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Der italienische Kapitän Cannavaro
mit dem heiß umkämpften
Pokal
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Gruppe E:
Italien - Ghana
2:0 |
Tore:
1:0 PIRLO Andrea (40')
2:0 IAQUINTA Vincenzo (83')
Italien atmet auf - das erste Spiel dieser WM war im Vorfeld überschattet vom
italienischen Fußballskandal und die Elf aus Italien wollte der Welt - und vor
allem sich selbst - beweisen, dass der italienische Fußball immer noch
Weltklasse ist. Das Spiel wurde gewonnen, mit etwas Mühe zwar, aber doch
verdient. Wenigstens vom psychologischen Gesichtspunkt aus werden die nächsten
Spiele leichter sein.
Die WM-Neulinge aus Ghana spielen überraschend selbstsicher und ein Ausgleich
wäre vor allem in der zweiten Halbzeit keine große Überraschung gewesen. Aber
auch wenn die Spielzüge der Ghana-Elf oft brillant waren, vor dem italienischen
Strafraum war fast immer Halt - die italienische Abwehr stand sehr sicher und
die Stürmer aus Ghana waren zu unentschlossen, um die sich bietenden Chancen zu
nutzen.
Am Ende siegte die Erfahrung, die größere Sicherheit und der energischere Biss
der Italiener, die die Fehler der gegnerischen Abwehr erbarmungslos ausnutzten.
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Gruppe E:
Italien - USA
1:1 |
Tore:
1:0 GILARDINO Alberto (22')
1:1 ZACCARDO Cristian (27') - Eigentor
Am liebsten würden die Italiener dieses Spiel vergessen - nicht nur wegen des
mäßigen Resultats. Italien hat die USA ganz klar unterschätzt und hat in der
ersten Halbzeit, trotz des schönen Tors von Gilardino, einfach schlecht
gespielt. Die USA war über weite Strecken die bessere Mannschaft und hat
deutlich mehr Torchancen gehabt als die zerfahren spielenden Italiener. Ihr
technisches Defizit haben die Amerikaner durch einen enormen Kampfgeist mehr als
wettgemacht und die Italiener haben vor allem nach dem Ausgleich ein
regelrechtes Pressing der Amerikaner überstehen müssen.
Dann wurde das Spiel härter und die drei roten Karten (zwei für die USA, eine
für die Italiener) waren alle völlig gerechtfertigt, dazu kamen dann noch einige
gelbe Karten. In dieser Phase war es ein hässliches Spiel mit steigender
Nervosität. In der zweiten Halbzeit spielten 10 Italiener gegen 9 US-Amerikaner
und alle erwarteten sich einen Ansturm der Italiener. Die USA verteidigte sich
jedoch äußerst geschickt und ihre Kontervorstöße brachten die Italiener mehr als
einmal in Verlegenheit. Das Spiel war in der ersten halben Stunde der zweiten
Halbzeit von beiden Seiten kämpferisch mehr oder weniger ausgeglichen (beide
Mannschaften erzielten jeweils ein weiteres - annulliertes - Tor) und erst in
der letzten Viertelstunde, als den Amerikanern langsam die Kräfte ausgingen,
spielten die Italiener so, wie es ihre Fans von Anfang an erwartet hätten. Aber
die Abwehr der USA stand fest und die Italiener waren inzwischen so nervös, dass
auch gute Torchancen ungenutzt blieben.
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Gruppe E:
Italien - Tschechische Republik
2:0 |
Tore:
1:0 MATERAZZI Marco (26')
2:0 INZAGHI Filippo (87')
Eins muss man der italienischen Mannschaft lassen: sie wissen, wie man eine
Nation in Atem hält. Und nach diesem Spiel, das zwar verdient gewonnen wurde,
aber doch zeitweise eine Zitterpartie war, atmen die italienische Fußballwelt
ein zweites Mal auf: ihre "Azzurri" haben das Siegen nicht verlernt.
Und noch etwas zeichnet die Elf um Totti aus: sie spielen zwar im Moment nicht
gerade einen herausragenden Fußball, aber sie wissen ihre Chancen zu nutzen,
besser jedenfalls als die drei Teams, gegen die sie bisher gespielt haben. Ihre
technische Reife und Erfahrung, aber auch ihre Kaltblütigkeit wenn's drauf
ankam, haben sich bisher immer durchgesetzt - oder wenigstens, wie gegen die
USA, eine Niederlage verhindert.
Nachdem die Italiener in den ersten 25 Minuten gegen die Tschechen sehr schlecht
ausgesehen hatten, brachte das überraschende 1:0 die Wendung. Danach, vor allem
aber in der zweiten Halbzeit, als Italien durch eine rote Karte gegen Jan Polak
in der Überzahl war, bestimmten Totti & Co das Spielfeld. Aber die Tschechen
kämpften bis zum Ende und blieben immer gefährlich - schließlich stand der
Einzug ins Achtelfinale auf dem Spiel - und erst in der 87. Minute fiel die
erlösende Entscheidung zum 2:0.
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Das Achtelfinale:
Italien -
Australien
1:0 |
Tore:
1:0 TOTTI Francesco (94')
Noch eine weitere nicht enden wollende Zitterpartie für Italien und das Beste,
was man über die italienische Nationalmannschaft in diesem Spiel sagen kann,
ist, dass es über 40 Minuten lang in der Minderzahl (Materazzi bekam in der 50°
Minute eine zweifelhafte rote Karte) den Australiern Stand gehalten hat. Als
Gesamtnote verdient Italien, trotz Sieg in 10 gegen 11, jedoch kaum mehr als die
Note "ausreichend".
Italien hat in diesem Spiel Kopf und Kragen riskiert und kann von Glück sagen,
dass ihnen am Ende ein (auch ziemlich zweifelhafter) Foulelfmeter zugesprochen
wurde, den Totti zum Jubel der zahlreichen italienischen Zuschauer verwandeln
konnte.
Aber die Australier waren nicht entscheidend besser, vor dem italienischen Tor
haben auch sie wenig überzeugendes geleistet. Manchmal wird ein Spiel eben
einfach durch das Glück entschieden - der Fußball ist auch das, ob's gefällt
oder nicht...
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Das Viertelfinale:
Italien - Ukraine
3:0 |
Tore:
1:0 GIAMBROTTA Gianluca (6')
2:0 TONI Luca (59')
3:0 TONI Luca (69')
Endlich ein rundum gutes, teilweise erstklassiges Spiel der Italiener, die von
Anfang an klarstellten, wer der Herr auf dem Platz war. Der frühe
Führungstreffer von Giambrotta brachte die Ukrainer, die während der ganzen
ersten Halbzeit kaum einen guten Spielzug zu Stande brachten, total aus dem
Konzept. Italien dominierte ohne größere Probleme.
Nach der Pause wurden die Ukrainer besser und bedrohten einige Male gefährlich
das Tor von Buffon. Aber die Italiener ließen sich davon nicht beeindrucken und
gerade, als die Ukrainer immer stärker auf den Ausgleich drängten, stellten sie
durch zwei erfolgreiche Konterangriffe die unsichere Abwehr der Ukrainer bloß
und sicherten so den hoch verdienten Sieg ab, der danach, trotz verzweifelter,
aber schlecht koordinierter Angriffe der Ukrainer nie mehr in Gefahr war.
Italien hat sich seit den ersten Spielen deutlich steigern können und steht so
verdientermaßen im Halbfinale, wo es auf Deutschland trifft.
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Das Halbfinale:
Italien - Deutschland
2:0 (n.V.) |
Tore:
1:0 GROSSO Fabio (119')
2:0 DEL PIERO Alessandro (120')
118 Minuten ohne Tor - aber keine einzige Minute Langeweile: es war ein großes
Spiel, schnell und technisch auf hohem Niveau. Mit zwei Torten für die Italiener
in den letzten zwei Minuten, als den Deutschen langsam die Kräfte ausgingen. Die
Deutschen waren gut, aber am Ende waren die Italiener besser.
In den ersten 90 Minuten sahen die Zuschauer ein insgesamt ausgeglichenes Spiel,
in der ersten Halbzeit mit Vorteilen für die Italiener, in der zweiten für die
Deutschen. Tormöglichkeiten auf beiden Seiten, aber ohne erfolgreichen
Abschluss.
Die Nachspielzeit begann dagegen schon in den ersten zwei Minuten mit zwei
riesengroßen Torchancen für die Italiener, ein Schuss ging an den Pfosten, der
andere an die Latte. Die Deutschen ließen sich nicht beeindrucken und griffen
weiter an, aber je länger das Spiel dauerte, desto mehr machte sich Müdigkeit
bemerkbar, nur wenige Tage vorher hatten sie ja ein weiteres 120-Minuten-Spiel
zu bewältigen. Die Italiener waren frischer und ihre Konterangriffe wurden immer
gefährlicher. In der 119. Minute dann die Entscheidung: ein tolles Tor von
Grosso demoralisierte die Deutschen, sofort danach fiel das 2:0 und das Spiel
war zu Ende.
Die Italiener haben sich gegenüber dem Ukraine-Spiel noch gesteigert und haben
sicher verdient gewonnen. Auch die Deutschen haben gut gespielt und haben am
Ende den Platz zwar enttäuscht, aber erhobenen Hauptes verlassen. Kompliment an
beide Mannschaften, die uns einen schönen und spannenden Fußballabend geschenkt
haben. Ein Spiel von zwei Weltmeistern - schade, dass dabei nur einer gewinnen
konnte...
Den schönsten Kommentar zum Spiel habe ich am Tag danach in einer Mail gelesen:
"Wenn Fußball immer so wäre, würde auch ich ein Fan dieses Sports werden!"
Der gleiche Kommentar auf italienisch:
hier klicken.
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Das Finale:
Italien - Frankreich
1:1 (n.V.), 6:4 (n.E.) |
Tore während der regulären Spielzeit:
0:1 ZIDANE Zinedine (6')
1:1 MATERAZZI Marco (17')
Elfmeterschießen:
2:1 Pirlo Andrea (ITA)
2:2 Wiltord Sylvain (FRA)
3:2 Materazzi Marco (ITA)
Trezeguet David (FRA) an die Querlatte
4:2 De Rossi Daniele (ITA)
4:3 Abidal Eric (FRA)
5:3 Del Piero Alessandro (ITA)
5:4 Sagnol Willy (FRA)
6:4 Grosso Fabio (ITA)
Die Italiener scheinen die Spezialisten in Fußballdramen zu sein, aber anders
als in der Vergangenheit (man denke nur an das WM-Finale 1994, als die Italiener
im Elfmeterschießen gegen Brasilien verloren) hatten sie dieses Mal mehr Glück:
Nach packenden 120 Minuten, die 1:1 endeten, ohne dass eine der beiden
Mannschaften sich als dominant erweisen konnte, entschied der Franzose David
Trezeguet durch seinen verschossenen Elfmeter das Spiel.
Schade, dass die hässliche Episode zwischen Zidane und Materazzi in der Endphase
des Spiels noch einen Schatten über dieses spannende Spiel warf. Die Dramatik
des Spiels hatte beide Spieler wohl die Nerven verlieren lassen: zuerst die
verbalen Ausfälle des Italieners, dann die hässliche "Rache" des Franzosen in
Form eines Kopfstoßes gegen die Brust des Gegners, was Zidane die rote Karte
einbrachte. Drei Spieltage Sperre für Zidane und zwei für Materazzi, mehr ist
dazu besser nicht zu sagen.
Fazit: Eine Mannschaft, die es schafft, bis ins WM-Finale zu kommen, hat auf
jeden Fall den größten Respekt verdient, wenn sie dann nach 120 Minuten Spiel
noch gewinnt, ist der Titel immer verdient. Der Jubel der Italiener ist groß und
verständlich, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Spieler um den
Trainer Lippi, wenigstens am Anfang, durch den Fußballskandal in Italien
psychologisch stark belastet waren. Aber es ist ihnen gelungen, sich von diesem
Druck zu befreien und ähnlich wie die deutsche Elf konnten sie sich in der
zweiten Hälfte dieser WM deutlich steigern.
Ein großes Kompliment für die Italiener, großen Respekt für die Franzosen. Eine
schöne Fußballweltmeisterschaft ist zu Ende und Italien ist verdient Weltmeister
geworden. Die deutsche Mannschaft hat durch ihren dritten Platz alle positiv
überrascht und auch sie verdient unseren uneingeschränkten Beifall. |