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Der Dogenpalast - vom Wasser gesehen
Von unserem Kurzurlaubsquartier Winnebach im Südtiroler Teil
der Dolomiten fuhren wir (Anke, 6, Tim, 9 und der Papa) mit
dem Auto via Toblach, Cortina d'Ampezzo und Treviso nach
Venedig. In Zweidreiviertel Stunden problemlos machbar, die
LKWs durch die engen Alpentäler bis zur Autobahn sind
allerdings arg lästig.
Wenn Sie das auch mal machen wollen, sollten Sie allerdings
vorher eine Lebensversicherung abschließen: einige
Einheimische hatten es so eilig, dass in den engen Tälern
ohne Sicht vor Kurven, aber mindestens mit
Schallgeschwindigkeit, ganze Kolonnen überholt werden
mussten. Auch sehr beliebt: wenn der Gegenverkehr bergauf
zwei Spuren hat, die dann auch benutzt werden, kann man doch
locker trotzdem bergab überholen. Es hat aber immer gerade
noch gepasst - wer bremst verliert...
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Irgendwie
fahren "die Italiener" trotzdem genial – Unfälle scheinen
die diesem Stil nicht gewachsenen Touristen zu verursachen.
Trotzdem nicht wirklich zur Nachahmung empfohlen.
Auf
den Internetseiten (wofür macht man sie!) vorher schlau
gemacht, beschlossen wir nun, das Parkhaus Tronchetto
anzulaufen, da uns dasjenige auf der Piazzale Roma mit
36.000 Lire für einen Tag zu teuer erschien. Nun ja,
Tronchetto ist wirklich billiger, lediglich 33.000 Lire pro
Tag! Stundenweise abrechnen ist nicht. |
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Da wir nun viel Geld gespart hatten, konnten wir dies in
eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel
investieren. Es kostet für die Familie ja auch nur 45.000
Lire, fast geschenkt. Eine Woche nach der Heimkehr meldete
dann die Süddeutsche Zeitung, dass Venedig nun mit der
VeniceCard ein verbilligtes System für öffentliche
Verkehrsmittel und Museen eingeführt hat, dass man übers
Internet buchen kann. Das werden wir irgendwann mal
ausprobieren.

Ein Vaporetto - das wichtigste öffentliche
Verkehrsmittel in Venedig
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Immerhin haben wir im Internet auch noch rausbekommen, dass
nicht mit Hochwasser gerechnet werden muss. Die Stege waren
dann zwar da, aber auch überall schön zur Seite geräumt.
Aber nun ging es los, mit dem Vaporetto (eine Art Bus zu
Wasser) der Linie 82 zum Markusplatz. Die Kinder wollten
natürlich außen herum um die Stadt fahren, um die großen
Schiffe im Hafen zu sehen. Einige wenige waren sogar da und
aus dem Vaporetto erscheinen sie beeindruckend groß, auch
aus Entfernung. Zum Glück ging etwas Wind, so dass die
lieben Kleinen auch etwas Wellengang geboten bekamen.
Seefest waren sie immerhin – Fischefüttern war nicht
angesagt.
Leider konnte aber auch dieser Wind den Nebel nicht
vertreiben. Er hielt uns aber wenigstens die Stadt von den
ganz großen Menschenmassen frei, das letzte Mal war es hier
deutlich voller, nun gut, im Sommer. |

Dorette Deutsch: Gebrauchsanweisung für Venedig
Mehr Bücher über
Venedig... |

Der Canale Grande
Im Laufe der
Zeit wurde wenigstens Dunst aus dem Morgennebel, so dass die
Sicht doch weiter reichte, als zunächst befürchtet.
Und dann, wow, es ist immer wieder beeindruckend, aus
Richtung Giudecca/San Giorgio Maggiore mit dem Boot auf den
Dogenpalast/Markusplatz zuzufahren, Dunst hin, Nebel her.
Man sollte sich Venedig stets zu Wasser nähern!

Die Kirche San Marco neben dem Dogenpalast
An den ganzen vor dem Dogenpalast geparkten Gondeln vorbei
ging es nun zu Fuß zum Markusplatz. Kinder und Kultur? OK,
wir sind dann doch lieber Tauben jagen gegangen – und davon
sind nun wirklich genug vorhanden. Aber Erzählungen über die
Seufzerbrücke und die Bleikammern wurden dennoch gerne
gehört und ebenso die Lifemusik vor dem Cafe Quadri.

Die Seufzerbrücke
Der Campanile war wenig besucht, aber es trieb uns bei
diesen Sichtbedingungen nicht unbedingt so weit nach oben.
Venedig werden wir in jedem Falle wieder sehen!
Der
Uhrenturm war immer noch eingerüstet, wie schon zwei Jahre
zuvor. Das allerdings mit Stil, die Verkleidung zeigt den
nach der Renovierung zu erwartenden Anblick des Bauwerks.
Nun fuhren wir mit der 1 ab San Marco zur Piazzale Roma.
Bedingung war ein Vaporetto mit offenem Vordeck – die Kinder
wollten unbedingt vorne und im Freien sitzen. Das gelang uns
gut – so gut, dass es mit der Zeit etwas kühl wurde. Also
auf dem Rückweg beim Ca' Rezzonico ausgestiegen und mit dem
Traghetto für 1000 Lire die Person (Anke nur 500 – der
Gondoliere: "una mezza persona", ist das die deutsche "halbe
Portion"?) übersetzen lassen. Wir hatten die kleine Gondel
für uns und konnten so schön gemütlich im Sitzen den Canal
Grande überqueren. Die nächste "Bus"-Haltestelle war nicht
weit, aber mit ein paar Umwegen war uns wieder warm.

Mit dem Traghetto auf die andere Seite des
Canale Grande
Mit dem Hinweis auf die knurrenden Mägen ließen sich die
lieben Kleinen bei der nächsten Ankunft an der Haltestelle
Zaccharia erneut an Land nötigen. Durch Pizza auf die Hand
(der McD war so gesteckt voll, dass dieser Kelch an mir
vorüberging) erschien ein kurzer Rundgang durch das Viertel
San Marco weniger erschreckend. Und da gibt es ja auch so
allerlei zu sehen: ein Schaufenster mit einem ganzen
Mini-mini-Orchester plus Ballett aus Murano-Glas, umgeben
von diversen Tieren in allen Farben und Größen; Gondeln, in
den sich Japaner durch die engen Seitenkanäle fahren lassen,
mit Ziehharmonika und Gesang; sowie Wasserstraßen im Sinne
des Wortes und viele romantisch vergammelte Häuser.
Gerne hätte ich auch den Fortschritt beim Wiederaufbau von
La Fenice, dem berühmten Opernhaus gesehen, aber wir waren
ja zum Bootfahren hier.
Es gibt ja nun auch andere
"Buslinien" als die 1 und 82. Leider erlaubten diese nicht,
vorne draußen zu sitzen und so schieden sie auf dringenden
Wunsch der Kinder aus. Schade, einige Abstecher in die
Reviere abseits des Canal Grande wären auch interessant
gewesen. Das nächste Mal fahren wir aber auch durchs Arsenal
und bei schönem Wetter mal an den Lido. Man kann nicht alles
an einem Tag haben...

Die Rialto-Brücke über dem Canale Grande
Es ist direkt erstaunlich anzusehen, was man so alles aufs
Wasser zwingen kann: den Paketdienst DHL (das einzige Boot,
das topgepflegt war), Bagger, Kräne, den Tiefkühldienst
Bofrost, mindestens fünf (5!) Arten Polizei, Krankenboote,
Betonlastwagen, Getränkedienste usw. etc.
Wenn man
die typische Sirene eines italienischen Krankenwagens hört,
sollte man hoffen, nicht gerade mit einer Gondel oder
Traghetto unterwegs zu sein: "Sankas" sind die einzigen, die
wirklich schnell fahren - und dabei ordentlich Wellen
machen.
Interessant fanden wir auch die verschiedenen
Fahrstile der "Busfahrer" in den Vaporetti. Der eine war mal
so abgelenkt, dass er glatt den Haltestellenponton rammte,
anstatt ihn so wie sonst, beim Anlegen nur zu streifen.
Standard sind aber immerhin mehr oder weniger raue
Anlegemanöver, peinlich besonders, wenn der Gehilfe das Tau
nicht rechtzeitig festmachen kann und so das Vaporetto vor
vollem Publikum noch mal zurücksetzen muss. Die ganzen
Anlagen inklusive Schiff sind nicht ohne Grund ziemlich
rustikal gebaut.
Für kleine und große Kinder ein
durchaus zu empfehlender Zeitvertreib, so ein Tag auf dem
Wasser.
 
Zwei "Gassen" in Venedig
Relativ früh setzte dann die Dämmerung ein, in den Palazzi
gingen Lichter an und gewährten uns so einige Einblicke auf
prachtvolle Holz- und Stuckdecken. Leider wurde es aber
nicht wärmer auf dem Wasser und so ließen sich die Kinder
nach einer letzten großen Runde doch noch zur Rückfahrt
überreden. Praktischerweise sind am Parkhaus Tronchetto
Toiletten und ein paar Büsche, die aber offensichtlich
intensiv genutzt werden.
Arrivederci Venezia!
Nach dem, wie wir später hörten, permanenten, Stau auf der
Autobahn A4 ging es den gleichen Weg zurück. Diesmal war
weniger Verkehr, im Dunklen kann man besser abschätzen, ob
Gegenverkehr kommt – die Strecke Tronchetto – Winnebach
lässt sich auch in zwei Stunden 20 Minuten fahren.
Jedenfalls, solange die Polizei so entgegenkommend ist,
nicht zu blitzen. Irgendwie färbt der Fahrstil in Italien
jedes mal auf mich ab...
Reisetipps
-
Prüfen Sie,
ob Hochwasser zu erwarten ist
-
Fahren Sie
mal ohne Kinder, die Großeltern werden sich freuen
-
Bleiben Sie
länger als einen Tag
-
Gehen Sie
davon aus, dass es teuer wird, mit der richtigen
Grundeinstellung macht's mehr Spaß
-
Öffentliche
Toiletten sind nur spärlich vorhanden
-
Fahren Sie
spätestens in Österreich wieder das vorgeschriebene
Tempo, dort wird wirklich kontrolliert
-
Linienverkehr
per Schiff besteht auch nach Punta Sabbioni (Cavallino,
Jesolo)
- ... alles weitere erfahren Sie in
jedem Reiseführer
Text und Fotos:
Ulrich
Hondelmann
Andere Texte von Ulrich Hondelmann in
www.reise-nach-italien.de:
Die Seiten der Mitarbeiter
Die Homepage von Ulrich Hondelmann:
www.italianita.de
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