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Lombardei
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Ein Ausflug in den schweizerischen Teil des Lago Maggiore - wo (fast) alles so ist
wie im italienischen Teil. Von Ursula Wiegand. ![]() Die Brissago-Inseln im Lago Maggiore, ideal zum Träumen Alle Fotos auf dieser Seite: Ursula Wiegand Der Lago Maggiore: Kurzinfos
Ein "See-Törn" auf dem Lago Maggiore
„Lass uns träumen vom Lago Maggiore,“ sang einst Rudi Schuricke. Viele
trällerten damals den Schlager, sehnten sich nach diesem See, nach Wärme und
bella Italia.
Der südliche und größere Teil des Lago gehört tatsächlich zu Italien, der kleinere nördliche jedoch zum Schweizer Kanton Tessin. Italienisch ist hier die offizielle Sprache und italienisches Flair auch im Tessin selbstverständlich. Da es keine Grenzen mehr gibt, bietet der herrlich blaue Lago Maggiore ein grenzenloses Vergnügen. Die Ausflugschiffe fahren unter italienischer Flagge, bedienen aber auch den Tessiner Teil. Für viele Urlauber geht nichts über einen solchen „See-Törn“. Während die einen schon morgens losschippern, frühstücken andere noch auf den Terrassen, schlürfen ihren Cappuccino und lesen ausgiebig die Zeitung. Natürlich auf Italienisch. Gäste aus der deutschsprachigen Schweiz und der Bundesrepublik greifen stattdessen zur NZZ (Neue Zürcher Zeitung). Am Abend schmecken Risotto und Polenta im Tessin genau so gut wie in Italien, sind aber etwas teurer. Also kaum Unterschiede? „Doch,“ schmunzelt ein Schweizer. „Im Tessin kann man das Leitungswasser trinken.“ ![]() Locarno, mit dem Anleger für Ausflugsschiffe Locarno
In Locarno ist Joggen populär. Viele laufen am Seeufer Richtung Lido. Der
Weg führt vorbei an den Giardini Jean Arp. Die Skulpturen des Künstlers,
locker auf dem Rasen verteilt, glänzen in der Sonne. Mit ihren gerundeten
Formen passen sie bestens zu der hier gepflegten Atmosphäre von Lebensgenuss
und Entspannung.
Bestens bekannt ist Locarnos Filmfestival, diesmal vom 01.-11. August. Cineasten aus aller Welt rücken dann an und sitzen spätabends vor der Riesenleinwand auf der Piazza Grande, um ihre Stars zu bewundern. Kino unterm Sternenhimmel - das hat was. Nur wenige Schritte sind es von der Piazza Grande zum Castello Visconteo von 1342. Diese Trutzburg beweist: wer einmal am Lago Maggiore Fuß gefasst hatte, wollte gar nicht mehr weg. Die Besucher schon. Sie gehen weiter in die verwinkelte Altstadt, shoppen in schicken Boutiquen und bewundern das prächtige Deckengemälde in der Chiesa Nuova. Es zeigt die Krönung Mariens, hier ist die Madonna der Star. Noch weit Älteres besitzt die Kirche San Vittore nahe Locarnos Bahnhof. Sein Schatz sind die im 9./10. Jahrhundert gemeißelten Säulenkapitelle in der Krypta, viele mit rätselhaften Gesichtern, als hätten sie einen Traum. ![]() Blick vom See auf Ascona Ascona
Die Lebenden träumen dagegen von Ascona. Wer sich dem Städtchen per Schiff
nähert, ist sofort von dem Anblick begeistert. Bunte Häuser reihen sich auf
der Promenade. Bewaldete Hügel und hohe Gipfel mit Schneekappen bilden den
malerischen Hintergrund.
In der Altstadt lenkt ein weißes Haus, die barocke Casa Serodine von 1620, die Augen auf sich. Das absolute Highlight verbirgt sich jedoch hinter den Mauern: der spätgotische Freskenzyklus in der Kirche S. Maria della Misericordia, einer der wertvollsten weit und breit. Auf der einen Altarseite ist das Alte Testament dargestellt, gegenüber das Neue. Eine lebhafte Heilsgeschichte tut sich hier auf. Als Triumphator mit der Siegesfahne entsteigt Jesus dem Grab und erlöst nun die jämmerlich nackten Sünder.
Monte Verità - der Berg der Wahrheit
Als nackte Naturmenschen verwirklichten die Aussteiger früherer Jahre hier
ihren Traum. Von 1900-1920 schufen sie auf dem Monte Verità, dem
Wahrheitsberg oberhalb Asconas, ihr „Elisarion“.
Dort sammelten sich Pazifisten und Revoluzzer, Freigeister und Psychoanalytiker, Maler und Musiker, Dichter und Denker und probten den gewaltfreien Protest gegen das Establishment. Die Bewohner errichteten simple Hütten, bauten Gemüse an und übten das einfache Leben. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Kommune pleite und zerstreute sich. Dass dort oben einiges erhalten blieb und man auch komfortabel übernachten kann, ist dem deutschen Bankier Eduard von der Heydt (1882-1964) zu verdanken. 1926 erwarb er für 160.000 Franken den Berg samt Inventar und ließ dort von Emil Fahrenkamp ein Hotel im Bauhausstil errichten.
Neuerdings findet dieser Wahrheitsberg erneutes Interesse. Urlauber quartieren sich in dem komplett renovierten Hotel ein, Kongresse werden abgehalten. Ein Teehaus offeriert eigene Ernte vom Monte Verità! „Dieser Berg besitzt ein besonderes Magnetfeld, das haben Messungen ergeben. Er ist ein Kraftort,“ betont Lorenzo Sonognini, Direktor der Stiftung Monte Verità. Die Brissago-Inseln
Perfekt zum Krafttanken sind auch die Brissago-Inseln gegenüber von Ascona
(siehe auch das Foto oben).
Die größere, die Isola Grande, erwarb 1927 der Hamburger Max Emden
(1874-1940) von der verschuldeten Baronin Antoinette Saint-Léger und erbaute
sich dort einen Palazzo.
![]() Der Verzasca-Fluss bei Lavertezzo Das wilde Verzasca-Tal
Zum wahren Kraftspender wird jedoch das noch immer wilde Verzasca-Tal. Durch
enge Serpentinen müht sich der Postbus bergan. In Lavertezzo lohnt es sich,
die Fahrt zu unterbrechen. Mit gewaltiger Energie bahnt sich hier der
Verzasca-Fluss den Weg durch glatt geschliffene Felsen. Auf denen lässt es
sich gut sonnen. Leichtsinnige wagen auch mal den Sprung von der
Doppelbrücke in die tosenden Fluten.
Von Sonogno führt ein schöner, gut beschilderter Wanderweg, der „Sentiero Verzasca 74“, talwärts von Bergdorf zu Bergdorf. In allen hält der Postbus. Wer müde Füße hat, kann überall einsteigen und bis zum Lago Maggiore hinunterfahren. Infos und Adressen:
Text und Fotos: Ursula Wiegand
Ursula Wiegand ist eine erfahrene Reise- und Kulturjournalistin, die für diverse Blätter arbeitet. Italien gehört zu ihren Lieblingszielen. Andere Seiten von Ursula Wiegand in reise-nach-italien.de: Verona - Turin - Turin kulinarisch - Ferrara - Emilia Romagna - Lucca - Lucca und Puccini - Malcesine - Ledrotal - Capri - Messina Alle Beiträge anderer Autoren: Alle Seiten der Mitarbeiter Unterkünfte am Lago Maggiore: Mehr
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