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Ein Spaziegang durch Verona

Verona im Sommer – das ist wunderbar. Sonne satt und viel zum Gucken und Genießen. Aber auch der Herbst wärmt hier noch Haut und Herz und der Frühling bezaubert den Besucher mit frischen Farben und milden Temperaturen. Ursula Wiegand begleitet Sie auf dieser Seite auf einem Spaziergang durch die malerische Altstadt von Verona.

Verona
Ein Blick über die Altstadt von Verona
Siehe auch die andere Seite über Verona: Verona - touristische Infos

Menschen aller Herren Länder strömen durch die malerische Altstadt, und alle landen irgendwann auf der belebten Piazza Erbe, dem einstigen römischen Forum. Dort ist nach wie vor das Zentrum der Stadt mit dem Rathausturm Torre Lamberti und einem quirligen Markt. Hier zweigen die wichtigsten Straßen ab: der Corso Porta Borsari, die Via Mazzini und die Via Cappello mit dem Haus der Julia.

In diesen Straßen tobt das Leben. Alle paar Meter eine Eisdiele, dicht an dicht die Schuh- und Textilläden. Wie die Italiener schauen die Gäste in die Geschäfte, probieren hier, fragen dort. Die jeweils aktuelle Mode lockt und einige Sachen der letzten Saison lassen sich auch noch zu Schnäppchenpreisen ergattern. Alles mit italienischem Schick.

Die Via Mazzini führt direkt zur Arena di Verona, wo das berühmte Opernfestival von Juni bis August allabendlich über die Bühne geht. Das eigentliche Ziel vieler Gäste. Wer sich einstimmen möchte, bucht zusätzlich „anteprima opera“, eine Einführung in einem der schönen alten Paläste. Junge Künstler singen bekannte Arien, danach lockt ein feines Buffet mit regionalen Produkten und guten Weinen. (Mehr dazu hier: www.anteprimaopera.it)

Animiert gehen die Teilnehmer während der Festival-Saison zur Arena. Nicht wenige sind Wiederholungstäter, andere erfüllen sich damit einen lang gehegten Traum. Wo zur Römerzeit das Blut der Gladiatoren in den Sand floss, fließt jetzt bei Verdi-Opern wie „Tosca“ oder „Aida“ oder bei anderen opulenten Inszenierungen im Dunkeln manch heimliche Träne. (Tickets für das Opernfestival bei: www.arena.it)

Verona
Die Tosca-Aufführung 2009 in der Arena
Alle Fotos auf dieser Seite: Ursula Wiegand

Dieses Festival und die Atmosphäre Veronas stimmen heiter und unternehmungslustig. Klar, dass Besucherscharen den Balkon der Julia fixieren, von dem sie sich aus Kummer über ihren Romeo angeblich hinunterstürzte. Zweimal täglich stellen zwei Schauspieler den Flirt der beiden nach. Das Haus von Romeo in der Via Arche Scaligere wird dagegen kaum beachtet.

Verona
Romeo und Julia - die klassische Liebesszene

Heutige Pärchen gehen lieber zum Pozzo dell’ Amore, dem Liebesbrunnen im Sträßchen Vicolo San Marco in Foro, einer Abzweigung vom Corso Porta Borsari. Zahlreiche kleine Sicherheitsschlösser sind im Abdeckgitter befestigt. Soll heißen, wir ketten unsere Herzen aneinander. Verona – noch immer die Stadt der Verliebten.

Nur wenige Schritte weiter verlieben sich Genießer in die feinen Weine, Liköre und Grappas in der Enoteca „Oreste dal Zovo“. Weine für 10 bis 100.000 Euro/Flasche birgt diese „Wunderkammer“, über die internationale Gourmet-Magazine schon öfter berichtet haben. Dennoch geht’s dort angenehm lässig zu. Die Preise für „normale“ Qualitätsweine sind moderat. Für 1,50 Euro schenkt der Chef ein Glas aus. Der Amarone della Valpolicella, eine Spezialität der Region, kostet 5 Euro pro Glas. Der älteste Cognac von 1802 bleibt allerdings verschlossen.

Ein bisschen zuviel probiert? Dann schnell um die Ecke ins „Tubino“ auf dem Corso Porta Borsari 15. Dort gibt es den besten Kaffee der Stadt, feine Tees und verführerische Leckereien. Der kleine Laden brummt, und das Tässchen Espresso Macchiato für 1 Euro ist Genuss pur.

Danach ist jeder und jede fit für den Anstieg zum Castel San Pietro. Über die Brücke Ponte Pietra, die den Fluss Adige (Etsch) überspannt, führen Treppenstufen recht steil empor. Die Schweißperlen rentieren sich, bietet sich von oben ein toller Blick über die Stadt, auch zu später Stunde, wenn die Veronas Lichter leuchten. Bis Mitternacht ist der Eingang geöffnet.

Verona
Das Castel San Pietro

Aus dem Gewirr der Dächer ragt zur Rechten der hellfarbige Dom heraus, zu Linken Sant’ Anastasia, die größte Kirche der Stadt. Beim Dom (12. Jh.) beeindrucken Krypta und Kreuzgang am meisten, zwei stille Plätze zum Träumen. In Sant'Anatasia (13/14. Jh.) fasziniert die wunderbare Deckenbemalung.

Verona
Die Deckenbemalung der Kirche Sant'Anatasia

Zurück zum Zentrum ist es nicht weit. Der Corso S. Anastasia führt direkt zur Piazza dei Signori (neben der Piazza Erbe), dem mittelalterlichen Regierungsviertel. Die Veroneser nennen ihn auch Dante-Platz, wegen der Marmorstatue des großen Dichters in der Mitte. Der blickt auf die fabelhafte Renaissanceloggia, ein Wahrzeichen der Stadt.

Verona
Castelvecchio, die trutzige Skaligerburg aus dem 14. Jahrhundert

Wer jetzt etwas Kühle braucht, geht zurück zum Fluss, denn dort weht stets ein angenehmes Lüftchen. Wie ein umgekehrtes „U“ umfängt die Etsch die Altstadt. Am westlichen Flussufer erhebt sich das Castelvecchio, die trutzige Skaligerburg aus dem 14. Jahrhundert mit den typischen Schwalbenschwanzzinnen. Jetzt ist sie das Kunstmuseum der Stadt. Ausgestellt sind Veroneser Malereien und Skulpturen aus dem Mittelalter.

Das alte Verona ist eine Stadt der kurzen Wege. Alles ist gut zu Fuß erreichbar. „Frau“ muss ja nicht auf hohen Absätzen stöckeln, wie es die Italienerinnen tun. Vom Castelvecchio führt die Via Roma geradewegs zur Piazza Brà, dem größten Platz der Stadt. Jung und alt sitzen dort neben dem plätschernden Brunnen unter schattigen Bäumen, die Besucher eher gegenüber auf den Terrassen der Restaurants in den früheren Adelspalästen. Die Tische sind – nicht nur hier - bis weit in die Nacht besetzt. „Summer in the city“, niemand muss bibbern, niemand will diese schöne Stadt verschlafen. Der Blick schweift hinüber zur Arena. Überdimensionale Rosen, historische Streitwagen und zwei steinerne Sphinxe - die Kulissen der nächsten Aufführungen - warten genau so wie die Opernfans auf die nächste Aufführung.

Text und Fotos: Ursula Wiegand

Ursula Wiegand ist eine erfahrene Reise-und Kulturjournalistin, die für diverse Blätter arbeitet. Italien gehört zu ihren Lieblingszielen.
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Verona
Vor der Arena warten die Opernkulissen auf die nächste Aufführung...

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