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Prodi freut sich - Berlusconi nicht so sehr
Wahlergebnis der ersten
Kammer des Parlaments:
Beim
Vergleich zwischen 2001 und 2006 ist zu beachten, dass sich die Zusammensetzung
der beiden Parteienbündnisse, deren Namen und auch das Wahlsystem geändert haben.
2001 gab es ein Mehrheitswahlrecht, 2006 ein Verhältniswahlrecht mit
Mehrheitsbonus.
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Parteienbündnis |
%
(2006) |
%
(2001) |
Sitze (2006) |
Sitze (2001) |
Koalition Prodi
2001: Ulivo
2006: Unione |
49,8 |
43,7 |
348 |
258 |
|
Koaltion
Berlusconi
2001: Polo per le libertà
2006: Casa delle libertà |
49,7 |
45,5 |
281 |
350 |
|
| Altri |
0,3 |
10,8 |
1 |
5 |
Der prozentuale Anteil der wichtigsten Parteien:
(P):
Koalition Prodi -
(B):
Koalition Berlusconi
|
Partei |
2006 |
2001 |
|
Forza Italia (B) |
23,7 |
29,5 % |
|
|
Democratici di sinistra (P) |
31,3
(2006 kandidierten die beiden Parteien
zusammen) |
16,6 % |
|
La Margherita (P) |
14,5 % |
|
|
Alleanza Nazionale (B) |
12,3 % |
12,0 % |
|
|
Rifondazione Comunista (P) |
5,8 |
5,0 % |
|
|
Lega Nord (B) |
4,6 |
3,9 % |
|
|
Unione dei Democratici Cristiani
(B) |
6,8 |
3,2 % |
|
|
Verdi (P) |
2,1 |
2,2 % |
Wahlergebnis der zweiten
Kammer ("Senat") 2006:
Auch hier ist beim
Vergleich zwischen 2001 und 2006 zu beachten, dass sich die Zusammensetzung
der beiden Parteienbündnisse, deren Namen
und auch das Wahlsystem geändert haben. Das Wahlsystem des Senats geht heute von den
Mehrheitsverhältnissen in den Regionen aus, deshalb muss die Sitzverteilung nicht
unbedingt dem prozentualen Gesamtergebnis entsprechen.
|
Parteienbündnis |
%
(2006) |
Sitze (2006) |
Sitze (2001) |
Koalition Prodi
2001: Ulivo
2006: Unione |
48,9 |
158 |
137 |
|
Koaltion
Berlusconi
2001: Polo per le libertà
2006: Casa delle libertà |
50,2 |
156 |
176 |
|
| Andere |
0,9 |
1 |
2 |
Auch bei den Bundestagswahlen wird
oft mit harten
Bandagen gekämpft und Schläge unter die Gürtellinie sind nicht selten. Aber im
Vergleich zu den Schlammschlachten, die während des Wahlkampfs 2006 in Italien ausgebrochen sind, wirken die deutschen Wahlkämpfe eher wie ein höflicher Austausch von
Grußbotschaften.
Die Aggressivität, vor allem von Seiten des (ehemaligen) Ministerpräsidenten
Berlusconi (Foto links), der seine Macht wanken sah und sie
schließlich auch verloren hat, war selbst für Italiener, für
die Emotionen in der Politik eher normal sind als für uns kühle Nordländer, neu
und ungewöhnlich. Für Berlusconi ist der Kalte Krieg noch längst nicht zu Ende,
seine Strategie war vor allem
das Schüren von Ängsten: sein
Gegner, die Mitte-links-Koalition, wurde von ihm mit Vorliebe als "von Kommunisten
gelenkt" bezeichnet, oder auch als "gefährliches Unkraut". Prodi, sein direkter
Gegner, war für ihn ein "Strohmann der extremen Linken", der nur die Steuern erhöhen und so
die Italiener ärmer machen will.
Er hat auch ein bisschen von Edmund Stoiber gelernt, der die Wähler seines Gegners Schröder als
"die dümmsten Kälber, die ihre Schlächter selber wählen" bezeichnete.
Berlusconis Version davon waren die "coglioni" (ein Schimpfwort vergleichbar mit
"Arschlöcher") d.h. die Wähler von Prodi, die gegen ihre eigenen Interessen
wählen.
Prodi (Foto rechts) hat versucht, sich als seriösere Alternative zu präsentieren, ist aber
nicht gerade der starke Mann, als der er gerne erscheinen möchte. Ob
seine weitgespannte Koalition, die von Linksaußen bis hin zu gemäßigten
Katholiken geht (auf Deutschland übertragen wäre es ein Bündnis von der PDS/Linkspartei
über die Sozialdemokraten, die Grünen bis
hin zum linken CDU-Flügel...), wirklich stabil und und über längere Zeit regierungsfähig ist, ist
noch ungewiss. Die nächsten 5 Jahre werden es zeigen.
Das italienische Wahlrecht (Stand: 2006)
Der Innenminister zeigt auf einer
Pressekonferenz den Wahlschein 2006: er war
65 cm lang - um alle Kandidaturen auflisten zu können...
Das italienische Wahlsystem ist kompliziert. Bis zum Ende der
90er Jahre gab es ein Verhältniswahlrecht, das auch kleinsten Parteien den
Eintritt ins Parlament erlaubte. Das Ergebnis war, dass es seit der ersten
Wahl nach dem Krieg 1947 bis zum Ende der "Ersten Republik" in den
späten 90er Jahren eine mehr
oder weniger permanente Regierungskrise gab. Dann wurde das Mehrheitswahlrecht
eingeführt, das stabilere Mehrheiten schaffen sollte. Aber statt die Zahl der
Parteien zu reduzieren, gab es zwei Wahlbündnisse, das allen Miniparteien (auch
mit weniger als 1%) das politische Überleben garantierte. Die Mehrheiten waren
logischerweise wieder sehr zerbrechlich und krisenanfällig.
Berlusconi hat das Wahlrecht dann wieder geändert, auf Druck seiner
Koalitionsparteien. Jetzt ist es wieder ein (recht kompliziertes)
Verhältniswahlrecht, das diesmal Parteienbündnisse vorsieht mit einem Mehrheitsbonus
für das siegreiche Bündnis. Eine Art Mix aus dem ersten und dem zweiten
Wahlrecht. Die Zusammensetzung der zweiten Kammer ("il Senato") basiert auf den
Ergebnissen in den Regionen, die Sitzverteilung in ihr kann deshalb wesentlich anders sein,
als das prozentuale Gesamtergebnis.
Die Zahl der
politischen Gruppen und Grüppchen im Parlament macht die Parlamentsarbeit
allerdings so schwer
wie immer, Konkurrenz
und Streitereien innerhalb der Bündnisse sind nicht geringer als früher. Und
so scheint das Wahlgesetz, das 2006 gültig war, nach dem
Wahlsieg von Prodi wieder mal kein langes Leben mehr zu haben... |