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Giulio Andreotti (ganz links) mit Takeo Fukuda, Jimmy
Carter, Helmut Schmidt
und Valéry Giscard d'Estaing bei einem Treffen in Bonn (1978).
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Eckdaten
Giulio Andreotti, einer der bekanntesten und
mächtigsten Politiker Italiens, wird am 14. Januar 1919 in Rom
geboren. Er studiert Jura, wird Journalist und beginnt seine
politische Karriere mit nur 28 Jahren als Protege des damaligen
Premier Alice De Gasperi. Seitdem und über den Zusammenbruch der
ersten Republik und seiner Partei, der Democrazia Cristiana (à
Glossar), hinaus,
der durch die Prozesslawine "Tangentopoli" (à
Glossar) ausgelöst wurde, gehört er der politischen Klasse an.
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Sieben Mal wird er Regierungschef, zehn Mal Verteidigungsminister,
fünf Mal Außenminister, zwei Mal Finanzminister, ein Mal
Innenminister, ein Mal Schatzminister sowie Minister für EU
Angelegenheiten. Giulio Andreotti war Mitglied der 3. Ständigen
Kommission der Sonderkommission für Menschenrechte und Mitglied der
italienischen parlamentarischen Delegation der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Seit 1991 ist er
Senator auf Lebenszeit. Der Politiker ist außerdem bekannt für seine
engen, zuweilen freundschaftlichen Beziehungen zu Päpsten und hohen
Würdenträgern des Vatikans, welche unter anderem als Basis seiner
Macht angesehen werden können. |

"IL DIVO" ist ein Politkrimi, der den siebenfachen italienischen
Premierminister Andreotti als tragikomischen und gefährlichen
Machtdompteur inmitten eines Zirkus von Eitelkeiten, Korruption,
Verbrechen und Sex vorführt.
Vorstellung des Films
Interview mit
Paolo Sorrentino, dem Regisseur des Films |
Nirgendwo in Europa hatte ein Politiker über so lange Zeit so
unterschiedliche parlamentarische Regierungsposten inne. 2006
kandidiert er noch für das Amt des Senatspräsidenten. Bis heute ist
er aktives Mitglied im Senat des italienischen Parlaments. Mitte
Januar 2009 feiert Andreotti seinen neunzigsten Geburtstag.

Giulio Andreotti (1960)
Giulio Andreotti und Aldo Moro
Ein wunder Punkt in der politischen Karriere
Andreottis ist der Fall Moro (à
Glossar). Die beiden lernen sich schon während
des Studiums im Umfeld des katholischen Studentenbunds Italiens
kennen. Obwohl sie der gleichen christdemokratischen Partei
angehörten, sind sie erklärte innenpolitische Gegner. Will Aldo Moro
eine Öffnung nach links, um die Macht seiner eigenen Partei zu
sichern, gehört Andreotti – nicht zuletzt aus Angst vor
internationalen Sanktionen – zu den vehementesten Gegnern des
Vorhabens, die Kommunisten in die Regierung mit einzubeziehen. Als
Aldo Moro von den linksterroristischen Roten Brigaden (à
Glossar) entführt wird,
lehnt die Regierung jegliche Verhandlung mit Entführern ab. Moro
schreibt unermüdlich an Familie und Parteifreunde, die er
auffordert, die Prinzipientreue um der Menschlichkeit willen
aufzugeben. Andreotti stellt er moralisch an den Pranger – ohne
diesen jedoch zu erweichen.
Am 9. Mai 1978 wird er von seinen Entführern erschossen. Nach seinem
Tod fehlt die Vermittlungskunst Moros innerhalb der Partei
"Democrazia Cristiana" (à
Glossar). Moro war derjenige, der die
unterschiedlichen Strömungen in seiner Partei immer wieder
zusammenzuführen vermochte. 1990 tauchen Aufzeichnungen von Aldo
Moro auf, die schwere Vorwürfe gegen Andreotti enthalten. Er wird
mit der "Strategie der Spannung" (à
Glossar), den terroristischen Aktivitäten
von Geheimdiensten, Rechtsextremisten und der freimaurerischen Geheimloge "P2"
(à
Glossar) sowie mit "Gladio", einer geheimen Struktur
innerhalb der Nato zur Bekämpfung kommunistischer Subversion, in
Verbindung gebracht.
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»Ich bin mir bewusst, dass ich von
mittlerer Statur bin,
doch wenn ich mich umschaue, sehe ich keine Giganten.«
Giulio Andreotti, 1973 |
Giulio Andreotti und seine
Beziehung zu Deutschland
Alle seien damit einverstanden, dass es zwischen den
beiden deutschen Staaten eine gute Beziehung geben muss. Der
Pangermanismus (der Wille ein vereintes Deutschland zu schaffen)
müsse jedoch überwunden werden. Es gäbe zwei deutsche Staaten und
zwei sollen es auch bleiben. Dieser berühmte Fauxpas
Andreottis, [...] erregt seinerzeit (1984) die deutschen Gemüter.
Niemand sei legitimiert, den aufrichtigen Willen der Bundesrepublik
Deutschland zur Einhaltung der von ihr geschlossenen Verträge und
der von ihr übernommenen Verpflichtungen in Zweifel ziehen, kontert
der damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher.
Die Befürchtungen Andreottis sind offensichtlich. In einer
Neutralisierung der DDR, die zu einer Neutralisierung
Westdeutschlands führen könnte, sieht er eine reale Gefahr für
Europa.
Aber der Vorfall ist bald vergessen. Sowohl mit Schmidt als mit Kohl
pflegt Andreotti ausgezeichnete Kontakte. Immerhin sind Italien und
Deutschland Frontstaaten für Europa und Andreottis Engagement für
ein starkes Westeuropa ist allgemein bekannt. [...]
Giulio Andreotti und die Mafia
Es wird behauptet, dass Andreotti in seiner Zeit als
führender italienischer Politiker Kontakte zur Mafia hatte. 1993 kam
es zu mehrfachen Beschuldigungen, die verschiedene geständige
Mafiosi unabhängig voneinander gemacht hatten. Dem Politiker wurde
vorgeworfen, Mitwisser der Cosa Nostra zu sein. Ein schwerer
Vorwurf, zumal er seine innerparteiliche Basis in Sizilien hatte.
Sein Kontaktmann in Palermo war jahrzehntelang der DC-Mann Salvatore
Lima (à
Glossar), der 1992 von der Mafia ermordet wurde.
1996 wird zum ersten Mal nach unzähligen Versuchen dem Antrag auf
Aufhebung der Immunität des Senators auf Lebenszeit stattgegeben.
Der zweifellos größte Mafiaprozess gegen einen italienischen
Politiker beginnt.
1999 wird Andreotti (in der ersten Instanz) von der Anklage, mit der
Mafia in Kontakt gestanden zu haben, freigesprochen. Auch das
Verfahren, in dem er des Mordes an dem Journalisten Mino Pecorelli
angeklagt ist, endet zugunsten Andreottis. Obwohl er im
Berufungsverfahren (der zweiten Instanz) zu 24 Jahren Haftstrafe
verurteilt wird, entscheidet das Kassationsgericht (die dritte
Instanz), dass die dem Klageverfahren zugrunde liegende Tat verjährt
sei.
Durch die Aussagen geständiger Mafiosi ergeben sich jedoch komplexe
Zusammenhänge zwischen Andreotti und der Mafia. 1976 versucht
Andreotti vergebens, mit Schecks einer von der Mafia betriebenen
Finanzierungsgesellschaft den Zusammenbruch des Bauunternehmens der
mit ihm befreundeten Gebrüder Caltagirone zu verhindern und löst
damit den Skandal um die "Italcasse" aus. Darüber, über die Existenz
von "Gladio" und über ein Treffen mit dem mafiosen Bankrotteur
Sindona in New York wusste Aldo Moro Bescheid und schrieb dieses
Wissen während seiner Gefangenschaft nieder. [...]
Wahrscheinlich kannte General Alberto Dalla Chiesa diese Dokumente
(auch er wurde von der Mafia ermordet) und informierte den mit ihm
befreundeten Enthüllungsjournalisten Mino Pecorelli über die
Zusammenhänge. In seinem "Osservatore politico" lässt
dieser
durchblicken, wovon er wusste. Nach Aussagen der Ex-Mafiosi war
Andreotti der Auftraggeber dieses Mordes an Mino Pecorelli. Durch
Salvo Lima (à
Glossar) habe er Kontakt mit der Mafia aufgenommen.
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