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Italiener und Deutsche

Europa in der Badewanne -
ein Buch über Italien und eins über Deutschland

 

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Der folgende Artikel von Christine Gräbe wurde im Juni 2004 von der deutsch-italienischen Zeitschrift Contrasto aus Hamburg veröffentlicht. Alle Artikel in dieser Zeitung sind zweisprachig, auf Deutsch und Italienisch.

Il seguente articolo di Christine Gräbe è stato pubblicato, nel giugno 2004, dalla rivista italo-tedesca Contrasto di Amburgo. Tutti gli articoli di questa rivista sono bilingue, in tedesco e in italiano.

La deutsche Vita
von Antonella Romeo
15,90 Euro,
206 Seiten,
Verlag: Hoffmann & Campe
in deutscher Sprache

bei Amazon bestellen

Maria, ihm schmeckt's nicht!
von Jan Weiler
9,00 Euro, 256 Seiten,
Verlag: Ullstein TB
in deutscher Sprache

bei Amazon bestellen

Ein Buch über die Italiener, ein Buch über die Deutschen. Ein Mann und eine Frau, die in Deutschland und zwischen den Kulturen leben. Zwei Bücher, die sich in vielem ähnlich und doch ganz unterschiedlich sind:
In „La deutsche Vita“ erzählt Antonella Romeo von ihren Erfahrungen mit Deutschland und den Deutschen. In Amerika hatte sie sich in „ihren ersten Deutschen“ verliebt – und befand sich schon wenig später mitten drin, im ganz privaten kulturellen Toleranzkampf in Sachen Socken-Sandalen-Bermudas. Die Journalistin, geborene Turinerin und Mutter zweier deutsch-italienischer Kinder lebt mittlerweile seit vierzehn Jahren in Hamburg. Sie kam der Liebe wegen – und blieb, obwohl das Leben als Ausländerin in Deutschland oft nicht einfach war.

Un libro sugli italiani, un libro sui tedeschi. Un uomo e una donna che vivono in Germania ma a cavallo fra due culture. Due libri simili per tanti aspetti e molto diversi per altri.
In "La deutsche Vita" Antonella Romeo racconta le sue esperienze con la Germania e con i tedeschi. Dopo essersi innamorata in America del “suo primo tedesco”, ben presto si ritrova in pieno conflitto di tolleranza culturale su calzini, sandali e pantaloni corti. Ormai sono quattordici anni che la giornalista, nata a Torino e madre di due bambine italotedesche, vive ad Amburgo. È venuta in Germania per amore e lì vi è rimasta, sebbene la vita da straniera non sia sempre stata facile.

Auch ihre Familie war zunächst alles andere als begeistert: „Ausgerechnet ein Deutscher?“ Ihr Großvater war ein Widerstandskämpfer, ihre Mutter bekam Gänsehaut, wenn sie die deutsche Sprache nur hörte. Und der deutsche Schwiegervater war – ausgerechnet – ein SS-Mann. Dennoch weiß der Großvater: „Das Wichtigste ist, sich lieb zu haben.“ Antonella Romeo erzählt nicht nur von der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, sondern beschreibt daneben treffend „La deutsche Vita“: die deutsche Gemütlichkeit bei Kerzenschein, die Allmacht der Eieruhr, den positiven Rassismus, der ihr als Alpenüberquererin entgegenschlägt. Und ihr Buch ist ein Lob auf die Deutschen und auf das Leben in Hamburg – ein verdientes Lob! Das sollte unbedingt seinen Weg nach Italien finden – schon, weil die charmante Prosa der italienischen Journalistin im Original noch viel schöner ist als in der deutschen Übersetzung.

All’inizio anche i suoi parenti erano tutt’altro che entusiasti: "Ma proprio un tedesco?". Il nonno era stato partigiano e a sua madre veniva la pelle d’oca solo a sentir parlare tedesco. Mentre il suocero tedesco era stato addirittura nelle SS. Nonostante ciò, suo nonno sapeva che «la cosa più importante è volersi bene». Antonella Romeo descrive non solo i contrasti con il passato ma, come dice il titolo, anche la deutsche vita. E lo fa in modo straordinario: la deutsche Gemütlichkeit (il sentirsi bene) a lume di candela, l’onnipotenza della Eieruhr (il contaminuti da cucina), nonché il razzismo in positivo incontrato da una come lei che ha attraversato le Alpi. E il suo libro è anche una lode ai tedeschi e alla vita ad Amburgo, una lode ben meritata! Il tutto dovrebbe assolutamente trovare una via di pubblicazione in Italia, anche perché – vi assicuriamo – la prosa affascinante della giornalista italiana, nel manoscritto originale, è molto più bella che nella traduzione tedesca.


Die beiden Autoren Antonella Romeo und Jan Weiler
Foto: contrasto

Ganz anders der Fall Jan Weiler, ebenfalls Journalist und Vater von zwei deutsch-italienischen Kindern: Er ahnt nicht, was da an Antonios, Marcos, Tischsitten und italienischen Hochzeiten auf ihn zukommt, als er die Halbitalienerin Sara heiratet.

Molto diverso è il caso Jan Weiler. Anche lui è giornalista e padre di due bambini italo-tedeschi. Quando sposa Sara, figlia di madre tedesca e di padre italiano, non immagina nemmeno lontanamente quanti “Antonio”, quanti “Marco”, quali usanze a tavola e quanti matrimoni italiani l’aspettino.

Der Chefredakteur des Süddeutsche Zeitung Magazins erzählt in „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ neben den heiteren Episoden der Begegnung mit seiner italienischen Sippe vor allem die Geschichte seines Schwiegervaters Tonis. Nach einer Kindheit in dem Kaff Campobasso und einem Einzugsbescheid der italienischen Armee kam er 1961 als Gastarbeiter nach Deutschland, um für immer zu bleiben. Er heiratet Ursula, sie gründen eine Familie – und stoßen in den staubigen deutschen Sechzigern überall auf Hindernisse. Unverschämtheiten, Beleidigungen und Feindseligkeiten begleiten Antonio, den mittlerweile heimatlos Gewordenen. Als Überlebensstrategie entwickelt er eine unerklärliche Heiterkeit – der verrückte Italiener als rettende Flucht in ein Stereotyp.

In "Maria, ihm schmeckt’s nicht" (Maria, a lui non piace) il caporedattore del Süddeutsche Zeitung Magazin racconta non solo gli episodi divertenti del suo incontro con il nuovo clan italiano, ma parla anche del suocero Toni che, dopo aver trascorso l’infanzia nel borgo provinciale di Campobasso e aver assolto il servizio militare, nel 1961 viene in Germania come Gastarbeiter (emigrato) e vi rimane per sempre. Si sposa con Ursula, i due mettono su famiglia e insieme affrontano i numerosi ostacoli di quei polverosi anni Sessanta tedeschi. Insolenze, ingiurie e ostilità accompagnano Antonio che, nel frattempo, diviso tra Italia e Germania, si sente sradicato ovunque. Per sopravvivere sviluppa un inspiegabile buonumore e lo stereotipo dell’italiano un po’ matto si rivela la sua àncora di salvezza.

Obwohl es „La deutsche Vita“ ist, das den schärferen Blick und die größere Ernsthaftigkeit zeigt, sind beide Bücher ebenso komisch wie ernst. Und ihre Komik entsteht oft durch jene Stereotypen, Klischees und Vorurteile, die auf jedem Bierdeckel zu finden sind: Fleißig, geschäftstüchtig, pünktlich. Regelfanatiker und die fürchterlichsten Touristen der Welt die einen. Laut, fröhlich, warmherzig und chaotisch. Gute Liebhaber und die besten Köche auf Erden die anderen. Bei Weiler gibt es diesen chaotischen Italiener zuhauf, ebenso wie es bei Romeo den sandalentragenden deutschen Touristen gibt.

Anche se dei due libri "La deutsche Vita" è quello con lo sguardo più penetrante e maggiormente profondo, tutt’e due sono allo stesso tempo seri e comici. E la comicità di entrambi deriva spesso da quegli stereotipi, cliché e pregiudizi che si sentono spesso nelle chiacchiere da bar. Laboriosi, in gamba negli affari, puntuali, rispettosi delle regole e tra i turisti più orrendi del mondo da una parte; rumorosi, allegri, di buon cuore, caotici, bravi amanti e tra i cuochi migliori del mondo dall’altra. Nel libro di Weiler l’italiano caotico si ritrova in abbondanza, esattamente come il turista tedesco coi sandali in quello della Romeo.

Und das, obwohl insbesondere Antonella Romeo eben jene Klischees eigentlich meidet. Überhaupt: „Ein Volk von Individualisten kann man nicht pauschalisieren!“. Und zu Recht ist ihr kluges Buch als ein „Frühjahrsputz für alle, im Kopf“ (DIE ZEIT) gelobt worden. Denn in der Tat ist es ihr wunderbar gelungen, weit mehr als eine Klischeesammlung zu schreiben. Ebenso fabelhaft ist es der wachsamen Beobachterin gelungen, aus der Schilderung der eigenen Erlebnisse keinen sentimentalen Erfahrungsbericht werden zu lassen, sondern den Blick stets aus den eigenen vier Wänden hinausschweifen zu lassen. „La deutsche Vita“ erzählt von großer Geschichte im Kleinen. Und so heißt es über die Versöhnung ihrer Mutter mit der deutschen Sprache aus dem Munde der Enkelinnen: „Bei uns seift sich das vereinte Europa in der Badewanne ein.“

Anche se soprattutto Antonella Romeo evita di cadere in questi cliché. Del resto "di un popolo di individualisti non è possibile farne un fascio". Il suo libro intelligente è stato definito a ragione una "pulizia di primavera per tutti, nella mente" (DIE ZEIT). L’autrice è riuscita in modo straordinario a scrivere assai più di una raccolta di cliché. Con altrettanta bravura l’attenta osservatrice è stata abile a non trasformare il proprio vissuto in un resoconto sentimentale di esperienze e a volgere sempre lo sguardo al di là delle quattro mura di casa. "La deutsche Vita" parla della grande storia partendo dal piccolo. E la riconciliazione di sua madre con il mondo tedesco, che esce dalle labbra delle nipotine, si riassume nella frase: "In casa nostra adesso l’Europa unita si insapona nella vasca da bagno".

Mehr über die zweisprachige Zeitschrift "Contrasto":

Contrasto
Eine Zeitschrift aus Hamburg, herausgegeben von der gleichnamigen Kulturvereinigung. Alle Artikel sind zweisprachig: auf Deutsch und auf Italienisch!

Siehe auch:

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