Reise nach Italien - Deutsches Italienportal

Ein Spaziergang durch Neapel

Ein persönlicher Kommentar von Erika Mager, die lange Zeit in Neapel gelebt hat.
Neapel
Der schnebedeckte Gipfel des Vesuv, im Vordergrund das Castel dell'Ovo.
Foto: 
Vick1111

Ein Spaziergang durch Neapel:

Wie eine verkrustete Muschel liegt die 3000 Jahre alte Stadt in einer Bucht des Mittelmeeres. Ins weiche Innere stößt man entweder durch einen der zahlreichen, in den hellen Tuff gehauenen Tunnel oder über enge Serpentinen von den Hügeln in das bunte Chaos hinab.

Neapel ist immer faszinierend, aber wer einen sonnigen Tag im Februar erwischt, vielleicht nach einem stürmischen Regentag, an dem der Vesuv mit frischem Neuschnee überzuckert ist, der wird sich unweigerlich an der Stadt berauschen. Die Luft prickelt dann wirklich wie Champagner, das Wasser des Golfs funkelt und die Palazzi und Kirchen strahlen genauso heiter wie die Menschen, die sich von dieser Frühlingslaune anstecken lassen.

Ich habe mir einen solchen Tag ausgesucht, um die Stadt und ihre Bewohner besser kennen zu lernen. Das Auto lasse ich vor dem trutzigen Castel dell'Ovo stehen, an der Via Partenope, an der sich wie Perlen auf einer Schnur die besten Hotels Neapels im Wasser spiegeln. Genau hier war es auch, dass die Geschichte der Stadt vor ungefähr 3000 Jahren ihren Anfang nahm und Siedler aus Griechenland sich hier niederließen. Stolz auf solche Ahnen sind die Neapolitaner noch heute und so gibt auch Luciano de Crescenzo, Schriftsteller und Kenner der Seele seiner Stadt, seinem berühmten Buch "Also sprach Bellavista" als Untertitel mit: "Ich bin Sohn antiker Menschen".

Ich muss mich beherrschen, nicht gleich vor einem der Cafètischchen im Hafen des Borgo Marinaro zu kapitulieren. Hier schaukeln die Luxussegeljachten lässig in der leichten Dünung, während die Fischer von Santa Lucia ihre Netze flicken und immer Zeit für ein Schwätzchen haben. Ich bezähme also meine ständige Lust zu sitzen und zu schauen, und dringe tiefer in diese Muschel ein, in der Hoffnung wieder neue Perlen zu finden.

In der Via Toledo, der Einkaufsstraße im untersten Stockwerk Neapels, herrscht schon reges Treiben. Die wunderschöne Galleria Umberto I. (Ende 19.Jh) beachte ich heute kaum, da das Wetter einfach ins Freie lockt. Dafür vertraue ich mich der Standseilbahn (Funicolare) an, die mich in wenigen Minuten auf den Vomero, einem der Hausberge Neapels, bringt.
Neapel
Der Stadtteil Vomero wie er leibt und lebt, das alltägliche Verkehrschaos inklusive
Foto: 
Armando Mancini
Hier oben finde ich eine eigenartige Mischung aus schicken Einkaufsstraßen, eleganten Wohnvierteln und alten, aber sauberen Gässchen, wo die Wäsche von Haus zu Haus gespannt ist. Zwischen den Mauern tut sich immer wieder der Blick auf das Meer, Capri, Posillipo und die untere Etage der Stadt auf. Wie ein mondänes Strandbad präsentiert sich die Riviera di Chiaia tief unter mir mit ihrem öffentlichen Park, der einst als Villa Reale dem einfachen Volke verwehrt war.

Von diesen neuen Eindrücken und Ausblicken überrascht, möchte ich wieder einmal ausrufen: "Jetzt habe ich Neapel wirklich gefunden!" – Aber hatte ich dasselbe nicht schon am Hafen von Mergellina, oben auf dem Posillipo oder in den dunklen Gassen des historischen Stadtkerns an der Spaccanapoli empfunden? Sie ist wirklich verwirrend und zugleich aufregend, diese Stadt.

An der Piazza Vanvitelli, immer noch auf dem Vomero, ist es nun wirklich Zeit für einen köstlichen Cappuccino und ein duftendes Cornetto. Doch schnell zieht die Stadt mich wieder heraus und wie immer in mindestens drei Richtungen gleichzeitig. Soll ich den verlockenden Treppchen des Santarellaviertels folgen, die gleich hinter den schönsten Belle-Epoque-Villen hinab zum Meer führen? Oder soll ich mich den schicken Damen anschließen, die schon früh am Morgen die Geschäfte der weltbekannten Marken nach der neusten Mode absuchen?
Neapel
Das Castel St. Elmo
Foto: 
Lalupa
Ich entscheide mich ganz anders und besuche die Terrasse vor dem Castel St. Elmo, das kalt und abweisend ganz oben auf dem Vomero thront und wie eine alte Eule über die Stadt zu wachen scheint. Endlich zeigt sich ein anderes Neapel, nicht das der schicken Häuser und der schönen Aussichten, sondern ihr Alltagsgesicht; das der Arbeit, des Schweißes und der Sorgen der kleinen Leute. Ich sehe auf die grauen, unzähligen Häuser und Straßenfluchten, die sich bis zu den Hängen des Vesuvs ohne Unterbrechung erstrecken. Klein und fern, Spielzeug, spielt sich da unten das ganze bunte und anstrengende Leben der meisten Neapolitaner ab. In dem Gewirr sind die grünen Kuppeln der Kirchen und einzelne Straßen auszumachen. Selbst das uralte griechische Straßenraster lässt sich von hier oben gut zeigen. Da leben Tausende in mit der ganzen Familie den so genannten Bassi, Einzimmerwohnungen zu ebener Erde. Wohnen, Streiten, Feiern und Arbeiten wird dort zur öffentlichen Angelegenheit, denn die einzige Öffnung, durch die Licht in die voll gestopfte Höhle dringt, ist die Tür.
Neapel
Das Kongress- und Verwaltungszentrum (Centro Direzionale)
Foto: 
Salvatore Serafino
Futuristisch mutet dagegen das Kongress- und Verwaltungszentrum (Centro Direzionale) im Osten der Stadt an, das vom japanischen Architekten Kenzo Tange 1978 begonnen, in Glas und Beton, den Verkehr in den Keller verbannend, mitten zwischen das alte Chaos gesetzt wurde und nun wie ein kleines Manhattan die Blicke auf sich zieht. Ein Symbol für die Erneuerungsfähigkeit dieser uralten Stadt.

Aber nun bin ich ja nicht nur hier heraufgefahren, um hinunterzuschauen. Ich reiße mich von der Aussicht los - und schaue direkt in den kleinen Laden von Rino Corcione, der mit seinen sieben Brüdern einem aussterbenden Handwerk nachgeht. Er schneidet Gemmen und Kameen aus Muscheln und Halbedelsteinen und behauptet, einer der besten Kamee-Fabrikanten Neapels zu sein. Jedenfalls waren schon viele illustre Persönlichkeiten in seinem Laden, darunter auch Lady Clinton. Davon zeugen Fotos, Zeitungsartikel und unzählige Visitenkarten in den Vitrinen und an den Wänden.
Neapel
"L'Amore immortale": Kamee (1925), Museum der Koralle, Neapel
Foto: 
Bellezzedinapoli
Überhaupt ist der kleine Laden voll gestopft mit zumeist antiken Möbeln, Andenken, Diplomen und nicht zuletzt den Schmuckstücken, die es hier zu kaufen gibt. Bereitwillig erklärt mir einer der Brüder Rinos sein Handwerk, das er im Licht der Eingangstür an einem Arbeitstischchen ausübt. Das Rohmaterial wird mit speziellem Wachs auf einen Holzgriff aufgepfropft und in eine, einem Stiefelknecht nicht unähnliche, Halterung gesteckt. So fixiert, lässt sich aus dem harten Material (Achat, Muscheln aus Afrika...) mit Hilfe einer Diamantspitze Schicht um Schicht herausarbeiten, bis floreale Muster oder, wie durch ein Wunder, das hübsche Antlitz des "Frühlings" von Botticelli aus dem rosa oder blauen Stein wächst.

Wenn ich es recht bedenke, habe ich jetzt wirklich eine Perle in dieser riesigen Muschel gefunden.
Text: Erika Mager
Die Homepage von Erika Mager: Brücke von Deutschland nach Italien

Touristische Informationen über Neapel:

Das könnte Sie auch interessieren:

Unterkünfte in Neapel:

Wie ist das Wetter in Neapel?

WetterOnline
Neapel
Das Wetter in Neapel
Durchschnittliche Höchst- und Tiefsttemperaturen, Wassertemperaturen und Regentage in Neapel
Quelle: Wikipedia

Italienische Gaumenfreuden online bestellen:

Die beliebtesten Produkte aus Kampanien bei Gustini.de

Diese Seite kommentieren:

Bis jetzt gibt es keine Kommentare ...

Entdecken Sie die schönsten Reiseziele:

Empfehlung:

Kostenloser Newsletter:

Alle Kapitel von www.reise-nach-italien.de:

Städte und Landschaften  Alles für Ihre Italienreise  Politik und Gesellschaft  Italienische Geschichte
Italienische Sprache  Kunst und Kultur  Italienische Küche  Italiener und Deutsche

Diese Website gehört zu den wichtigsten deutschen Internetadressen 2016


Contatto e copyright