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Italienische Gesellschaft
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Bevor Sie sich allzu sehr über die deutsche
Bürokratie aufregen, sollten Sie sich mal umschauen: vielleicht
kennen Sie die italienische Variante davon noch nicht! Die blüht
nämlich noch sehr viel kräftiger als die deutsche.
![]() Kennen Sie den schon?
Wussten Sie schon, dass das Begräbnis eines deutschen Beamten, der
im Dienst stirbt, nur die Hälfte kostet? Er muss dann nämlich nur umgebettet werden!
Die zahlreichen Beamtenwitze sind ein deutliches Indiz dafür, wie die Deutschen ihren öffentlichen Dienst sehen: langsam, umständlich und wenig effizient. Aber bevor Sie sich allzu sehr über die deutsche Bürokratie aufregen, sollten Sie sich mal umschauen: vielleicht kennen Sie die italienische Variante davon noch nicht! Im Vergleich zur italienischen Bürokratie erscheint die deutsche nämlich noch in den Kinderschuhen. Bürokratie im Kleinen - zwei Beispiele
Die geballte Macht der Bürokratie erfährt der italienische Bürger jedes Mal, wenn er sich durch
komplizierte, schwer verständliche Formulare durcharbeiten muss, um
ganz banale Dinge zu erreichen. Mir selbst ist so etwas jüngst
passiert, als ich von den italienischen Eisenbahnen eine
Fahrkostenrückerstattung bekommen wollte. Wenn Sie nicht ganz starke
Nerven haben, empfehle ich Ihnen in einem solchen Fall, eine
Güterabwägung zu treffen und sich zu fragen: Was ist mir wichtiger,
mein gutes Geld oder meine psychische Gesundheit? Ich wollte mein
Geld, habe die Zähne zusammengebissen, mit den
zuständigen Behörden einige Briefe gewechselt, Telefonate geführt, mit
gelangweilten Bahnbeamten verhandelt und am Ende doch nichts
bekommen. Irgendwo muss ich da etwas sehr klein Gedrucktes übersehen
haben. Oder vielleicht hatte ich auch nicht die richtigen Beziehungen.
Denn mit Beziehungen kann alles blitzschnell gehen. Als ich erst ein paar Wochen in Italien war und für einen Autokauf dringend, innerhalb einer Woche, eine Aufenthaltsbestätigung brauchte, machte man mir auf dem Amt zunächst mal klar, dass das eine fromme Illusion wäre, dazu wären, wie alle wissen, üblicherweise zwei bis drei Wochen notwendig. Aber dann sagte mir eine Bekannte, dass sie einen Onkel beim Einwohnermeldeamt hätte und innerhalb von drei Tagen hatte ich das benötigte Dokument in der Hand. Ich hatte bei dieser Angelegenheit zwar ein schlechtes Gewissen, denn ich wusste sehr genau, dass die Schuld für die "üblichen" zwei bis drei Wochen, was den "normalen" Ablauf der Dinge betrifft, genau bei denen liegt (und es sind viele...), die - wie ich - diesen normalen Ablauf durch Verwandte und Freunde in den richtigen Büros verkürzen können. Aber ich hatte auch etwas über die italienische Bürokratie gelernt. ![]() Das Logo der Weltbank Bürokratie im Großen - das Urteil der Weltbank
Aber nicht nur der italienische Bürger kennt die schwerfällige Allmacht
der italienischen Bürokratie, auch die Weltbank hat es inzwischen
bemerkt. Denn die gibt jedes Jahr Statistiken heraus, die den
investitionswilligen Unternehmen sagt, in welchem Land der Erde die
besten Bedingungen für eine Ausweitung der eigenen Aktivitäten
bestehen. Wichtig sind dabei natürlich, wie lange es dauert und wie
einfach (oder schwer) es ist, die notwendigen Genehmigungen
einzuholen. Außerdem zählen die zu zahlenden Steuern und Gebühren,
die Zahl der zu beachtenden Normen und Gesetze, der einfache (oder
hindernisreiche) Zugang zu Bankkrediten, sowie die Flexibilität
(oder Rigidität) des Arbeitsmarktes.
Unter diesen Aspekten macht Italien gar keine besonders gute Figur. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber Peru, Mexiko, Jamaika, Botswana und Samoa stehen besser da als Italien: das schöne Land, in dem die Zitronen blühn, befindet sich auf einem unrühmlichen 65. Platz in der Welt. Italien auf dem 156. Platz in der Welt...
Die Statistiken der Weltbank wollen es aber noch genauer wissen, da
gibt es z.B. auch die Statistik über "enforcing contracts", d.h. das
Einklagen von Vertragsbedingungen vor Gericht, was ja nicht ganz
unwichtig ist. Und hier steht Italien ganz blamabel auf dem 156.
Platz in der Welt. Nicht weil die Gesetze so kompliziert wären,
sondern weil es in Italien unendlich lange dauert, bis ein Gericht
zu einer endgültigen Entscheidung kommt. Gerade in Zeiten wie diesen
kann deshalb ein Unternehmer viel schneller pleite gehen, als dass
er vor Gericht an das Geld kommt, das ihm zusteht...
![]() Hier hat's gekracht - Wenn Ihnen das in Italien passiert und wenn die Sache bis ins Gericht kommt, dann sollten Sie starke Nerven haben. Der Italienurlauber und die Bürokratie
Aber das betrifft die meisten Italienurlauber natürlich recht
wenig. Einen Tipp gebe ich Ihnen allerdings: wenn Sie das nächste
Mal mit dem Auto oder dem Motorrad nach Italien fahren, fahren Sie
vorsichtig. Als Ausländer in die möglichen gerichtlichen
Konsequenzen eines Unfalls hineingezogen zu werden, ist wirklich kein Spaß.
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