt) und diese dann, von Hand, mit einem entsprechendem Hammer in kleine Stückchen zerschlagen, um sie danach, den Vorzeichnungen entsprechend, auf einem Kalkuntergrund an den Wänden anzubringen. Wobei der Neigungswinkel der kleinen Glasstückchen zueinander, bewußt unterschiedlich ist. Denn nur so kann sich das Licht, das auf die Mosaike fällt, in immer unterschiedlichen Richtungen brechen und reflektieren. Bei den goldenen Mosaiksteinchen handelt es sich sogar um eine hauchdünne Schicht Blattgold, eingebettet zwischen zwei Glasschichten. Diese goldenen Glassteinchen verwendete man vorwiegend als Hintergrund, z.B. in der Apsis von S.Vitale, um so die unsichtbare, alles überstrahlende, Gegenwart Gottes darzustellen. Alle Seiten über die Region Emilia Romagna:
Alle Regionen Italiens:
|
![]()
|
||||
Kostenloser Newsletter:Inhaltsverzeichnisse (über 700 Seiten): |
|||||
Vom gleichen Webmaster sind:
www.viaggio-in-germania.de - Portale italiano sulla Germania
www.viaggio-in-austria.it - Portale italiano sull'Austria
![]()