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Schon ein Spaziergang entlang des „Lago di Ledro“ verwöhnt Seele
und Augen. Umrahmt von bewaldeten Bergen leuchtet dieser See wie ein blaues Auge
gen Himmel.

Der Ledrosee in der Provinz Trient
Nur munter hinein ins klare Nass, es hat Trinkwasserqualität!
Bademöglichkeiten gibt es an verschiedenen Stellen, die größte in Pieve di Ledro.
Alle sind sauber und gänzlich ohne Eintritt oder Kurtaxe. Dort und auch am
Ostufer warten Tret- und Segelboote auf Unternehmungslustige. Junge Leute
bringen oft das eigene Surfbrett mit.

Segeln, Surfen, Baden, Biken: der Ledrosee ist ein Sportparadies
Hier, 660 Meter ü.M., herrschen selbst im Hochsommer bekömmliche
Temperaturen. Da macht es Spaß, per Rad oder zu Fuß den 10 km langen Weg um den
See zu absolvieren. Ständig bezaubern malerische Ausblicke, und nicht nur die.
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Auch ein Blick in die Vergangenheit ist hier möglich, denn die
Gegend am See ist schon urlange bewohnt. So entdeckte man vor
einigen Jahren an der Westecke, beim Dorf Molina di Ledro, etwa
10.000 stummelige Holzpfähle, die Reste eines rund 3.700 Jahre alten
ehemaligen Pfahlbaudorfes. Einige Häuser hat man nachgebaut. Im
Museum nebenan legen die ausgegrabenen Fundstücke Zeugnis ab von der
Kunstfertigkeit der einstigen Siedler am See. |
Ursula Wiegand, die Autorin dieses Artikels, ist eine
erfahrene Reise-
und Kulturjournalistin, die für
diverse Blätter arbeitet.
Italien gehört zu ihren Lieblingszielen.
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Das Museum des Pfahlbaudorfes
Die Lebens- und Arbeitsweise dieser Pfahldorfbewohner bringt man
den Gästen nahe. Für die Kinder läuft im Juli und August das „Palafittando“-Programm,
auch auf Deutsch. Begeistert machen sie (gestellte) Ausgrabungen, schießen mit
Pfeil und Bogen, melken Ziegen, weben und färben mit natürlichen Fasern wie die
Vorvorfahren. Nach einer Fahrt auf dem See schmeckt schließlich das
selbstgebackene Brot viel besser als Pommes mit Ketchup.
Vom Ufer empor in die Berge – auch das ist eine gute Idee, denn das Ledrogebirge
ist ein wahres Wanderparadies. Von der Südseite schlängelt sich ein Weg zum
Kapellchen San Martino und dann weiter zur Malga ( = Alm) Giù. Grasende Kühe auf
grünem Gras, gratige Gipfel vor stahlblauem Himmel. Ein stilles Idyll. Das
Geläut der Kuhglocken ist das einzige Geräusch weit und breit.
Eine andere Tour führt vom Dorf Mezzolago, also von der Seemitte, zur Malga
Dromaè (1.522 m). Zunächst geht es durch den schattigen Wald mit zahlreichen
schönen Durchblicken auf den Ledrosee. Und dann die Bergwiesen! Sie schmücken
sich im Frühsommer mit einem herrlichen Blütenteppich. Seltene Orchideen wachsen
dort oben, ab Ende Mai Pfingstrosen und Narzissen, an abgelegenen Berghängen
sogar Edelweis.
Wer sich alleine auf die Socken macht, sollte jedoch - trotz der Beschilderung -
Kartenmaterial dabei haben. Denn Menschen, die man fragen könnte, trifft man oft
stundenlang nicht. Die Berge des Ledrotals sind nach wie vor fast ein
Geheimtipp.
Vor allem ist auf die rot-weißen Markierungen zu achten. Sie allein kennzeichnen
die Wanderwege. Die blauen Striche zeigen Gemeindegrenzen an, die roten sind
Hinweise für die Förster.
Manche Touren sind auch für Familien machbar, andere verlangen Ausdauer, so der
2.254 Meter hohe Monte Cadria, manche auch bergsteigerische Erfahrung, Also sich
vorher gut informieren und zeitig aufbrechen! „Manche Gäste gehen erst mittags
los und verirren sich dann in der Dunkelheit. Unsere Bergwacht ist stets gut
beschäftigt,“ weiß Anna Maria aus dem Val di Concei. Dieses Tal mit der Hütte Al
Faggio ist ebenfalls ein beliebtes Wanderziel, und in den hübschen Dörfern Locca,
Enguiso und Lenzumo wohnen die Gäste besonders ruhig und preiswert. Von Locca
bis zum Ledrosee sind es nur 2 km.

Locca im Val di Concei

Enguiso im Val di Concei
Beliebt sind auch die geführten Touren. Unter dem Stichwort „Settimane
Natura“ (Naturwochen) bietet das Fremdenverkehrsamt in Pieve di Ledro von Mai
bis in den September etwa dreimal wöchentlich themenbezogene Gratis-Wanderungen
in unterschiedlicher Länge.
Biker sind im Ledrogebirge ebenfalls in ihrem Element. Ihre Routen, insgesamt
rund 200 km, hat man gelb markiert. Die Auffahrt zum 1.581 Meter hohen
Tremalzo-Pass gilt als Muss. Ein unschwieriger Anstieg führt vom Pass auf den
1.974 Meter messenden Tremalzo-Gipfel. Nirgendwo ist die Sicht auf den Ledrosee
so schön wie von dort.
Wandern, Baden und Biken machen hungrig. Daher landen viele schließlich in
Bezzecca beim Pizzakönig Gino. Dünn rollt er den Teig aus, belegt ihn üppig,
backt das Ganze perfekt überm lodernden Feuer. Mehr als 50 stattliche Varianten
stehen zur Wahl, alle lecker.
Auch anspruchsvollere Gaumen werden im Ledrotal nicht enttäuscht. Hier im
Trentino wird anständig gekocht, mit frischen regionalen Produkten.
Text und Fotos: Ursula Wiegand |