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Reise nach Italien - Die italienische Gesellschaft

Pressefreiheit in Italien? - Teilweise...

 

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Die amerikanische Forschungseinrichtung "Freedom House" klassifiziert die italienische Presse als "teilweise frei". Wundern Sie sich? Lesen Sie hier warum.

Kennen Sie “Freedom House”?

“Freedom House” ist eine Forschungseinrichtung mit Sitz in Washington, D.C., die die Ideen der liberalen Demokratie weltweit fördern will. Die Institution ist vor allem bekannt für ihre jährlichen Berichte über den Grad demokratischer Freiheiten, mit denen es den jeweiligen Stand der bürgerlichen und politischen Rechte in jedem Land der Welt misst. Diese Berichte werden oft in den Medien zitiert und von Politikwissenschaftlern verwendet.

Freedom House
Das Logo von "Freedom-House"

Der Jahresbericht über den Stand der Pressefreiheit in der Welt, den man unter dieser Adresse einsehen kann: www.freedomhouse.org/uploads/Chart89File147.pdf, ordnet insgesamt 194 Staaten der Welt in drei Kategorien ein: “Free” (frei) , Partly free” (teilweise frei) und “Not free” (nicht frei). Außerdem werden die Staaten der Welt noch mit einem differenzierten “Rating”-Verfahren klassifiziert.

Dass die ersten 5 Positionen von den skandinavischen Ländern besetzt sind, wird kaum überraschen. Trotzdem: Kompliment! Deutschland schneidet auch noch ganz gut ab: es belegt Platz 17, gemeinsam mit den USA. Auch nicht schlecht, obwohl verbesserungswürdig.

Und wo steht Italien in der Liste von “Freedom House”?

Unter den 73 Ländern, denen dieser Bericht eine freie Presse bescheinigt, sucht man Italien vergebens. Erst auf Platz 79, unter “partly free” (teilweise frei) findet man das schöne Land, wo zwar die Zitrone, aber offensichtlich kein sehr mutiger Journalismus blüht. Denn Italien ist ja ein demokratisches Land und keine Diktatur, und so muss dieses für viele überraschende Urteil “teilweise frei” wohl etwas mit dem Journalismus zu tun haben, der sich in Italien in der Tat oft nicht recht traut, frei zu sein.

Jeder wird wohl ahnen, dass das etwas mit Berlusconi zu tun hat, der nicht nur Ministerpräsident ist, sondern auch Besitzer von mindestens 50% des italienischen Fernsehens und der anderen Presse-Medien. Aber was bedeutet das konkret? Und was ist mit den anderen 50%? Dazu einige Beispiele:

Rete 4 Canale 5 Italia 1
Die Logos der drei Fernsehkanäle von Berlusconi

Zwei Demonstrationen - zwei Arten der Berichterstattung

Im Dezember 2006, als Prodi (der damalige politische Gegner Berlusconis) an der Regierung war, rief Berlusconi zu einer Massendemonstration gegen die ungeliebte Regierung auf. Und wenn einige Hunderttausend Menschen auf der Straße sind (für die Veranstalter war es mehr als eine Million), ist natürlich auch das Fernsehen mit ausführlichen Berichten dabei: Alle drei Berlusconi-Fernsehkanäle (Rete4, Canale5 und Italia1) begleiteten die damalige Demonstration den ganzen Tag über mit Direktübertragungen, politischen Analysen und Studio-Diskussionen zwischen Politikern und Journalisten.

Zwei Jahr später, Ende Oktober 2008, das gleiche Bild, oder besser gesagt: das gegenteilige Bild. Jetzt ist Berlusconi an der Regierung und Veltroni, der damalige Gegner Berlusconis, ruft zu einer Massendemonstration gegen die ungeliebte Regierung auf. Wieder demonstrieren, wie zwei Jahre vorher, Hunderttausende von Menschen auf den Straßen von Rom, diesmal sind es für die Veranstalter sogar mehr als zwei Millionen.

Und was machten zur gleichen Zeit die drei Berlusconi-Fernsehkanäle? Wieder Direktübertragungen und andere politische Sendungen zum Thema, vom Nachmittag bis zum Abend? Nicht ganz. Rete4: zuerst „Perry Mason“ und dann „Psych – die Mörder-Mumie“. Canale5: zuerst „Verissimo“ – ein Klatsch- und Tratsch-Forum, und dann das auch in Deutschland bekannte Millionärsquiz. Italia1 sendete dagegen „Goonies“ einen amerikanischer Abenteuerfilm von 1985. Wie man sieht: 50% des italienischen Fernsehens sind mehr oder weniger politisch gleichgeschaltet.

Rai Uno Rai Due Rai Tre
Die Logos der drei staatlichen Fernsehkanäle

Aber was macht das staatliche Fernsehen?

Aber was machen die anderen 50%, die drei staatlichen Kanäle RAI1, RAI2 und RAI3? Das Direktorium der RAI ist „politisch“ besetzt, jede Partei hat ihre Vertreter in diesem Gremium und wenn Berlusconi an der Regierung ist, ist sein Einfluss auf das staatliche Fernsehen natürlich besonders stark. So gibt es im RAI-Fernsehen nur wenige Journalisten, die den Mut haben und die es sich erlauben können, unabhängig von politischen Rücksichtnahmen aufzutreten. Die Berichterstattung der Berlusconi-Kanäle ist für die RAI-Chefs dagegen deren „innere Angelegenheit“.

Aber dabei bleibt es leider nicht. Das (bisher) traurigste Beispiel der Selbstzensur lieferte das öffentliche Fernsehen im Jahr 2002. Berlusconi war an der Regierung und ärgerte sich über einige Journalisten, die ihn im staatlichen Fernsehen immer wieder sehr deutlich und scharf kritisierten. Während einer Bulgarienreise hielt er eine Pressekonferenz ab, die dann als „Bulgarien-Edikt“ in die jüngste Geschichte eingegangen ist: Berlusconi nannte öffentlich die Namen von zwei bekannten Journalisten (Enzo Biagi und Michele Santoro) und einem Komiker (Daniele Luttazzi), die seiner Meinung nach einen „kriminellen Gebrauch des öffentlichen Fernsehens“ betrieben hätten. Die RAI-Direktion hätte „die Pflicht, das zu verhindern“. Kurz darauf setzte die RAI-Direktion die Sendungen der drei Journalisten ab. Aus rein formalen Gründen. Berlusconi hatte damit angeblich nichts zu tun.

"Die Unterwürfigkeit ist nicht nur Resultat der Härte der Mächtigen..."

Das sind einige der Hintergründe (viele andere ließen sich noch aufzählen) für das traurige Urteil des „Freedom House“: „Partly free“. Einer der großen italienischen (konservativen) Journalisten, der im Jahr 2001 verstorbene Indro Montanelli, sagte einmal: „La servitù, in molti casi, non è una violenza dei padroni, ma una tentazione dei servi.“ (Die Unterwürfigkeit ist in vielen Fällen nicht Resultat der Härte der Mächtigen, sondern eine Versuchung derjenigen, die unterwürfig sein möchten).
Wie Recht er doch damit hatte…

Dieser Artikel wurde auch im Blog von Alessio Belucci veröffentlicht:

www.italienischepolitik.de
Mit vielen anderen Artikeln und Kommentaren zu aktuellen Problemen Italiens.

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