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Italien bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 (2)

 

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Birgit Schönau: Calcio. Die Italiener und ihr Fußball

Birgit Schönau:
Calcio:
Die Italiener und ihr Fußball

Home > Italiener > Sport in Italien > Fußball-Europameisterschaft 2008

Hier finden Sie die Kommentare zu allen Spielen der italienischen Nationalmannschaft.


Das Stadion von Wien, wo das Finale
der Europameisterschaft 2008 ausgetragen wird.
Foto: Wikipedia

Die Gruppenspiele Italiens

Mo, 9. Juni, 20:45
Bern
Niederlande - Italien  3:0

Tore:
1:0   Van Nistelrooy  (25. Min.)
2:0   Sneijder  (31. Min.)
3:0   Van Bronckhorst  (78. Min.)

So haben sich die Italiener das nun wirklich nicht vorgestellt. So klar und in dieser Höhe zu verlieren, das tut weh, vor allem für einen Weltmeister wie Italien, der als Favorit gewertet wurde und mit großem Optimismus in diese Europameisterschaft gegangen war.

Dabei fing alles ganz gut an: In den ersten 20 Minuten spielte Italien einige gute Torchancen heraus, während die Holländer sich vor allem im Ballhalten übten und nur gelegentlich, dann aber gefährlich, konterten. Diese gelegentlichen Vorstöße der Holländer waren allerdings keine Zufallsaktionen, wie die Italiener wahrscheinlich glaubten, und bei diesen holländischen Konteraktionen sah die italienische Abwehr gar nicht sehr sicher aus. In der 26. Minute dann die große Überraschung, als Van Nistelrooy nach einem dieser Konter zum 1:0 einschoss. Die Italiener waren schockiert. Und kaum dass sie sich von diesem Schock etwas erholt hatten, kam die zweite kalte Dusche mit einem wunderschönen Tor von Snejder, das alle Illusionen der Italiener wegfegte, dass es sich beim ersten vielleicht doch nur um ein Zufallstor gehandelt hatte. Über den Rest der ersten Halbzeit kontrollierten die Holländer eindeutig das Spiel, während die Italiener hilflos den 2 Toren hinterher liefen.

In der zweiten Halbzeit wollten die Italiener mit allen Mitteln die Wende erzwingen. In der Tat begannen sie mit einem Ansturm auf das holländische Tor, aber ihre Attacken waren konfus und überhastet und die holländische Abwehr stand sicher. Die Holländer beschränkten sich auch keineswegs darauf, das Resultat zu halten, sie blieben weiterhin brandgefährlich. Und während die Italiener die Chancen, die sie durchaus hatten, kläglich verpatzten, nutzten die Holländer die ihren eiskalt: in der 78. Minute machte Van Bronckhorst durch ein Kopfballtor, bei dem auch ein italienischer Abwehrspieler ein wenig mithalf, den Sieg perfekt. Die Moral der Italiener war jetzt endgültig gebrochen.

Holland hat verdient gewonnen, auch in dieser Höhe, und der italienische Trainer muss sich jetzt etwas einfallen lassen, um die angeschlagene Moral der italienischen Spieler wieder zu heben und in den nächsten beiden Spielen die notwendigen Punkte für das Viertelfinale zu holen.


Fr, 13. Juni, 18:00
Zürich
Italien - Rumänien  1:1

Tore:
0:1   Mutu  (55. Min.)
1:1   Panucci  (56. Min.)

Wenn man die Fans einer beliebigen Fußballnation der Welt vor einer Meisterschaft wie dieser fragt, wer denn der nächste Welt- oder Europameister werden wird, wird man wohl in der Regel nur eins hören: "Wir natürlich!". Aber während diese Antwort meist eine Mischung aus Stolz, Optimismus und grenzenloser Hoffnung widerspiegelt, ist es im Fall der Italiener fast immer eine feste Überzeugung.

In der Tat, vor dieser Europameisterschaft waren die italienischen Zeitungen (nicht nur die auf Fußball spezialisieren) voll von Lobeshymnen auf die "die beste Mannschaft der Welt", d.h. die italienische, an denen sich alle anderen zu messen hätten. Italien ist der Weltmeister, so unterstrichen alle - zu Recht. Fast alle vergaßen allerdings die Präzisierung "Weltmeister des Jahres 2006".

Von der "besten Mannschaft der Welt" ist - vorläufig - nur der beste Torwart der Welt geblieben, denn dem italienischen Keeper Buffon ist es vor allem zu verdanken, dass die italienischen Spieler nicht schon nach diesem Rumänien-Spiel die Koffer packen mussten.

Aber alles der Reihe nach. Im Vergleich zum ersten Spiel gegen die Niederlande hat die italienische Mannschaft sicher einen großen Schritt vorwärts getan. Die Italiener spielten viel besser, schneller und kampfstärker, liefen jedem Ball hinterher und gaben alles, was sie konnten. Aber auch die Rumänen waren kaum wieder zu erkennen gegenüber ihrem ersten Spiel. Während sie sich gegen die Franzosen vor allem im Spielverhindern auszeichneten, war gegen die Italiener ihr Wille zu gewinnen unverkennbar. Und so gab es über 90 Minuten keinen Moment der Langeweile. Im Gegenteil: je länger das Spiel dauerte, desto höher schlugen die Emotionen: Tormöglichkeiten gab es reihenweise, auf beiden Seiten. Die größten waren auf rumänischer Seite ein Pfostenschuss in der ersten Halbzeit und ein von Buffon gehaltener Elfmeter in der zweiten. Das erste Tor schoss der rumänische Torjäger Mutu in der 55. Minute. Aber als die rumänischen Zuschauer gerade ihre Jubelchöre anstimmen wollten, schlugen die Italiener, kaum eine Minute später, schon zurück. Aber Italien reklamierte noch ein zweites Tor für sich, das der Schiedsrichter jedoch wegen Abseitsstellung des Torschützen annullierte.

Das Unentschieden ist als Ergebnis völlig gerechtfertigt, und die italienische Mannschaft muss, obwohl sie bis jetzt nur einen Punkt ergattern konnte, noch keineswegs die Hoffnung auf ein Weiterkommen aufgeben. Aber um noch auf den zweiten Platz zu kommen, muss sie gegen Frankreich absolut gewinnen. Das wird kein leichtes Stück Arbeit sein, denn auch für die Franzosen ist ein Sieg gegen Italien die einzige Chance aufs Viertelfinale.

Und noch etwas: wenn es die italienische Mannschaft schaffen sollte in die nächste Runde weiter zu kommen, sollten die anderen Mannschaften gewarnt sein: es wäre nicht das erste Mal, dass sich die italienische Mannschaft nach einer schwachen bis mittelmäßigen Vorrunde schließlich doch noch zur Meisterform aufschwingt. Das beste Beispiel ist wohl die WM 2006 in Deutschland. Wer sich nicht mehr erinnert, sollte sich die Spielberichte dieser WM noch mal anschauen. Hier sind sie...


Di, 17. Juni, 20:45
Zürich
Italien - Frankreich  2:0

Tore:
1:0  Pirlo (25. Min.)
2:0  De Rossi (62. Min.)

Selten wurde die Fernbedienung des TV-Geräts so sehr strapaziert wie während dieses Spiels, als das italienische Fernsehvolk für 90 Minuten ständig zwischen RAI 1 und RAI 2 hin und her wechselte. Da wurden nämlich gleichzeitig die beiden Spiele Italien-Frankreich und Niederlande-Rumänien übertragen. Italiens Schicksal hing an diesem Abend nicht nur von der eigenen Mannschaft ab, sondern auch vom Ergebnis des anderen Spiels, und die Angst, dass Rumänien gewinnt oder unentschieden spielt, war ebenso groß wie die, dass Italien vielleicht doch keine 3 Punkte einkassiert.

Am Ende lief alles jedoch so, wie es laufen sollte, Italien gewann (verdient) und Rumänien konnte seine Drohung, sowohl Frankreich wie Italien nach Hause zu schicken, nicht wahr machen. Es blieb bei Frankreich, das jetzt die Koffer packen muss. Heute morgen, am Tag nach dem Spiel, ging ein spürbares Aufatmen durch die italienischen Medien. Aber die Freude darüber, dass Italien jetzt doch ins Viertelfinale einzieht, kann das Unbehagen über die Mühe, die das gekostet hat, nur schlecht verdecken.

Denn obwohl Italien deutlich besser geworden ist und gegen Frankreich sein bisher bestes Spiel bei dieser EM gemacht hat, war es doch noch kein Spiel, das eines Europameisters würdig wäre. Das frühe, verletzungsbedingte Ausscheiden des bisher besten französischen Spielers Ribéry in der 10. Minute war ein schwerer Schlag für Frankreich. Außerdem mussten die Franzosen nach der roten Karte gegen Abidal schon ab der 24. Minute für den Rest des Spiels zu zehnt gegen elf Italiener anrennen. Das kostete physische und moralische Kraft und obwohl sich die Franzosen einige Male energisch gegen die Italiener aufbäumten, konnte die italienische Mannschaft das Spiel über weite Strecken dominieren und erzielten deutlich mehr Torchancen. Der bei den Bayern so gefeierte Luca Toni hatte allerdings im italienischen Team trotz zahlreicher, riesiger Chancen bisher kein Glück. So brachten schließlich ein Elfmeter von Pirlo in der ersten Halbzeit und ein abgefälschter Freistoß von De Rossi in der zweiten Spielhälfte Italien ins Viertelfinale.

Die WM 2006 scheint sich wirklich zu wiederholen. Auch damals hatte Italien in den Gruppenspielen viel Mühe und sah nicht sehr weltmeisterlich aus. Und wie es dann endete, das wissen wir. Ob Italien dieses titanische Unternehmen wirklich noch einmal schafft, wird man bald sehen.

Italien im Viertelfinale

So, 22. Juni, 20:45
Wien
Spanien - Italien  4:2 
(nach Elfmeterschießen)

Elfmeter:
1:0   Villa (Spanien)
1:1   Grosso (Italien)
2:1   Cazorla (Spanien)
   De Rossi (Italien) - verschossen
3:1   Senna (Spanien)
3:2   Camoranesi (Italien)
   Güiza (Spanien) - verschossen
   Di Natale (Italien) - verschossen
4:2   Fabregas (Spanien)

Eine der Charakteristiken dieses Turniers ist wohl die Tatsache, dass alle Vorhersagen vor der EM schon nach dem Viertelfinale kläglich gescheitert sind und dass alle Analysen vor den Spielen von den tatsächlichen Spielverläufen fast regelmäßig über den Haufen geworfen werden. Der Weltmeister und der Vizeweltmeister sind draußen. Nach der Vorrunde hatte wohl niemand diese Gruppensieger erwartet, die dann aber, mit Ausnahme von Spanien, im Viertelfinale alle geschlagen wurden. Am Anfang wurden Holland und Portugal hoch gelobt, dann von Russland und Deutschland eindeutig geschlagen. Das Auf und Ab der Qualität der deutschen Spiele hat (bis jetzt) zum Glück noch keine endgültigen negativen Resultate für die deutsche Mannschaft gebracht. Das gleiche Auf und Ab hat aber jetzt Italien auf dem falschen Fuß erwischt und den Emotionen einer ganzen Nation eine kalte Dusche verpasst.

Zu den ersten 120 Minuten dieses Viertelfinals ist eigentlich wenig zu sagen. Keine der beiden Mannschaften konnte wirklich überzeugen und die klaren Torchancen waren für beide Teams recht wenige. Natürlich gab es gegen Ende der 120 Minuten, als es um Alles oder Nichts ging, einige dramatische Momente, die aber das insgesamt etwas langweilige Hin und Her des restlichen Spiels nicht vergessen lassen konnten.

Das Elfmeterschießen ist immer eine etwas unbefriedigende Lösung eines Spiels, aber wenn zwei Mannschaften in 120 Minuten kein Tor zu Stande bringen, wohl die einzig mögliche. Für den, der gewinnt, zählt am Ende nur der Gewinn, für den, der verliert, drängt sich dann aber sofort das "Schicksal" als Erklärung auf.

In Italien, wo sich nach diesem Spiel sofort Millionen von Fußballexperten in die Analysen stürzen, ist sofort auch der Trainer Donadoni im Zentrum der Kritik. Nach dem ersten schlechten Spiel gegen Holland forderten die meisten im Chor bereits seinen Kopf. Als die italienische Elf dann besser spielte, war alle Kritik wieder vergessen, und wenn gestern die italienischen Spieler nicht zwei Elfmeter verschossen hätten, würde es niemand wagen, heute die Rückkehr von Ex-Trainer Lippi zu fordern, wie es nach dem Spanien-Spiel, mit riesiger Schlagzeile, die "Gazzetta dello Sport", die wichtigste italienische Sport-Tageszeitung tut.

Leider stellen sich nur wenige heute in Italien die Frage, ob es nicht ein Fehler war, die italienische Mannschaft praktisch mit einer Sieg-Verpflichtung in diese EM zu schicken. Nur wenige sind sich im Klaren, dass eine Mannschaft, gerade wenn viele Spieler der Weltmeisterauswahl von 2006 diesmal nicht dabei waren, einer solchen psychischen Belastung auch nicht gewachsen sein kann. Denn dass die italienischen Spieler weltmeisterlich (oder europameisterlich...) spielen können, das haben sie bewiesen. Aber niemand hat ein Abonnement auf Meisterschaften.

Was bleibt ist die eigentlich banale Weisheit, dass der Fußball nicht planbar ist. Wie sagte es doch der legendäre deutsche Fußballtrainer Sepp Herberger, der Vater des "Wunders von Bern" im Jahre 1954, so schön: "Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten".

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Siehe auch:
Alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft
Seite von www.viaggio-in-germania.de - auf italienisch!

Alle Spiele der österreichischen Nationalmannschaft
Seite von www.viaggio-in-austria.it - auf italienisch!

Weitere Informationen bekommen Sie hier:
UEFA EURO 2008™

Siehe auch:

Italien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland
Kommentare zu allen Spielen der italienischen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland.
[2 Seiten]

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