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Roberto Saviano,
Autor des Buches "Ghomorrha. Reise in das Reich der Camorra"
Die Geschichte eines Landes ist immer geprägt von
erfreulichen und traurigen Ereignissen. So gehört zur deutschen
Geschichte nicht nur der Mauerfall, sondern auch der Mauerbau.
Dasselbe gilt für die Geschichte Italiens, deren dunkelste Seite u.a. von der organisierten Kriminalität geschrieben wurde: Die Sacra
Corona Unita in Apulien, die N'drangheta in Kalabrien, die Cosa
Nostra in Sizilien und die Camorra in Kampanien haben wahrlich für
zahlreiche traurige Ereignisse in den letzten fünfzig Jahren
gesorgt.
Auch die Berliner Festspiele haben sich im Jahr 2008 mit diesem Thema
befasst. Und der Star-Gast hieß Roberto Saviano, Autor des Buches "Ghomorrha"
- mittlerweile auch auf deutsch erhältlich. Arno Widmann, der
Moderator, zuckte
merklich zusammen, als er mit dem italienischen Autor die Bühne
betrat und kaum einer der knapp 1.000 Plätze nicht besetzt war. So
einen Andrang erlebt man bei Lesungen nicht alle Tage.
Saviano selbst ist Rummel dieser Art gewöhnt. Seit sein Buch
erschienen ist, feiert man den 1979 geborenen Saviano in Italien wie
einen Popstar - oder aber trachtet ihm nach dem Leben. Savianos
Reportage ist eine beeindruckend anschauliche, zugleich aber auch
äußerst reflektierte Schilderung über die Arbeitsweisen und
Mechanismen der süditalienischen Mafia. Wie bereits Kinder mit einer
Routine des Mordens vertraut gemacht werden und warum gerade deshalb
ein Job als Drogenkurier als favorisierte Aufstiegschance unter
Jugendlichen gilt, das beschreibt Saviano als Teil eines sozialen
Automatismus, der sich durch alle Lebensbereiche zieht.
Spätestens als Saviano, der mit eigenen Bodyguards angereist ist,
beim anschließenden Signieren seiner Bücher zusätzlich von Beamten
des LKA abgeschirmt wurde, ist jedem Anwesenden bewusst geworden,
dass die Camorra auch außerhalb des Buches existiert.
Alessio Bellucci
ab@italienpolitik.de

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