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Ein Blick über die Altstadt von Verona
Menschen aller Herren Länder
strömen durch die malerische Altstadt, und alle landen irgendwann auf der
belebten Piazza Erbe, dem einstigen römischen Forum. Dort ist nach wie vor das
Zentrum der Stadt mit dem Rathausturm Torre Lamberti und einem quirligen Markt.
Hier zweigen die wichtigsten Straßen ab: der Corso Porta Borsari, die Via
Mazzini und die Via Cappello mit dem Haus der Julia.
In diesen Straßen tobt das Leben. Alle paar Meter eine Eisdiele, dicht an dicht
die Schuh- und Textilläden. Wie die Italiener schauen die Gäste in die
Geschäfte, probieren hier, fragen dort. Die jeweils aktuelle Mode lockt
und einige Sachen der letzten Saison lassen sich auch noch zu Schnäppchenpreisen ergattern. Alles mit
italienischem Schick.
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Die Via Mazzini führt direkt zur Arena di Verona, wo das berühmte
Opernfestival von Juni bis August allabendlich über die Bühne geht. Das
eigentliche Ziel vieler Gäste. Wer sich einstimmen möchte, bucht zusätzlich
„anteprima opera“, eine Einführung in einem der schönen alten Paläste. Junge
Künstler singen bekannte Arien, danach lockt ein feines Buffet mit regionalen
Produkten und guten Weinen. Mehr dazu auf dieser Seite:
www.anteprimaopera.it.
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Ursula Wiegand, die Autorin dieses Artikels, ist eine
erfahrene Reise-
und Kulturjournalistin, die für
diverse Blätter arbeitet.
Italien gehört zu ihren Lieblings-
zielen.
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Animiert gehen die Teilnehmer während der Festival-Saison zur Arena. Nicht wenige sind
Wiederholungstäter, andere erfüllen sich damit einen lang gehegten Traum. Wo zur
Römerzeit das Blut der Gladiatoren in den Sand floss, fließt jetzt bei
Verdi-Opern wie „Tosca“ oder „Aida“ oder bei anderen opulenten Inszenierungen im
Dunkeln manch heimliche Träne.

Die Tosca-Aufführung 2009 in der Arena
Dieses Festival und die Atmosphäre Veronas stimmen heiter und
unternehmungslustig. Klar, dass Besucherscharen den Balkon der Julia fixieren,
von dem sie sich aus Kummer über ihren Romeo angeblich hinunterstürzte. Zweimal täglich
stellen zwei Schauspieler den Flirt der beiden nach. Das Haus von Romeo in der
Via Arche Scaligere wird dagegen kaum beachtet.

Romeo und Julia - die klassische Liebesszene
Heutige Pärchen gehen lieber zum Pozzo dell’ Amore, dem Liebesbrunnen im
Sträßchen Vicolo San Marco in Foro, einer Abzweigung vom Corso Porta Borsari.
Zahlreiche kleine Sicherheitsschlösser sind im Abdeckgitter befestigt. Soll
heißen, wir ketten unsere Herzen aneinander. Verona – noch immer die Stadt der
Verliebten.
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Nur wenige Schritte weiter verlieben sich Genießer in die feinen Weine, Liköre
und Grappas in der Enoteca „Oreste dal Zovo“. Weine für 10 bis 100.000
Euro/Flasche birgt diese „Wunderkammer“, über die internationale
Gourmet-Magazine schon öfter berichtet haben. Dennoch geht’s dort angenehm
lässig zu. Die Preise für „normale“ Qualitätsweine sind moderat. Für 1,50 Euro
schenkt der Chef ein Glas aus. Der Amarone della Valpolicella, eine Spezialität
der Region, kostet 5 Euro pro Glas. Der älteste Cognac von 1802 bleibt
allerdings verschlossen. |
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Ein bisschen zuviel probiert? Dann schnell um die Ecke ins „Tubino“ auf dem
Corso Porta Borsari 15. Dort gibt es den besten Kaffee der Stadt, feine Tees und
verführerische Leckereien. Der kleine Laden brummt, und das Tässchen Espresso Macchiato für 1 Euro ist Genuss pur.
Danach ist jeder und jede fit für den Anstieg zum Castel San Pietro. Über die
Brücke Ponte Pietra, die den Fluss Adige (Etsch) überspannt, führen
Treppenstufen recht steil empor. Die Schweißperlen rentieren sich, bietet sich
von oben ein toller Blick über die Stadt, auch zu später Stunde, wenn die
Veronas Lichter leuchten. Bis Mitternacht ist der Eingang geöffnet.

Das Castel San Pietro
Aus dem Gewirr der Dächer ragt zur Rechten der hellfarbige Dom heraus, zu Linken
Sant’ Anastasia, die größte Kirche der Stadt. Beim Dom (12. Jh.) beeindrucken
Krypta und Kreuzgang am meisten, zwei stille Plätze zum Träumen. In Sant'Anatasia (13/14. Jh.) fasziniert die wunderbare Deckenbemalung.

Die Deckenbemalung der Kirche Sant'Anatasia
Zurück zum Zentrum ist es nicht weit. Der Corso S. Anastasia führt direkt zur
Piazza dei Signori (neben der Piazza Erbe), dem mittelalterlichen
Regierungsviertel. Die Veroneser nennen ihn auch Dante-Platz, wegen der
Marmorstatue des großen Dichters in der Mitte. Der blickt auf die fabelhafte
Renaissanceloggia, ein Wahrzeichen der Stadt.

Castelvecchio, die trutzige Skaligerburg aus dem 14. Jahrhundert
Wer jetzt etwas Kühle braucht, geht zurück zum Fluss, denn dort weht stets ein
angenehmes Lüftchen. Wie ein umgekehrtes „U“ umfängt die Etsch die Altstadt. Am
westlichen Flussufer erhebt sich das Castelvecchio, die trutzige Skaligerburg
aus dem 14. Jahrhundert mit den typischen Schwalbenschwanzzinnen. Jetzt ist sie
das Kunstmuseum der Stadt. Ausgestellt sind Veroneser Malereien und Skulpturen
aus dem Mittelalter.
Das alte Verona ist eine Stadt der kurzen Wege. Alles ist gut zu Fuß erreichbar.
„Frau“ muss ja nicht auf hohen Absätzen stöckeln, wie es die Italienerinnen tun.
Vom Castelvecchio führt die Via Roma geradewegs zur Piazza Brà, dem größten
Platz der Stadt. Jung und alt sitzen dort neben dem plätschernden Brunnen unter
schattigen Bäumen, die Besucher eher gegenüber auf den Terrassen der Restaurants
in den früheren Adelspalästen. Die Tische sind – nicht nur hier - bis weit in
die Nacht besetzt. „Summer in the city“, niemand muss bibbern, niemand will
diese schöne Stadt verschlafen. Der Blick schweift hinüber zur Arena.
Überdimensionale Rosen, historische Streitwagen und zwei steinerne Sphinxe - die
Kulissen der nächsten Aufführungen - warten genau so wie die Opernfans auf die
nächste Aufführung.

Vor der Arena warten die Opernkulissen auf die nächste
Aufführung...
Text und Fotos: Ursula Wiegand |