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Home > Italienische Kunst und Kultur > Der Moses von Michelangelo

Heinz Goerrissen erzählt auf dieser Seite von seiner persönlichen Sichtweise des "Moses" von Michelangelo in der Kirche San Pietro in Vincoli in Rom.

Immer wenn ich nach Rom komme, und das ist oft, gehe ich zu der Kirche San Pietro in Vincoli, in der nach der Überlieferung die Ketten, die Petrus während seines Aufenthalts in Rom getragen haben soll, als Reliquie verwahrt werden. Ich besuche dort "meinen" Mose. Auch wenn ich große Schwierigkeiten habe, dem Brauch, der den Reliquien zugrunde liegt, etwas abzugewinnen, zieht es mich zu dieser Kirche, denn sie bewahrt das unvollendet gebliebene Grabmal des Papstes Giulio II, dessen wesentlicher Teil eben diese Statue von Michelangelo ist. Italienische Zeitgenossen des Bildhauers sprachen von "terribilità" - Schrecklichkeit - und spielten an auf die erschreckende Vitalität und die spirituelle Intensität, die von dieser Skulptur ausgeht.

Vasari soll berichtet haben, dass die römischen Juden an jedem Schabbat zu diesem Mose, ihrem Mose, strömten. Der Mose ist die eindrucksvolle Absage an die zweite Vorschrift der von ihm selbst, so würde man heute sagen, propagierten Zehn Gebote. Meine folgende Zeichnung entstand während eines Besuches, mal so eben, und darum wenig ausgearbeitet, kann aber zu dem dienen, was ich zu erzählen beabsichtige.

Mit der Figur des Mose verbindet sich eine interessante Geschichte. Sie hat viel mit dem Hebräischen und mit Übersetzungen in andere Sprachen zu tun und ich glaube, dass Michelangelo bei der Vorbereitung zu seiner Arbeit einiges davon unbekannt war. Jeder, der diesen Mose sieht. fragt sich, warum er auf dem Kopf so seltsame Gebilde trägt, die wie Hörner aussehen. Im Hebräischen Testament wird in Schmot (Exodus) 34,29 - 34,30 - und 34,35 von "quaran or" gesprochen. Das Wort queren

bedeutet im Hebräischen soviel wie Strahl aber auch Horn und im Hebräischen Testament ist mit Sicherheit gemeint, dass Mosche, der Träger der Gebote, "umstrahlt" vom Sinai herunterkam. Aber schon die Übersetzer der Vulgata, der lateinischen Übersetzung, hatten mit der doppelten Bedeutung des Wortes Schwierigkeiten und machten aus dem armen Mose einen "Cornuto", einen "Gehörnten" - übrigens ein Begriff, der in romanischen Sprachen einen von seiner Frau betrogenen Ehemann meint. Und so blieb Michelangelo, in Unkenntnis der Hebräischen Urfassung, nichts anderes übrig, als seinem Mose Hörner aufzusetzen und einen "cornuto" aus ihm zu machen.

Heinz Goerrissen, der Autor dieses Textes, wurde in Berlin geboren, war nach Kriegsende und Rückkehr aus russischer Gefangenschaft als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg tätig. Er siedelte Anfang der sechziger Jahre in den Westen Deutschlands über und lernte Zeichnen und Malen an der Essener Folkwangschule. 10 Jahre hielt er sich mit seiner Familie in Chile und Mexiko auf, wo er ebenfalls künstlerisch tätig war und seine Bilder auf Ausstellungen präsentieren konnte.

Nach seiner Rückkehr lebte er im Bergischen Land und arbeitete in der Freien Akademie von Juergen Meister, Grevenbroich im wesentlich auf dem Gebiet der Acryl-/Ölmalerei. Er unternahm zahlreiche Reisen nach Israel, Jordanien, Syrien, Marokko und besonders nach Italien. Sie hatten großen Einfluss auf seine Motivwahl. Das Schwergewicht seiner Arbeiten liegt auf dem Gebiet der Zeichnung, insbesondere der Akt- und Porträtzeichnung.

Wichtige Anstöße ergaben sich aus der Literatur der Göttlichen Komödie von Dante. Zu diesem Thema ist eine Serie großformatiger Bilder entstanden. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen vertreten. Heinz Goerrissen ist im Sommer 2007 verstorben.

Hier die Webseite von Heinz Goerrissen:

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