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Toskana-Fraktion |
Ein
Seufzer von Peter Petri... |
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Ich
besitze ein Haus in der Toskana. Traumhaft ruht es seit Jahrhunderten
auf einem Hügel, es hat ein rotes Ziegeldach und ist von Zypressen
umgeben. Hier sitze ich gerade mit meinem Laptop auf der Veranda und
tippe bei einem Glas Rotwein, der keinen Steinwurf von hier gereift ist,
diesen Bericht. Ab und zu lasse ich meinen Blick im milden Abendlicht
über die weite Landschaft schweifen, über Weinberge und Pinienalleen,
Sonnenblumenfelder und Olivenhaine, bis er die Türme des kunstsinnigen
alten Siena erreicht.
Klingt gut, nicht?! Ist aber gelogen.
Ein bisschen stimmt aber schon: Ich sitze gerade in der Toskana und
tippe diesen Bericht. |
Ganz harmlos fing alles
an.
Im Süden der Toskana gibt es ein kleines Städtchen, Pitigliano,
hoch oben auf dem Felsen gelegen, in dem ich schon öfter war.
Immer mal wieder hatte ich mich da eingemietet und auch vor,
das weiterhin so zu handhaben. Manchmal kommt es jedoch anders: Wie aus
heiterem Himmel steht dort ein Haus zum Verkauf. Was ist ein Haus? Vier
Wände und ein Dach darüber? Das gilt für die Häuser mit Blick auf Siena,
nicht für den wilden Süden der Toskana. Hier ist ein Haus die zufällige
Kombination von Räumen, Kellern, über dem Abgrund schwebenden
Klohäuschen, die alle irgendwie durch Treppen, Gänge oder Tunnel
verbunden sind. Meine Nachbarn wollten kaufen und mir einen Raum
abtreten für wenig Geld. Ich hätte eine Dusche eingebaut, ein Bett
hineingestellt und fertig. Am Ende kam es umgekehrt. Meine Nachbarn
hatten nicht genug Geld, ich habe das Haus gekauft und ihnen einen Raum
abgetreten. Obwohl ich es mir auch nicht leisten konnte. Vom
Häuserkaufen hatte ich sowieso keinen Schimmer.
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Wer ist der Autor dieses
Artikels?
Peter Petri lebt als Zeichner und Texter in Berlin. Er schreibt
satirische Texte, Drehbücher und anderes, zeichnet Comics,
Karikaturen, Illustrationen und arbeitet gelegentlich auch in den
Bereichen Trickfilm und Werbung. Weitere Aktivitäten und
Interessen: Internet und Italien, wohin er sich immer mal zum
Arbeiten zurückzieht.
Auf seiner
Homepage finden Sie seine Texte und Bilder. Es gibt aber auch
einige Seiten über Pitigliano.
Andere Artikel von Peter Petri in
www.reise-nach-italien.de:
Italia, amore mio!
Pitigliano - Geschichte und Sehenswürdigkeiten |
Ich erspare Ihnen lieber die Einzelheiten, wie man
so was macht als Deutscher in Italien. Ich erspare Ihnen auch die
Schilderung der Treffen mit einem Beamten des italienische
Konsulats in Berlin, der kulturvoll in einem mit Piranesi-Stichen
ausgestatteten Raum Hof hielt und mir einen Anfängerkurs in
italienischer Bürokratie gab. Inzwischen bin ich etwas
fortgeschritten. Finde es normal, wenn ein Beamter, während er
mich bedient, mich völlig vergisst, weil ein Kollege ein
interessantes Fußballthema in den Raum wirft. Gebe dem städtischen
Monteur, der sagt, er kommt nächsten Donnerstag Morgen,
stillschweigend eine Woche Zeit, die er sich ohnehin nehmen würde.
Und, was mich früher befremdet hat, inzwischen verstehe ich sogar
die Loblieder, die Italiener über die deutschen Beamten singen,
über deren Effizienz und Freundlichkeit. |
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Wie auch immer,
irgendwann ist der Vertrag unterschrieben, ich packe das geliehene
Auto voll und fahre 1.500 Kilometer am Stück. Komme an, setze mich
in das leere Haus und kann es noch gar nicht fassen, dass es mir
gehört. Sehe mich um und weiß: Das wird mich noch ein bisschen
mehr von dem lieben Geld kosten, das ich gar nicht habe.
Ja, Italien ist der
Traum der Deutschen. Im eigenen Haus in Italien wird er Realität?
Nein, da hört er auf: die Realität wird real. Rechnen Sie mal
durch: Wie oft könnten Sie wohl mit dem Geld, das Sie in so ein
Haus gesteckt haben, in schönen Hotels an Orten Ihrer Wahl Urlaub
machen? Ziemlich oft. Das ist dann vorbei. Nie wieder werden Sie
woandershin reisen! Sie sitzen in Ihrer Toskana und träumen von
Schottland, der Karibik oder einfach nur (shocking!) von Mallorca,
wo sie sich mal richtig daneben benehmen dürfen. Hier geht das
nämlich nicht. Hier sitzen die Alten vor den Türen und gucken
genau wie in den Reiseführern. Wenn Ihr Gesicht einmal bekannt
ist, wird man über sie klatschen und tratschen: Was macht er wohl
in seinem Haus? Und was bedeutet es, dass diese Rothaarige bei ihm
eine Woche verbracht hat, obwohl er doch gerade erst vor zwei
Jahren eine andere zu Gast hatte? Und was in aller Welt treibt ihn
dazu, mittags die Stadt zu verlassen, wo doch jeder normale Mensch
al minimo einen Teller Pasta und eine Schüssel Salat futtert und
mit Wein runterspült? Aber das ist alles nicht böse gemeint, und
außerdem kriegen Sie einen Ausländerbonus: Hauptsache, diese
Deutschen, die immer wieder in unser Piccolo Paese kommen, stören
nicht weiter. Aber irgendwie sind sie schon etwas verrückt, vero?
Ja, da könnte was dran sein. Oder nennen Sie mir
mal einen rationalen Grund, in der Toskana ein Haus zu kaufen!
Angeben können Sie mit der Toskana auch nicht mehr so richtig. Sie
ernten nur ironische Blicke voller Mitleid, wenn Sie gestehen,
dass auch Sie...
Dumm gelaufen. Hätte ich bloß in Latium gekauft. Die Grenze ist
nur fünf Kilometer von hier entfernt! |
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Siehe auch: |
Alle
Seiten über die Toskana
Die beliebteste Region Italiens, nicht nur bei der
Toskanafraktion. [Kapitel] |
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