
Die Puccini-Statue in Lucca. Dahinter sein Wohnhaus
Alle Fotos auf dieser Seite: Ursula Wiegand
Luccas berühmtester Sohn ist Giacomo Puccini. Am 22. Dezember
1858 erblickte er in diesem Toskana-Städtchen das Licht der Welt und hat es
immer geliebt. "A Star was born", doch Lucca hat das nicht erkannt und seine
Zuneigung lange Zeit kaum erwidert. Allerdings hat er es den Lucchesern nicht
leicht gemacht, und die tun sich, so der Eindruck, mit ihrem hochberühmten Sohn
nach wie vor etwas schwer.
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Beispielsweise trägt die Musikakademie, wo er zunächst studierte, nicht seinen
Namen, sondern den von Luigi Boccherini. Puccinis Geburtshaus schräg hinter
seiner Bronzestatue ist eingerüstet und für Besucher geschlossen. Dieses Manko
macht jedoch eine Ausstellung wett, geöffnet bis zum 22. Dezember 2008. Zu sehen ist
sie im Museum des Torre Guinigi. |
Ursula Wiegand, die Autorin dieses Artikels, ist eine
erfahrene Reise-
und Kulturjournalistin, die für
diverse Blätter arbeitet.
Italien gehört zu ihren Lieblingszielen.
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Zum ersten Mal wird z.B. Puccinis Taufurkunde gezeigt, und erstaunt lesen alle
seinen kompletten Namen: Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccini.
Der Vater, Michele II, hatte die männlichen Vorfahren dieser Musikerfamilie in
des Sohnes Vornamen integriert und Maria zum seinem Schutz hinzugefügt.
Eigentlich wollte Puccini eine 124jährige Tradition fortsetzen und genau wie
sein Vater und Großvater Organist im Dom San Martino werden. Schon in jungen
Jahren war er hier tätig. Doch leider nicht nur als Musiker. Um seinen
Zigarettenkonsum zu finanzieren, baute er Orgelpfeifen aus und machte sie zu
Geld, was wegen seiner geschickten Spielweise längere Zeit nicht auffiel. Als er
sich später um die Organistenstelle bewarb, wurde er abgelehnt.

Die Kirche San Martino in Lucca, wo Puccinis Vater und Großvater
als Domorganisten
arbeiteten. Er selbst wurde abgelehnt...
Auch sonst protestierte der junge Mann aus dem Mittelstand in
Haltung und Gehabe gegen das damalige stinkreiche und bigotte Establishment.
Sein Genie wurde nicht anerkannt, seine Aufsässigkeit wollte man nicht
tolerieren.
Puccini verließ also seine Heimatstadt und setzte seine Studien mit großem
Erfolg in Mailand fort. Musikfreunde können über den Gang der Dinge nur
glücklich sein, denn auf diese Weise wurde er zum Opernkomponisten, dessen Werke
in aller Welt geliebt werden. Puccini blieb Lucca jedoch verbunden und traf sich
dort oft mit seinen Freunden im Café Caselli, dem heutigen Di Simo in der Via
Fillungo. Hier können sich heute die Gäste im originalen Ambiente beim Brunch für 10
Euro den Bauch voll schlagen und dann dem Shopping frönen. Fillungo heißt langer
Faden. Wie aufgefädelt lockt hier Laden an Laden.
Doch Lucca übt, was Puccini betrifft, tätige Reue und hat im Juli 2008 ein gratis
Open-Air-Festival mit seiner Musik veranstaltet. Auch das Teatro del Giglio war
und ist nicht untätig. Nach zuletzt „La Rondine“, einer selten gespielten Oper,
steht vom 21.-23. November „Manon Lescaut“ auf dem Programm (www.teatrodelgiglio.it).
Noch rühriger zeigt sich das Festival „Puccini e la sua Lucca“. Jeden Abend um
19 Uhr, also an 365 Tagen im Jahr, erklingen in San Giovanni, wo Puccini getauft
wurde, seine Arien und andere Werke. Doch 19 Uhr ist eine für Italien frühe
Zeit, in der gemeinhin zu Abend gegessen wird. Liegt es nur daran, dass die
niveauvollen Konzerte zu 99 % von Ausländern, sprich Touristen, besucht werden?
Die Italiener und speziell die Luccheser ahnen nicht, was sie versäumen. (Infos
+ Tickets unter www.pucciniesualucca.com).

Zwei Künstlerinnen während eines Puccini-Konzerts
("Puccini e la sua Lucca" - siehe oben) in der Kirche San Giovanni
Text und Fotos: Ursula Wiegand