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Pia Secci
Alles begann im Oktober 1982...
in einem kleinen umbrischen Dorf,
als ich rein zufällig die Bekanntschaft eines deutschen jungen Mannes machte,
der dann mein Mann geworden ist. Eine Liebe auf den ersten Blick, die mein Leben
vollständig ändern sollte. Damals war ich Studentin an der Universität Perugia,
belegte die Fakultät für fremde Sprachen und Literatur, und mein Mann befand
sich in einer Gruppe von fünf Studenten, die fasziniert waren von der Schönheit
der umbrisch-toskanischen Landschaft und nur mit einer Handvoll Geld und mit
einem einzigen Traum nach Italien gekommen waren: ein Bauernhaus zu kaufen, es
mit ihren eigenen Händen zu restaurieren und in unmittelbarer Verbindung mit der
Natur und der italienischen Kultur zu leben. Damals war es leicht, diesen Traum
zu verwirklichen! Die Landschaften Umbriens und der Toskana waren voller
Bauernhäuser, die am Ende der sechziger Jahre von den Landwirten verlassen
worden waren, als sich viele von ihnen dafür entschieden hatten, für immer das
harte und arme Landleben aufzugeben zugunsten eines Lebens in der Stadt, das
ihnen sicheres Einkommen und ein würdigeres Dasein bot. Das von den fünf
deutschen Studenten gekaufte Haus befand sich in der Gemeinde Lisciano Niccone
in der Provinz Perugia, einen Katzensprung von dem Haus, in dem ich wohnte und
wo meine Familie noch immer lebt.
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Wenige Monate nach dieser Zufallsbekanntschaft...
hatte eine große Liebesgeschichte
begonnen, die mich binnen kurzem dazu führen sollte, in Deutschland, genauer in
Düsseldorf, zu leben. Im März 1984 war der Beginn dieses Abenteuers, das ins
Buch meines Schicksals geschrieben worden ist.
Die ersten Monate waren sehr schwer für mich, die schwierigste zu überwindende
Hürde war die sprachliche. Obwohl ich an der Uni Perugia Deutsch studiert hatte,
erlaubten mir die zahllosen grammatikalischen Begriffe und die wenigen Stunden
Konversation nicht, mich mit den Menschen zu verständigen, manchmal fühlte ich
mich unfähig und dumm und dachte: „Du wirst diese Sprache nie lernen!“ Ich
irrte, denn nach etwa einem Jahr hatte sich alles geändert. |
Heute lebt Pia Secci in Verona und leitet den
Kulturverein "Vivere", der in Verona und in anderen Städten
Italiens Italienischkurse für Ausländer anbietet:
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Um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren...
begann ich, kleine Arbeiten zu suchen,
als Babysitter oder Haushaltshilfe. Ich gab einige Inserate in den örtlichen
Zeitungen auf und erhielt verschiedene Anrufe. Ich entschied, zu einer Dame zu
gehen, die in der Nähe wohnte und ein Mädchen brauchte, das ihr bei den
Hausarbeiten helfen würde. Ich werde nie jenen Tag vergessen, denn diese zweite
Zufallsbekanntschaft sollte mir eine entscheidende Wende meines Lebens geben. Ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war und mir
vor allem die Tatsache Sorgen machte, mich nicht korrekt auf Deutsch ausdrücken
zu können. Es war ein sehr interessantes und positives Gespräch. Ich hatte auf
die Dame einen so guten Eindruck gemacht, dass sie zu meinem Besten entschied,
mir die Arbeitsstelle nicht zu geben. Wörtlich sagte sie: „Diese Arbeit ist
nichts für eine so vielseitige, offene und viel versprechende Persönlichkeit wie
die Ihre. Ich hätte für Sie etwas viel Interessanteres, etwas, das Ihnen die
Möglichkeit böte, in Verbindung mit den Menschen zu sein.“ Ich war sprachlos.
Die Dame war Dozentin an der Volkshochschule (eine Art Abendschule für
Erwachsene) und sie sagte mir, es würde leicht für mich sein, eine Arbeit an der
VHS als Italienischlehrerin zu erhalten. Die Idee gefiel mir sofort, und so
legte ich mit ihrer Hilfe meine Bewerbung verschiedenen Schulen vor, und nach
zwei Monaten war ich schon Dozentin für Italienisch.
Die Erinnerung an jenen ersten Tag...
ist mir noch lebhaft im Sinn: Sich vor einer
Anfängerklasse zu befinden, die begierig war, meine Sprache zu erlernen, eine
Sprache, die in ihren Ohren so musikalisch klang und gleichzeitig so
unverständlich! Meine ersten Worte waren, um das Eis zu brechen: „Buona sera, io
sono la signora Pia Secci“ (Guten Abend, ich bin Pia Secci), und alle
antworteten im Chor: „Buona sera signora Pia Secci!“
Seit jenem Tag sind fast 25 Jahre vergangen...
und ich habe diese Tätigkeit mit
großer Leidenschaft und viel Elan ausgeübt und habe stets versucht, diese
Begeisterung meinen Schülern zu vermitteln. Während dieser Jahre habe ich viel
Erfahrung auf dem Gebiet des Lehrens gesammelt, ich habe Hunderte interessanter
und sympathischer Menschen kennen gelernt, viele von ihnen sind sehr geschätzte
Freunde geworden. Einer von ihnen, Andreas, ist sogar der Mann meiner
Zwillingsschwester geworden, die damals noch in Italien lebte und jetzt mit
ihrer Familie in Düsseldorf wohnt, der Stadt, wo mein deutsches Abenteuer
begann!
Wenn ich eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen bei der Arbeit in Deutschland
geben sollte...
müsste ich sagen, dass die Tatsache, als Italienischlehrerin
gearbeitet zu haben, mich gewissermaßen ferngehalten hat von den Problemen
vieler Einwanderer, den Schwierigkeiten der Integration und der würdigen
Einfügung in das soziale Netz. Was ich sagen will ist, dass ich durch meine
Arbeit das Glück hatte, viele Menschen zu treffen und kennen zu lernen, die
gerade dank ihrer Liebe zu Italien, wegen seiner Sprache, wegen seiner Kultur
und wegen seiner Naturschönheiten eine große Bewunderung und sehr positive
Haltung gegenüber meinem Land hegten. Sie sahen in mir eine Vertreterin dieser
manchmal zu ideal gesehenen Welt. Ich muss also sagen, dass meine Beziehung zu
den Deutschen sehr gut gewesen ist, ich habe mich immer respektiert gefühlt und
gern gemocht. Ich erinnere mich mit ein bisschen Nostalgie daran, als
insbesondere vor Weihnachten viele der Damen, die meine Kurse besuchten, mir als
Geschenk selbst gemachte Plätzchen und andere Weihnachtssüßigkeiten brachten und
zu mir sagten: „Ein kleines Geschenk für unsere brave und sympathische
Lehrerin.“ Am Ende jeden Semesters war es fast Tradition, in eines der vielen
italienischen Restaurants zum Essen zu gehen, und es waren immer sehr heitere
und vergnügliche Abende. Nicht zu vergessen sind auch meine wunderschönen
Reisen, die ich mit verschiedenen Gruppen nach Sardinien gemacht habe, der
Insel, wo ich geboren wurde und wo ich mein Herz gelassen habe, und nach
Umbrien, dem grünen Herz Italiens, wo ich aufgewachsen bin und wo ich, wie oben
erzählt, meinen Mann kennen gelernt habe.
Nachdem ich zwölf wunderschöne und intensive Jahre in Deutschland
verbrachte...
die mich von Düsseldorf nach Nürnberg und schließlich nach München geführt
haben, lebe ich nun in Verona und arbeite als Italienischlehrerin – was könnte
ich sonst tun?
Als Italienischlehrerin in Italien zu arbeiten...
ist zweifellos sehr viel
effizienter und interessanter als in Deutschland. Hier sind die Studenten in
unmittelbarem Kontakt mit der italienischen Realität in allen Bereichen, die
sich vom lebendigen Umfeld bis zum sprachlich-kulturellen erstrecken; alle
grammatikalischen Kenntnisse können sogleich in der Praxis angewendet werden,
indem man mit den Menschen spricht und ihnen zuhört, eine Art von totalem
Eintauchen. Die Motivation ist sehr hoch und die Ergebnisse sind außerordentlich
gut. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass das, was die Studenten während eines
Semesters in Deutschland lernen, hier in Italien in einer Woche gelingt!
Der große Nachteil, eine Lehrerin in Italien zu sein...
ist, o je, der
wirtschaftliche. Die Vergütungen, die die Fremdsprachenlehrer erhalten, sind die
niedrigsten in Europa, und das kann ich selbst bestätigen. Wenn man vergleicht
zwischen einer Lehrstunde in Deutschland und einer in Italien, wird sofort klar,
dass der Unterschied derart unglaublich ist, dass es, als ich nach Verona
gekommen bin, ein regelrechter Schock war. Gewöhnt an gute deutsche Vergütungen
(ca. 45 € pro Stunde), musste ich mich anpassen und mich mit 15 € je Stunde
zufrieden geben! Es ist nicht leicht, einen Schritt zurück zu machen, aber wie
man zu sagen pflegt: Geld ist nicht alles!
Pia Secci
vivere@dvps.net
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