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Und auf einmal gehörst du selbst zur Toskana-Fraktion...

Ein Seufzer von Peter Petri.

Ein Traum?
Foto:
Martin Falbisoner

Ich besitze ein Haus in der Toskana...

Ich besitze ein Haus in der Toskana. Traumhaft ruht es seit Jahrhunderten auf einem Hügel, es hat ein rotes Ziegeldach und ist von Zypressen umgeben. Hier sitze ich gerade mit meinem Laptop auf der Veranda und tippe bei einem Glas Rotwein, der keinen Steinwurf von hier gereift ist, diesen Bericht. Ab und zu lasse ich meinen Blick im milden Abendlicht über die weite Landschaft schweifen, über Weinberge und Pinienalleen, Sonnenblumenfelder und Olivenhaine, bis er die Türme des kunstsinnigen alten Siena erreicht.

Klingt gut, nicht wahr? Ist aber gelogen.
Etwas stimmt allerdings schon: Ich sitze gerade in der Toskana und tippe diesen Bericht.

Ganz harmlos fing alles an:

Im Süden der Toskana gibt es ein kleines Städtchen, Pitigliano, hoch oben auf dem Felsen gelegen, in dem ich schon öfter war. Immer mal wieder hatte ich mich da eingemietet und auch vor, das weiterhin so zu handhaben. Manchmal kommt es jedoch anders: Wie aus heiterem Himmel steht dort ein Haus zum Verkauf. Was ist ein Haus? Vier Wände und ein Dach darüber? Das gilt für die Häuser mit Blick auf Siena, nicht für den wilden Süden der Toskana. Hier ist ein Haus die zufällige Kombination von Räumen, Kellern, über dem Abgrund schwebenden Klohäuschen, die alle irgendwie durch Treppen, Gänge oder Tunnel verbunden sind. Meine Nachbarn wollten kaufen und mir einen Raum abtreten für wenig Geld. Ich hätte eine Dusche eingebaut, ein Bett hineingestellt und fertig. Am Ende kam es umgekehrt. Meine Nachbarn hatten nicht genug Geld, ich habe das Haus gekauft und ihnen einen Raum abgetreten. Obwohl ich es mir auch nicht leisten konnte. Vom Häuserkaufen hatte ich sowieso keinen Schimmer.
Pitigliano
Pitigliano
Foto:
Roman Harak

Die Tücken der italienischen Bürokratie:

Ich erspare Ihnen lieber die Einzelheiten, wie man so was macht als Deutscher in Italien. Ich erspare Ihnen auch die Schilderung der Treffen mit einem Beamten des italienische Konsulats in Berlin, der kulturvoll in einem mit Piranesi-Stichen ausgestatteten Raum Hof hielt und mir einen Anfängerkurs in italienischer Bürokratie gab. Inzwischen bin ich etwas fortgeschritten. Finde es normal, wenn ein Beamter, während er mich bedient, mich völlig vergisst, weil ein Kollege ein interessantes Fußballthema in den Raum wirft. Gebe dem städtischen Monteur, der sagt, er kommt nächsten Donnerstag Morgen, stillschweigend eine Woche Zeit, die er sich ohnehin nehmen würde. Und, was mich früher befremdet hat, inzwischen verstehe ich sogar die Loblieder, die Italiener über die deutschen Beamten singen, über deren Effizienz und Freundlichkeit.

Irgendwann ist der Vertrag aber unterschrieben:

Wie auch immer, irgendwann ist der Vertrag unterschrieben, ich packe das geliehene Auto voll und fahre 1.500 Kilometer am Stück. Komme an, setze mich in das leere Haus und kann es noch gar nicht fassen, dass es mir gehört. Sehe mich um und weiß: Das wird mich noch ein bisschen mehr von dem lieben Geld kosten, das ich gar nicht habe.

Italien ist der Traum der Deutschen, aber...

Ja, Italien ist der Traum der Deutschen. Im eigenen Haus in Italien wird er Realität? Nein, da hört er auf: die Realität wird real. Rechnen Sie mal durch: Wie oft könnten Sie wohl mit dem Geld, das Sie in so ein Haus gesteckt haben, in schönen Hotels an Orten Ihrer Wahl Urlaub machen? Ziemlich oft. Das ist dann vorbei. Nie wieder werden Sie woandershin reisen! Sie sitzen in Ihrer Toskana und träumen von Schottland, der Karibik oder einfach nur (shocking!) von Mallorca, wo sie sich mal richtig daneben benehmen dürfen. Hier geht das nämlich nicht. Hier sitzen die Alten vor den Türen und gucken genau wie in den Reiseführern.

Was sie wohl von den komischen Deutschen halten,
die es immer wieder in diese von Gott verlassene Ecke der Toskana zieht?
Foto:
chman
Wenn Ihr Gesicht einmal bekannt ist, wird man über Sie klatschen und tratschen: Was macht er wohl in seinem Haus? Und was bedeutet es, dass diese Rothaarige bei ihm eine Woche verbracht hat, obwohl er doch gerade erst vor zwei Jahren eine andere zu Gast hatte? Und was in aller Welt treibt ihn dazu, mittags die Stadt zu verlassen, wo doch dann jeder normale Mensch al minimo einen Teller Pasta und eine Schüssel Salat futtert und mit Wein runterspült? Aber das ist alles nicht böse gemeint, und außerdem kriegen Sie einen Ausländerbonus: Hauptsache, diese Deutschen, die immer wieder in unser Piccolo Paese kommen, stören nicht weiter.

Aber irgendwie sind diese Deutschen schon etwas verrückt, vero?

Ja, da könnte was dran sein. Oder nennen Sie mir mal einen rationalen Grund, in der Toskana ein Haus zu kaufen! Angeben können Sie mit der Toskana auch nicht mehr so richtig. Sie ernten nur ironische Blicke voller Mitleid, wenn Sie gestehen, dass auch Sie... Dumm gelaufen. Hätte ich bloß in Latium gekauft. Die Grenze ist nur fünf Kilometer von hier entfernt!

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