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Die Kulturgeschichte der Glücks- und Gesellschaftsspiele
in Italien

Glücks- und Gesellschaftsspiele in Italien - von den Römern über die Renaissance bis heute.
Das Kolosseum in Rom
Das Kolosseum (maximale Zuschauerzahl: etwa 50.000) war Schauplatz unzähliger Gladiatorenkämpfe
Foto:  Diliff

Die Römer legten großen Wert auf Massenunterhaltung

Wer an das Römische Reich denkt, denkt möglicherweise zunächst an die Gladiatorenkämpfe und die großartigen Bauwerke, die die Römer der Nachwelt hinterlassen haben. Der Erfindungsreichtum der Römer war gekennzeichnet durch das Perfektionieren, das Verändern und das Anpassen bereits bestehender Ideen und die ständige Verbesserung der eigenen Techniken. Der Erfolg des Imperiums bestand nicht nur aus seiner militärischen Macht sondern auch aus ausgeklügelten Wirtschaftsmechanismen, die durch die Entwicklung und Ausweitung der Infrastrukturen ständig stimuliert und angekurbelt wurden.

Aber das Reich legte auch großen Wert auf Unterhaltung und das Zelebrieren des Wohlstandes. Spiele, Kämpfe und Vorführungen gehörten von Anfang mit dazu - und das hat sich bis in das heutige Italien übertragen. Den Grundstock der Massenunterhaltung legten die Römer mit den Gladiatorenkämpfen, deren Nachwirkungen die gesamte Geschichte Italiens bis zur Neuzeit durchziehen. Und einige Wissenschaftler erkennen in den heutigen Großveranstaltungen, wie Fußballweltmeisterschaften oder anderen sportlichen Großereignissen, die Wettkämpfe der Arenen im Kolosseum oder im Circus Maximus.

Brot und Spiele: Gladiatorenkämpfe und Zuschauerbelustigung

   Ursprünge und Ablauf der Arenenkämpfe

Einige Quellen nennen den Grabkult der Etrusker als Vorbild für die Kämpfe, in denen Kämpfer als Darstellung des Mutes des Verstorbenen oder als Versöhnung mit dem Blut der Feinde während der Leichenfeier gegeneinander antreten. Der große Erfolg dieser Veranstaltungen stimulieren den römischen Adel und so kommen bald immer neue Kampfideen und Schaukämpfe zur Ehrung der Toten zustande. Nach und nach kommen neben Sklaven und Kriegsgefangenen auch freie Bürger als Gladiatoren hinzu, die auf Gladiatorenschulen ihren Beruf erlernen. Aber auch wer zu den Spielen verurteilt wird (ad ludum), erhält eine umfassende Kampfausbildung.
  • Ad gladium: zum Schwertkampf
  • Ad bestias: zum Tierkampf
  • Ad ludum: zum Spiel
Ein Arenatag beginnt meist mit den Tierkämpfen mit anschließender Tierjagd von Raubkatzen, Elefanten oder weiteren Tieren. Anschließend erfolgt die Hinrichtung Verurteilter durch Tierkämpfe oder einen Zweikampf. Am Nachmittag findet der berühmte Kampf zwischen den Gladiatoren statt, in denen die Kämpfer paarweise gegeneinander antreten. Mehr zum Kolosseum auf dieser Seite: Das Kolosseum

   Die verschiedenen Typen von Gladiatoren, ihre Aufgaben und Merkmale:
Ein nachgestelltes Wagenrennen in einer römischen Arena
Ein nachgestelltes Wagenrennen in einer römischen Arena.
Auch für die Zuschauer waren sie in der sengenden Hitze anstrengend.
Foto: Midx1004
   Wagenrennen und Sportevents als Kulturveranstaltungen

Der Circus Maximus in Rom ist das Sinnbild für die Sportevents des Römischen Reiches. Über 250.000 Personen verfolgen hier die spannenden Wagenrennen, bei denen bis zu zwölf Wagengespanne gegeneinander antreten. Historiker vergleichen die Veranstaltung mit heutigen großen Sportereignissen, denn die Stimmung ist emotional und viele Besucher setzten viel Geld auf ihre Favoriten, die zum Teil mit der Popularität der heutigen Formel-1 Rennfahrer mithalten können.

Sportwettbewerbe gehören zu den beliebten Veranstaltungen, mit den Sportarten Rennen, Wrestling, Boxen, Fünfkampf und vielen abderen. Die Athleten zeigen ihre Kraft und Stärke und erhalten hohe Preisgelder, während das Publikum begeistert mitfeiert.

   Theater als Import aus Griechenland

Neben Kämpfen und Sport übernehmen die Römer das Drama der Griechen als Modell für eigene leicht verständliche Theaterstücke. Die Bühnenform passt sich den neuen Darstellungsweisen an, denn für die Stücke sind größere Bühnen und Ausstattungen notwendig. Im Gegensatz zu den Griechen steht bei den Römern zuerst die bauliche Entwicklung der Bühne im Vordergrund, während der Zuschauerraum erst nach und nach an Bedeutung gewinnt. Mit dem Marcellus-Theater und dem Balbus-Theater in Rom gibt es erstmals steinerne Theater, die nach Klassen unterteilt sind. Die Baukunst des Marcellus-Theaters ist stilgebend für die nachfolgenden Theaterbauten.

   Chöre und Orchester für Heer und Staat

Bei Staatsfeiern sind Chöre und Orchester im Römischen Reich weit verbreitet. Besonders zur Jagd, dem Krieg oder Festen unter freiem Himmel gehören Blasinstrumente zu den Festlichkeiten. Im Krieg sorgen die Trompeter und Hornisten dafür, dass Signale für Angriff, Rückzug oder Aufbruch überall zu hören sind. Einige römische Instrumente sind bekannt, wie die Knochenflöte, die römische Tuba aus Bronze oder die Buccina (eine metallene Horntrompete, die sich vom Hirten- zum Militärinstrument entwickelte). Die Wasserorgel Hydraulis kommt hauptsächlich im Theater und im Freien zum Einsatz. Im folgenden Video sehen und hören Sie den Originalen nachgebaute römische Musikinstrumente:

Gesellschaftsspiele der Antike – Unterhaltung für wenig Geld

   Erste Brettspiele: Vorläufer von Mühle und Backgammon

Auf zahlreichen römischen Wandmalereien und Mosaiken sind spielende Menschen, Erwachsene und Kinder zu erkennen. Bei Nüssen oder Wurfknöcheln sind hauptsächlich Kinder zu sehen, während Brett- und Würfelspiele überwiegend von Erwachsenen gespielt werden. Die Vorläufer von Mühle und Backgammon ähneln den heutigen Spielen bereits sehr. Das kleine Mühlespiel beinhaltete drei Steine, die nach und nach zu ziehen sind, bis drei Steine eines Spielers in einer Reihe liegen. Das große Mühlespiel nutzt neun Spielsteine. Weitere Strategiespiele bestehen aus quadratischen Feldern, auf denen die Spielsteine des gegnerischen Spielers einzufangen waren. Das Ludus Duodecim Scripta (Kaiser Claudius war ein begeisterter Freund dieses Spiels) ist die Urform des Backgammons, das mit zwei Mal zwölf Spielsteinen und zwei Würfeln zu spielen ist. Der Name stammt von den ursprünglichen zwölf Spielfeldern, welche durch Würfeln über das Spielbrett von einer Seite zur anderen zu bringen sind.

   Geschicklichkeitsspiele: Nüsse, Bälle und Tierknochen

Die Nuss- oder Knochenspiele der Kinder beinhalten zum Beispiel das Erraten der versteckten Objekte in den Händen der Gegner oder das Erraten der Würfelaugen. Die Tierknochen bestehen meist aus dem Sprunggelenk von Schafen oder Ziegen und werden von den Griechen Astragale genannt. Diese Knochen bestehen aus vier Flächen, die sozusagen als natürliche Würfel zum Einsatz kommen. Einige Spiele beinhalten das Werfen und Fangen der Astragale, andere das Glücksspiel durch die Kennzeichnung der Würfelseiten mit Werten.

Eine Variante besteht darin, einen Kreis auf den Boden zu zeichnen und die Astragale hineinzuwerfen. Anschließend müssen die Spieler die gegnerischen Steine aus dem Kreis schießen. Andere Versionen beinhalten Löcher im Boden, in denen die Steine ähnlich wie die Murmeln später hinein zu befördern sind. Mannschaftsspiele wie Faustball, fangen oder Schlagball mit der Wand sind in der Antike ebenfalls bereits vorhanden. Bekannt ist das Harpastum, eine Variante des heutigen Völkerballs. Weitere Informationen zu den Ballspielen gibt es bei Planet Wissen.
Antike Spielsteine aus Knochen
Bei Kempten gefundene Spielsteine aus Knochen.
Foto: Xocolatl
   Würfelspiele: Spiele der Kaiser und des Orakels

Auch Würfelspiele waren bei den Römern weit verbreitet. Bereits in der Antike kommen die sechsseitigen Würfel zum Einsatz, in allen gesellschaftlichen Schichten, vom Sklaven bis zum Kaiser. Die Materialien bestehen aus Elfenbein, Knochen, Ton oder Metall und viele Spielvariationen sind in Gasthäusern oder Thermen zu finden. Es gibt Würfelspiele, die mit Geldeinsätzen gespielt werden, obwohl die Glücksspiele offiziell verboten sind. Viele Kaiser setzen große Geldmengen ein und es gibt einige Geschichten um Kaiser wie Augustus oder Claudius, die leidenschaftliche Würfelspieler gewesen sein sollen und bei entsprechend hohen Summen ein halbes Vermögen einsetzten.

Um Betrügereien zu verhindern, nutzen die Spieler Würfeltürme, in welche die Würfel oben einzuwerfen sind und über eine Art Treppe auf dem Boden landen. Die Türme bestehen aus Holz, Knochen oder Bronze und einige kommen vor allem bei dem beliebten Duodecim Scripta zum Einsatz, was in diesem Artikel erläutert wird.

In der griechischen Kultur und im Römischen Reich sind Wahrsagungen und Orakel weit verbreitet und beliebt, um das eigene Schicksal zu erfragen und um vor wichtigen Entscheidungen einen Rat zu erhalten. Mit Hilfe der Astragale und später der Würfel nutzen das einfache Volk, aber auch die Adligen, die Orakel für ihre Zwecke. Der Historiker Johannes Nollé des Archäologischen Instituts in München spricht von Steinstelen, in denen über 50 Zahlenkombinationen zu finden sind, welche mit unterschiedlichen Sprüchen und Wahrheiten belegt sind. In diesem Bericht erläutert er, dass die Orakelsteine Empfehlungen für geschäftliche oder private Dinge darstellten und dass viele Menschen glaubten, daraus Erkenntnisse für ihr Leben ziehen zu können.
Antiker Spielwürfel
Ein antiker Spielwürfel
Foto: Rama
Alea iacta est! („Die Würfel sind gefallen“),
dieser bekannte Auspruch stammt von dem griechischen Komödiendichter Menander

   Athletische Spiele für Unterhaltung und Belustigung

Eine sportliche Betätigung und eine kräftige Statur gelten im Römischen Reich als gute Vorbereitung für militärische Höchstleistungen. Die Palästras, die öffentlichen Trainingsgelände, die oft neben den bekannten Thermen liegen, dienen dem jungen Militärnachwuchs als Vorbereitung auf den harten Militärdienst. Später stehen diese Plätze dem Theaterpublikum zur Verfügung. Die Leibesübungen schließen auch griechische Vorbilder ein, wie Ringen, Laufen, Speerwurf oder Diskuswurf.

Es gibt unter der Herrschaft der Römer zwar Kaiser, die die Olympischen Spiele abhalten lassen und sogar selbst antreten, wie Kaiser Nero, doch diese Spiele verkommen mehr und mehr zu einer Farce und finden 393 n. Chr. vorläufig zum letzten Mal statt, danach werden sie von Kaiser Theodosius verboten. Allerdings gibt es in den Thermen sportliche Aktivitäten und im Circus Maximus sind regelmäßige athletische Spiele zur Unterhaltung zu sehen, das von den Wagenrennen bis zum Sackhüpfen reicht.

   Die Olympischen Spiele in Kürze:
  • 776 v.Chr. - Erste schriftliche Belege für die Olympischen Spiele
  • 472 bis 400 v. Chr. - Goldenes Zeitalter der Spiele mit festen Regeln und Abläufen
  • Bis 338 v. Chr. - Silbernes Zeitalter, unterbrochen von Kriegen
  • 393 n. Chr. - Letzte Olympischen Spiele der Antike, Verbot der Spiele durch Kaiser Theodosius
  • 1896 - Wiederaufnahme der Spiele in Athen
   Siehe dazu auch: www.olympiastatistik.de
Karneval in Venedig  Karneval in Venedig
Karneval in Venedig  Karneval in Venedig
Karnevalsmasken in Venedig
Fotos: Wolfgang Pruscha

Italien als Wegbereiter für Theater, Musik und Unterhaltung

   Der Karneval in Venedig: Masken und Anonymität

Der Karneval in Venedig findet erstmalig Erwähnung in einem Schriftstück von 1094. Die Tradition der Maskierung und des Schabernacks existiert zwar bereits vorher, doch in Venedig machen die italienischen Fürsten aus dem Spaß ausgelassene Feste, die im Laufe der Jahre immer größer werden. Zu Beginn des Karnevals stammen die Masken aus dem Theater, der Commedia dell’arte, mit Figuren wie Harlekin, Colombina, Pantalone oder Pagliaccio. Der Karneval und die Maskierung helfen dabei, sich zu verstecken und zu verstellen und die guten Sitten hinter sich zu lassen, ohne Konsequenzen zu erleiden.

   Siehe dazu auch: Herstellung und Geschichte der venezianischen Karnevalsmasken

Zwischen dem sechsten Januar und Aschermittwoch finden die Karnevalsfeiern auch heutzutage wieder statt, der Höhepunkt ist am Dienstag, dem Tag vor Aschermittwoch. Der sogenannte Ball des Dogen ist die Hauptveranstaltung im Palazzo Pisani-Moretta in Venedig, mit internationalen und nationalen Stargästen, die sich den Eintritt ab 600 Euro aufwärts leisten können.

   Die Kunst der Renaissance: Leonardo da Vinci, Michelangelo und Botticelli

Für die Geschichte der Unterhaltung sind italienische Künstler und Protagonisten wie Leonardo da Vinci, Botticelli und Michelangelo bezeichnend. Da Vinci steht für die moderne Entwicklung der Forschung, er richtet den Blickwinkel auf eine Verbindung von Fantasie und Wissenschaft. Sandro Botticelli ist ein renommierter Künstler, der für die Medici und die Adligen des Landes arbeitet, er verbindet mythologische und religiöse Motive und nutzt die Schönheit als ein Mittel für die Trennung von christlicher Tradition und antikem Denken. Michelangelo ist weltberühmt für seine religiösen Werke, wie zum Beispiel die Gestaltung der Sixtinischen Kapelle oder seine beeindruckenden Statuen. Allerdings gehört er vermutlich zu einer Gruppe der Kirchenkritiker, der Spirituali, welche die Kirche reformieren wollten. Versteckte kritische Symbolik gibt es bei vielen Künstlern der Renaissance.

   Die Wandlung des Theaters: Säkularer Status und Zensur

DDie Schauspieler der bereits erwähnten Commedia dell’arte reisen durch ganz Italien, um improvisierte Stücke mit einer vorgegebenen Rahmenhandlung vorzuführen. Dabei gehen sie auch mit den politischen Eliten hart ins Gericht, sind aber durch ihren Improvisationscharakter zum Teil vor Zensur und Verfolgung durch die katholische Kirche und die Herrschenden geschützt. Doch nicht nur die Kirche hat einen großen Einfluss darauf, was auf der Bühne als sittlich und moralisch und was als unanständig gilt. Als Napoleon Italien besetzt, schränkt er die Presse- und Theaterfreiheit ein und beschneidet selbst bekannte Stücke nach seinen Vorgaben.
Arena di Verona
Die römische Arena in Verona, im Mittelalter als Steinbruch missbraucht, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer der wichtigsten Bühnen Italiens, von Verdi-Opern bis zu Rock-Konzerten.
Foto:
Chensiyuan
Im Laufe der Demokratisierung der europäischen Länder erfährt das Theater immer größere Bedeutung als Unterhaltungsort, was die künstlerische Freiheit und Gestaltung stärkt. Guiseppe Verdi ist bekannt für seine politischen Musikwerke, die immer wieder zensiert werden. Mit der Verbreitung der Opern und Theaterstücke in Europa und einem unabhängigen Staat Italiens können Künstler und Komponisten ihre Kreativität freier ausleben. Eine ausführliche Übersicht über die Geschichte der Zensur in Europa zeigt diese Homepage.

   Oper, Ballett und Improvisationen: Italienisches Erbe

Trotz Zensur und strengen Vorgaben entwickeln sich in Italien verschiedene Kunstformen, die das Theater erweitern und verändern. Die Oper entsteht beispielsweise aus dem Wiederaufleben des Theaters der Antike, mit gesungenen Texten und zusätzlicher Musik. Die griechische Tragödie erlebt unter der Florentiner Camerata, einer Vereinigung von Musikern, Adligen und Gelehrten, eine erneute Blüte und innerhalb weniger Jahre entwickelt der Vorreiter Claudio Monteverdi einen neuen, ganz eigenen Stil mit theatralischem Ausdruck der Figuren durch Gesang und Musik. Die Oper erobert Europa im Sturm.

Die Kunst des Balletts entwickelt sich aus der Kreativität italienischer Künstler, die bereits im 15. Jahrhundert mit unterschiedlichen Tänzen experimentieren. Ab dem 16. und 17. Jahrhundert sind Balletttänze bei vielen Hofvorführungen Standard und diese erhalten von Pierre Beauchamps die klassischen fünf Grundpositionen. Der Florentiner Komponist Lulli ermöglicht es auch den Frauen, an den Tänzen teilzunehmen und er entwickelt dadurch neue Tanzformationen, Schritte und Bewegungen. Ab dem 18. Jahrhundert ist das Ballett eine unabhängige Kunstform für Profitänzer, mit Akrobatik, Eleganz und hohem technischen Niveau.

Die modernen Veränderungen: Glücksspiel und vielfältige Unterhaltung

   Black Jack, Baccarat und Roulette und ihre italienischen Varianten

Die Unterhaltungsindustrie in Italien ist geprägt von den geschichtlichen Vorgängern, der Glücksspiele der Römerzeit, vom Theater und der Oper der neueren Geschichte und von der Kommerzialisierung von Kunst und Unterhaltung. Durch religiöse und politische Einschränkungen war es im Laufe der Jahrhunderte nicht immer einfach, Glücksspiele zu betreiben oder zu spielen, doch ab 1700 nimmt die Anzahl der Karten- und Geschicklichkeitsspiele zu.

Black Jack soll angeblich auf das französische Spiel „Vingt et Un“ zurückgehen, das in Italien unter „31“ bekannt ist. Erste Belege gibt es durch einen Italienischen Mönch, der in seiner Verbotsrede diverse Glücksspiele untersagt, wie Würfelspiele, Backgammon oder das berüchtigte „31“. Dieser Ratgeber zeigt zudem Parallelen auf, denn „Vingt et Un“ wird ebenfalls mit 52 französischen Karten gespielt und Ziel ist es, mit ein oder zwei Karten nahe genug an die 21 zu kommen.
Baccarat  Baccarat
Beim Baccarat kommen Kartenschlitten (links) oder eine Kartenpalette (rechts) zum Einsatz
Fotos:
Roland Scheicher
Baccarat ist vermutlich eine italienische Erfindung, die zunächst mit Tarotkarten gespielt wird und über Italien nach Frankreich kommt. Der französische Adel nutzt das Kartenspiel für exklusive Spielrunden, während in England alle Klassen in das Vergnügen des Spiels kommen.

Roulette steht zum Teil in Verbindung mit dem Römischen Reich, als die Soldaten mit Glücks- und Gesellschaftsspielen unterhalten werden. Erste Vorläufer des Roulettes gibt es auf Wagenrädern oder Schildern, die wie ein Glücksrad aufgebaut sind. Die Verbreitung erfährt das Spiel allerdings von Frankreich aus, da Napoleon im 19. Jahrhundert das Glücksspiel dort wieder erlaubt.
Spielkasino von Venedig am Canale Grande
Der Hauptsitz des Spielkasinos von Venedig am Canale Grande
Foto:
Didier Descouens
   Das Casino in Venedig: für Adlige und Bürger

Venedig ist der Geburtsort der Spielcasinos in Europa. Die venezianischen Händler sind die ersten, die organisierte Glücksspiele in Umlauf bringen und bald merken auch die Herrschenden, wie nützlich diese Spiele für ihre Einnahmen sind. Das Ridotto ist ab 1638 die erste Spielbank der Welt, wo Adlige und Bürger - verkleidet - Glücksspiele spielen können. Heute hat die Spielbank Venedigs zwei Sitze: den Hauptsitz am Canale Grande (Ca' Vendramin Calergi) und einen neuen modernen Sitz, Ca' Noghera, in der Nähe des Flughafens Marco Polo.
Das Casino am Luganer See
Der Schweizer Architekt Mario Botta konstruierte das Spielcasino am Luganer See
Foto:
AdmComSRL
   Das Casino Municipale Campione d’Italia: eine italienische Exklave in der Schweiz

Die italienische Exklave liegt am Ufer des Luganer Sees in der Schweiz und unterliegt der italienischen Provinz Como. Es gibt zwar Schweizer Zoll, Franken und Briefmarken, aber keine Mehrwertsteuer und vor allem: das Casino ist Hauptarbeitsgeber und Wirtschaftsmotor der Region. Das Casino ist die größte Einrichtung ihrer Art in Europa, mit 13 Stockwerken und 150 Millionen Franken Baukosten. 1917 beginnt der Bau, 1933 eröffnet die Spielbank. Die niedrige Einkommens- und Grundsteuer reizt gestern wie heute viele Italiener nach Campione zu ziehen. Weitere Informationen zu dem Einfluss des Casinos für die Region erläutert www.luganer-see-info.de.

   Online- und Glücksspiele in Italien heute

Die italienische Regierung kontrolliert das Glücksspiel im Land und vergibt wie in Deutschland die Lizenzen. 80 bis 100 Milliarden Euro generiert heute das Glücksspiel in Italien, mit Lotto, Sportwetten, Bingo oder Online-Poker. Online-Glücksspiele sind in Italien erlaubt, von Casinos, über Spielautomaten bis hin zu Pokerrunden. Dazu kommen die Videolotterien, Spielterminals, die zentral vernetzt sind und viele Casinospiele anbieten. Deshalb besitzt Italien einen der größten Online-Glücksspielmärkte Europas. Die Geschichte der Spiele und der Unterhaltungskultur in Europa ist, wie gezeigt, stark von italienischen Einflüssen geprägt. Von den Würfelspielen der Antike, über Schaukämpfe, Theater, Oper, Kunst und Glücksspiel – überall gibt es Zeitzeugen der Geschichte, die zum Teil heute immer noch Anwendung und Gefallen finden.

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