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Dieses Mal waren viele Italiener wirklich sauer auf ihre politischen Führer
und haben es ihnen kräftig heimgezahlt. Hier eine Analyse des
Wahlergebnisses. Aber ist Italien nach dieser Wahl noch regierbar?
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![]() Die Protagonisten dieser Wahl (im Uhrzeigersinn): Pier Luigi Bersani (PD), Beppe Grillo (Movimento 5 Stelle), Silvio Berlusconi (PDL), Mario Monti (Scelta Civica) Alle Fotos: Wikimedia Commons Das Resultat der Parlamentswahlen am 24./25. Februar 2013
Wahrscheinlich würde es in den meisten europäischen Ländern nach
solchen Ergebnissen eine Serie von Rücktritten geben:
Dass immer noch fast 30% der Italiener auf die großspurigen Versprechungen von Berlusconi hereinfallen und seine Verstrickungen in Prozesse und Skandale entweder entschuldigen oder gar nicht wahrhaben wollen, ist ein Kapitel für sich. Aber das ist mehr ein Problem für Psychologen als für Politologen. Das Resultat im Einzelnen:
Die wichtigsten Parteien und die drei Koalitionen:
Alle Zahlen beziehen sich auf die erste Parlamentskammer ("Camera"). Ist Italien jetzt unregierbar?
Das berüchtigte "Porcellum", das Wahlgesetz, das alle ändern wollen - nur
jeder anders - und das eigentlich stabile Regierungen ermöglichen sollte,
hat dieses Mal das genaue Gegenteil, d.h. eine perfekte Patt-Situation, zum Ergebnis gehabt
(mehr zu diesem Gesetz siehe unten):
Wie ist es dazu gekommen? Was ist seit 2008 passiert?
Eigentlich hatte Berlusconi nach der Wahl im Jahr 2008 eine solide
Regierungsmehrheit und hätte damit problemlos regieren können. Aber das
einzige, was von seinem ehrgeizigen Steuersenkungsprogramm übrigblieb, war
die Abschaffung der Steuer auf die Eigentumswohnungen - für die Reichen.
Denn für die Ärmeren (in Italien besitzen 80% aller Familien eine
Eigentumswohnung) war diese Steuer schon von der vorhergehenden
Mitte-Links-Regierung abgeschafft worden. Ansonsten war Berlusconi ständig
mit seiner Art von Justizreformen beschäftigt, d.h. mit Gesetzen, die ihm bei
seinen zahlreichen Problemen mit der Justiz helfen sollten, ein Vorhaben,
das aber
meistens scheiterte. Als dann noch seine Koalition zu bröckeln anfing - von
seiner anfänglichen Mehrheit von fast 80 Sitzen war schließlich fast nichts
mehr übriggeblieben - und gleichzeitig die wirtschaftliche und finanzielle
Situation Italiens sich gefährlich nahe dem Absturz näherte, musste
Berlusconi zurücktreten und die Regierung dem unabhängigen Mario Monti
überlassen.
Monti hatte dann die undankbare Aufgabe, Italien mit drastischen und unpopulären Maßnahmen (vor allem mit seiner Rentenreform) wenigstens finanziell wieder auf die Beine zu stellen, was allerdings seine anfängliche Popularität stark reduzierte. Die wichtigsten politischen Parteien, die an den Wahlen 2013 teilgenommen haben
Die italienische Parteienlandschaft ist stark zersplittert und ändert sich
ständig (Namensänderungen, Zusammenschlüsse, Spaltungen, wechselnde
Wahlbündnisse, Neugründungen). Nur 4 der 9 unten aufgelistreten Parteien,
die 2013 zu den Parlamentswahlen antraten, waren bereits bei den Wahlen im
Jahre 2008 dabei (PDL, PD, Lega Nord, UDC), und einige der 2008 angetretenen
Parteien existierten 2013 nicht mehr oder waren in neuen Wahlbündnissen
aufgegangen.
PD - Partito DemocraticoMitte-links-Partei. Wichtigster Vertreter: Pier Luigi Bersani Resultat 2013: 25,5% www.partitodemocratico.it SEL - Sinistra Ecologia LibertàLinkspartei mit ökologischer Tendenz. Wichtigster Vertreter: Nichi Vendola Resultat 2013: 3,2% www.sinistraecologialiberta.it PDL - Popolo della LibertàRechtspartei. Wichtigster Vertreter: Silvio Berlusconi Resultat 2013: 21,5% www.ilpopolodellaliberta.it Lega NordSeparatistische Partei Norditaliens, mit starken rassistischen Tendenzen. Wichtigster Vertreter: Roberto Maroni Resultat 2013: 4,1% www.leganord.org Fratelli
d'ItaliaAbspaltung von der PDL. Nationalistische Rechtspartei. Wichtigster Vertreter: Ignazio La Russa Resultat 2013: 1,9% www.fratelli-italia.it Scelta Civica - Con Monti per l'ItaliaZentrumspartei. Wichtigster Vertreter: Mario Monti (ex Ministerpräsident) Resultat 2013: 8,4% www.sceltacivica.it UDC - Unione dei Democratici CristianiKatholische Partei. Mitte-rechts. Wichtigster Vertreter: Pierferdinando Casini Resultat 2013: 1,8% www.udc-italia.it Movimento 5 StelleRadikale populistische Protestbewegung. Wichtigster Vertreter: Beppe Grillo (ex Komiker) Resultat 2013: 25,5% www.beppegrillo.it/movimento Rivoluzione CivileRadikale Linkspartei. Wichtigster Vertreter: Antonio Ingroia Resultat 2013: 2,3% www.rivoluzionecivile.it Siehe auch: Europawahlen 2009Der Wahlkampf vor den Europawahlen 2009 in Italien hatte kaum europäische Inhalte, alles ging im Wesentlichen darum, ob Berlusconi seine innenpolitische Macht und seinen Einfluss noch erweitern konnte. Parlamentswahlen 2008Die vorgezogenen Neuwahlen 2008 haben das erwartete Ergebnis gebracht: Berlusconi ist wieder da, zum dritten Mal (in 5 Wahlen seit 1994) wurde er Ministerpräsident. Diese Seite kommentieren:
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