|

Der Comer See Alle Fotos auf dieser
Seite sind von Anke Schlingemann
Programm des zweiten Teils:
|
10.
Juni |
Ravenna |
| |
|
11.
Juni |
Ravenna - Dozza – Bologna |
| |
|
12.
Juni |
Bologna – Marareta – Modena – Maranello - Mantua |
| |
|
13.
Juni |
Mantua – Piemont / Barolo |
| |
|
14.
Juni |
Piemont – Rocca – Comer See / Bellagio |
| |
|
15.
Juni |
Comer
See - Bellagio – Tremezzo |
| |
|
16.
Juni |
Comer
See - Varenna – Bellagio |
| |
|
17.
Juni |
Schaffhausen – Hamburg |
|
|
10. Juni: Ravenna
Viel zu schnell ging die erste Urlaubswoche herum. Unser nächstes Ziel ist Ravenna – die Stadt der Mosaiken. Zunächst sehen wir uns in Classe -
5 km südlich
von Ravenna - die Basilika Sant’Apollinaire aus dem 6. Jh. an. Phantastische
Mosaiken beeindrucken uns und stimmen uns auf Ravenna ein.

Leider geraten wird kurz darauf in einen Stau - viele Italiener suchen zum
Wochenende die Küstenregion auf. Auch ein Quartier am Meer ist nicht zu finden,
so dass wir beschließen, unser Glück direkt in Ravenna zu versuchen. Hier haben
wir mehr Glück und finden ein Hotel in der Innenstadt, in der Nähe der Piazza del Popolo.
Einst lag Ravenna -genau wie Venedig - am Meer. Von der Lagunenstadt ist heute
nichts mehr übrig. Das Meer zog sich zurück. Heute schafft ein 10 km langer
Kanal die Verbindung. Die Stadt (137.000 Einwohner) birgt großartige Zeugnisse
frühchristlicher Kultur, denn ab dem 5.Jh. war sie für 300 Jahre,
aufgrund der
Auflösung des römischen Imperiums, Zentrum der Macht.

Zeugnisse dieser Zeit sind sicherlich die herrlichen mittelalterliche Mosaiken
des Baptisteriums (Battistero Neoniano), der Kirche San Vitale und des Mausoleums der Galla Placidia. Vor lauter Staunen vergessen wir doch glatt unser
Stativ im Battistero. Als wir es bemerken hat dieses leider schon geschlossen.
In der Sorbetteria degli Escarchi vergessen wir bei einem göttlichen Eis unser
Missgeschick. Nach einer kleinen Siesta suchen wir für das Abendessen eine
typische italienische Trattoria auf und werden nicht enttäuscht. Die meisten
Gäste sind Italiener.
11. Juni: Ravenna - Dozza - Bologna
In der Hoffnung, unser Stativ wieder zu bekommen, gehen wir zunächst wieder zum
Battistero. Wir haben Glück, das Stativ wird uns überreicht. Nun sind wir wieder
bestens ausgerüstet, um weitere Mosaiken aufzuspüren.
Wir besichtigen die Kirche San Francesco – besonders bemerkenswert, da die
Krypta unter Wasser steht. In der Kirche Sant’Apollinaire Nuovo erwarten uns
erneut wunderschöne Mosaiken. Im Battistero degli Ariaini wurde das Kuppelmosaik
nach dem Vorbild des Battistero erstellt und hebt sich nur in kleinen Details
von diesem ab. Nachdem wir noch kurz das erzbischöfliche Museum mit der Andrea
Kapelle aufgesucht haben, verlassen wir Ravenna.
Unser nächstes Ziel ist das kleine Bergdorf Dozza. Bereits seit 1965 werden hier
die Wohnhäuser von Künstlern aus aller Welt bemalt. Ein lohnenswerter Abstecher.
Einen weiteren Halt machen wir in Rocca. In der Enoteca Regionale
dell’Emilia Romagna werden wir inspiriert und decken uns mit Wein und Grappa für
daheim ein.

Endziel des heutigen Tages ist die
bekannte Stadt Bologna (490.000
Einwohner). In der Altstadt finden wir in der Nähe der Piazza Maggiore ein
schönes Hotel (Due Torri). Auf einem Stadtrundgang erkunden wir erst einmal die
Stadt. Leider ist das Wetter nicht besonderes gut, doch die Stadt ist mit 32 km
Arkadengängen ausgestattet, so dass man dem Regen leicht entkommen kann. Im
Schutz von Arkaden genießen wir am Piazza Maggiore einen Kaffee und beobachten
das hektische Treiben und Kleinkämpfe mit Regenschirmen. Der weiträumige, fast
quadratische Piazza wird von der Fassade der gotischen Kirche S. Petronio
beherrscht. Die älteste Pfarrkirche der Welt ist ansonsten unvollendet
geblieben, denn der Papst ließ damals den Bau stoppen, da diese –
wie die Pläne
es vorsahen - größer als der Petersdom in Rom werden sollte. Das zentrale
Eingangstor ist ein Meisterwerk des Jacopo della Quericia (15. Jh.). Im
gestrengen Innern fällt durch ein Loch im Kirchendach die Sonne gezielt auf
einen Meridian. Begeisterst sind wir vom Neptunbrunnen (Fontana del Nettuno),
gestaltet von Jean de Boulogne (Giambologna). Der Barockbrunnen erstrahlt in
seinem frisch restaurierten Glanz. Die Blöße der dargestellten Figuren wurde
jedoch schon im 15. Jh. durch Feigenblätter bedeckt.
Besonders gefällt uns die dreieckige Piazza San Stefano, auf dem ein Flohmarkt
stattfindet. Der angrenzende Kirchenkomplex, in dem vier, ursprünglich sogar
sieben Kirchen aus dem 5. bis 14. Jh. ineinander verschachtelt stehen, weist
eine Backsteinvielfalt auf. Ebenfalls zu sehen ist eine Jesusfigur von Mattei,
die angeblich dem Aussehen von Jesus
entspricht.
Ferner sehen wir uns den spätgotischen Palazzo dei Notai, den Palazzo Conmunale
mit der Bronzefigur von Papst Gregor XIII sowie Palazzo de Re Enzo
an, der sich
durch viele Zinnen auszeichnet.
In Bologna gibt es die älteste Universität Europas, die in dem 1562/63 gebauten
Renaissancepalast Archiginnasio an der Piazza Galvani untergebracht ist.
Die vielen Eindrücke lassen wir in einem ungewöhnlichen indischen Restaurant
ausklingen.
12. Juni: Bologna – Marareta – Modena – Maranello - Mantua
Nachdem wir uns in Bologna die San Domenico mit dem wunderschönen Grabmal, das
unter Mitwirkung von Michelangelo und Nicolo Pissano entstanden ist, angesehen
haben, geht es weiter.
Modena, die Stadt des Aceto Balsamico, liegt ganz in der Nähe. Einen ersten
Abstecher machen wir in Marareta. Unser Ziel ist die Azienda Agricola di
Giovanni Leonardi – ein Geheimtipp für eine Balsamico-Degustation. Die Azienda
war nicht ganz einfach zu finden, aber schließlich erreichen wir unser Ziel. Auf
einer kleinen Privatführung lernen wir eine Menge über die Balsamico-Herstellung
und dürfen die unterschiedlichsten Tropfen probieren. Ein 45 Jahre alter
Balsamico z.B. auf Eis mit Erdbeeren – ein Genuss. Zugegeben, wir hätten vor der
Degustation auch nicht geglaubt, das so etwas schmeckt. Doch auch wenn wir den
Balsamico ohne die Süßspeise probiert haben, können wir uns dies jetzt gut
vorstellen. Nach der interessanten Führung kommen wir nicht umhin, hier auch
gute Tropfen für daheim zu erstehen.
Anschließend geht es weiter nach Modena. Leider erreichen wir die Stadt um die
Mittagszeit. Der Dom, den wir gerne besichtigt hätten, ist geschlossen. Aber
auch von Außen ist dieser absolut sehenswert. Ein Meisterwerk romanischer
Architektur mit einer schönen Relief-Fassade.
Wenn wir schon in der Gegend sind, können wir Maranello - die Ferrari-Stadt
-
schlecht auslassen. Leider hat das Ferrari-Museum geschlossen und auch weiteres
gibt es nicht zu besichtigen. Also geht es weiter zu unserem für heute letzten
Ziel: Mantua.
Die Geburtsstadt Vergils hat 51.500 Einwohner und ist von drei Seen: Lago Superiore,
Lago di Mezzo und Lago Inferiore umgeben. Eine Unterkunft zu finden,
gelingt uns heute besser. An der Piazza Sordello, direkt am Torbogen Arco di S.
Pietro finden wir ein kleines Hotel. Auf dem Piazza halten wir bei einem
Gläschen kühlen Weiswein erst einmal Siesta. Abendsmachen wir noch eine kleinen
Stadtbummel und essen an der Piazza Erbe bei einem touristisch geprägtem
Italiener mittelmäßige Pasta.
13. Juni: Mantua – Piemont / Barolo
Mantua war einst Sitz des ehrgeizigen Herzogsgeschlechts der Gonzaga (von 1328 –
1708). Der Stadtkern entfaltet sich an drei aufeinander folgenden Plätzen:
- Piazza Mantegna mit der Andreaskirche (Leon Battista Alberti)
- Frührenaissance
mit Barockelementen – in der das Grabmal Mategnas ist.
- Piazza Erbe mit Uhrturm, einem romanischen Rundkirchlein, dem Palazzo del Podesta von 1227, dem Rathaus an dessen Außenfassade die Skulptur “Vergil auf
den Lehrstuhl” zu sehen ist, die Rotonda San Lorenzo sowie dem Palazzo della
Ragione, unter dessen Seitenarkaden man in mehreren "guten“ Restaurants essen
kann.
- Piazza Sordello mit dem Dom im heutigen Barockgewand, dem Bischofspalast und dem
mächtigen Palazzo Ducale, dahinter schließt das Palazzo Castiglioni (1281
erbaut) an.

Der Palazzo Ducale von Giulio Romano ist der zweitgrößte Palast
Italiens. Auf 34.000 qm sind in 500 Räumen und 15 Sälen einzigartige
Kunstschätze untergebracht. Der Sala del Pisanello (Fürstensaal) ist mit Fresken
von Pisanello (Ritterzeit, Sagenkreis König Artur) geschmückt. Im Trakt der
Wandteppiche hängen 9 nach Entwürfen von Raffaello gewebte Wandteppiche.
Besonders gefällt uns der Saal der Flüsse aus dem man einen schönen Blick in den
Dachgarten (Hängende Gärten) hat. Weiterhin sehenswert: Camera degli Sposi -
Hochzeitskammer mit der wunderbaren Freskenausmalung des Andrea Mategna (1474),
das zur Anlage gehörende Schloss San Giorgio mit dem Trakt des Brautpaares, die
Galleria della Mostra sowie ein schöner Spiegelsaal.
Das kleine Städtchen Mantua hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Wir suchen noch
das Vergil-Denkmal auf, das auf der Piazza Virgiliani steht und machen uns auf
den Weg nach Piemont.
Auf und ab schlängelt sich der Weg durch die sanften Hügel der Langhe. Das Dorf,
das den Geist eines der edelsten Weine Piemonts verkörpert, ist in der
abwechslungsreichen Hügellandschaft der Langhe eingebettet. Rund 13 Kilometer
südwestlich von Alba liegt der kleine Ort Barolo, der dem berühmten Wein seinen
Namen gab. Das Ortsbild wird beherrscht von dem mächtigen Kastell, in dem die
Geschichte des Barolo begann. Heute beherbergt das Kastell die regionale
Enoteca.

Bis 1840 war der Ort Großgrundbesitz der Grafen Falletti, dann ging er an die
Gonzaga und die Savoyer über. Barolo ist ein kleines Dorf mit alten Häusern und
engen Gassen. Die Ortschaft wird von dem Castello Falletti dominiert, das zu
Beginn des 19. Jhs. umgebaut wurde. Nachdem wir ein Zimmer im einzigen Hotel des
Dorfes bezogen haben, gehen wir zu Fuß zum Castello Falletti. In den mächtigen
Gewölben des Kastells von Barolo lagern die wohl kostbarsten Weine des Piemont,
denn neben dem Degustations- und Verkaufsraum ist dort auch ein Weinmuseum
untergebracht. Die dort ausgestellten Tropfen umfassen die besten Jahrgänge und
belegen die lange Geschichte erfolgreichen Weinbaus. Gleich nebenan kann man
dann gegen einen geringen Obulus die aktuellen Weine probieren – was wir
selbstverständlich machen.
Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch die engen Gassen und halten
Ausschau nach einem passenden Restaurant. Diese scheint es etwas häufiger als
Hotels zu geben. Zunächst machen wir nun Siesta bevor wir uns gegen 20:00 Uhr
auf dem Weg zu einem passenden Restaurant machen. Schnell müssen wir
feststellen, dass die etwas netter aussehenden Restaurants ausgebucht sind.
Mangels Alternativen entscheiden wir uns im zweiten Anlauf dann doch für ein
kleines, unscheinbar wirkendes Restaurant, in dem lediglich ein Menü angeboten
wird. Wir werden absolut positiv überrascht und erleben ein zauberhaftes Dinner.
Das 5-Gänge-Menü wird eher zum 10-Gänge-Menü, da ständig neue Speisen zum
Probieren gereicht werden. Dazu trinken wir eine Flasche 1990er Marchesi di
Barolo Reserva da casa und gehen rundum glücklich und zufrieden (leider viel zu
satt) zurück zum Hotel.
14. Juni: Piemont – Rocca – Comer See / Bellagio
In Piemont liegen im Umkreis von wenigen Kilometern die meisten der Orte, die
man gemeinhin mit der Region in Verbindung bringt. Von dem bekanntesten
Piemont-Dorf Barolo verabschieden wir uns, um auch noch andere hervorragende
Tropfen der Region, wie Nebbiolo, Dolcetto und Barbera kennen
zu lernen. Die
endlose Hügellandschaft aus Weinbergen und Feldern wird von zahlreichen Burgen
und mittelalterlichen Türmen gekrönt. Viele der Burgen werden – ebenso wie in
Barolo – als Enoteca benutzt. Dort werden alle Weine
eines Anbaugebietes gelagert und man kann nach Lust und Laune die Weine
probieren und zu günstigen Preisen kaufen. Wir steuern als nächstes
die Enoteca in Rocca an. Für eine
Weinprobe ist es uns allerdings noch zu früh, wir begnügen uns damit, das
Angebot mit den Augen zu erfassen.
Unser nächstes Ziel ist das kleine Dorf Neivi. Nach einem kurzen Gang durch die
kleine Altstadt fahren wir zum Weingut Bruno Giacosa (Via XX Settembre 52, 12507
Neive, Tel. 0173 / 67027, Fax 0173 / 677477). Seit 1961 füllt Bruno Giacosa
(heute 70 jährig) seine Wein-Monumente in Flaschen ab. Ein leidenschaftlicher
Weinmacher, so ein Bericht im aktuellen Reisemagazin, der die Tradition liebt
und dabei den Fortschritt nicht aus den Augen verliert. Sowohl der Barolo als
auch der Barbera des aktuellen Jahrgangs sind bereits ausverkauft. Wir
entschließen uns zum Kauf der preisgünstigeren Weine: Barbera d’Alba und
Dolcetta. Ein weiterer Geheimtipp ist die Destillerie Romano Levi – ein
Grappa-Hersteller, der ebenfalls in der Via XX Settembre, schräg gegenüber von
Bruno Giacosa, ansässig ist. Zum Glück haben wir die genaue Adresse, denn das
Haus ist mehr als unscheinbar. Es gibt nicht einmal ein Namensschild. Zunächst
zögern wir, doch so schnell geben wir nicht auf. Auf unser Klingeln öffnet uns
Romano Levi höchstpersönlich die Tür. Romano Levi destilliert mit zwei Helfern
aus den gepressten Trauben der Region (Nebbiolo und Dolcetto) auf offenem Feuer
seine Schnäpse, die anschließend in Fässern aus Eiche, Akazie oder Kastanienholz
reifen. Wir werden in die kleine Destillerie geführt und dürfen einen Tropfen
(das Glas wird an einem Band ins Fass hinab gelassen) probieren. In der
altertümlichen Destille riecht es schwer nach vergorenen Trauben. Ein sehr edler
Tropfen wird hier hergestellt, die 52%gen Trester-Schnäpse mit derben,
intensiven Geschmack sind berühmt und begehrt. Der Grappa-Brenner Romano Levi
ist zudem eine kauzige Figur, zu dessen Leidenschaft ebenfalls das
Etikettenzeichnen gehört. Jedes Flaschenetikett wird mit Tusche von Hand
gezeichnet. Leider gelingt es uns nur, eine Flasche zu ergattern. Zum Preis von
35,- DM ein wahres Schnäppchen, doch die Vergabe ist limitiert.

Unsere letzten beiden Urlaubstage wollen wir am
Comer See verbringen, einer der
schönsten Voralpenseen in der Lombardei. An dessen Ufern wetteifern herrliche
Villen und Gärten zusammen mit den Ortschafen. Die u.a. wegen dem schönen Dom
berühmte Stadt Como wirkt auf uns aufgrund ihrer Größe weniger anziehend. Als
"Perle des Comer Sees" gilt der Ort Bellagio. Er liegt
an der äußersten Spitze einer Halbinsel, die den Comer See in seinem südlichen
Bereich in zwei Arme (Lago di Como und Lago di Lecco) einteilt. Stilvolle Hotels und mondäne Cafés
säumen die Uferpromenade. Zum mittelalterlich anmutenden Stadtbild gehören enge,
verwinkelte Gassen und Treppenaufgänge, die sich an den Monte Garnasca
schmiegen. Da das Wochenende bevor steht, merken wir schnell, dass der Ort auch
bei Italienern sehr beliebt ist. Die Hotelsuche ist nicht ganz einfach.
Schließlich finden wir ein kleines Hotel etwas abseits vom Ort: Albergo Silvia.
Mit dieser Unterkunft sind wir sehr zufrieden. Das Zimmer hat einen kleinen
Balkon, der einen herrlichen Blick auf See bietet und zu einem kleinen Picknick
einlädt. Anschließend beenden wir den eindrucksvollen Tag mit einem kleinen
Spaziergang durch Bellagio.

15. Juni: Comer See - Bellagio - Tremezzo
Am gegenüber liegenden Ufer bei der Ortschaft Tremezzo leuchtet ein weißes
Märchenschloss über den See. Es ist die Villa Carlotta, die der reiche Mailänder
Bankier und lombardische Senatspräsident Marchese Giorgio Clerici 1747 erbauen
ließ. Heute beherbergt die Anlage eine Kunstsammlung. Umgeben ist die Villa von
einem Park, in dem im Frühling Hunderte von Azaleen und Rhododendren blühen. Mit
dem Tragflächenboot setzen wir über und besichtigen die Villa Carlotta mit dem
dazugehörigen schön angelegten botanischen Garten.

Die Uferstraße führt weiter nach Como, dem historischen, kulturellen und
wirtschaftlichen Zentrum der Region. Im 15. Jahrhundert begann der Aufstieg
Comos zur Seidenstadt. Damals gab Lorenzo il Manificio, ein florentinischer
Herrscher aus dem Hause der Medici, den Befehl zum Pflanzen von Maulbeerbäumen.
Deren Blätter dienten als Futter für Seidenraupen. Auch wenn die Raupen nur bis
zum zweiten Weltkrieg gezüchtet wurden, ist die Stadt bis heute europäisches
Zentrum für die Verarbeitung der nunmehr importierten Seide. Zahlreiche elegante
Geschäfte in den engen Gassen der weitgehend autofreien Innenstadt bieten
Luxusgüter aus Seide an. Auf der Terrasse der Grand Hotels genießen wir einen
Cafe Freddo während wird auf das Tragflächenboot warten, dass uns wieder zurück
nach Bellagio bringt.
Wieder zurück in Bellagio machen wir einen kleinen Stadtbummel. Der ganze Ort
ist über- und ineinander verschachtelt. Überall haben sich winzige Boutiquen
oder Pensionen eingenistet, Restaurants und Cafés sind gut gefüllt. Das Klima in
Bellagio ist so mild, dass subtropische Pflanzen prächtig gedeihen. In einem
kleinen Straßencafé trinken wir einen kühlen Vino Serafino Roero Arneis DOC und
beobachten das Treiben. Für abends haben wir einen Tisch im Hotel-Restaurant
reserviert. Das Restaurant hat einen Feinschmecker-Stern - schon Pavarotti hat
hier gespeist. Wir werden nicht enttäuscht. Das Essen ist gut, der 1993er
Barbaresco Rufina mundet uns sehr.
16. Juni: Comer See - Varenna - Bellagio
Mit einem der ersten Boote setzen wir über nach
Varenna. Der kleine Ort zählt zu
Recht zu den schönsten Dörfern Italiens. Wie ein Adlernest klebt das
800-Seelen-Dorf am Steilufer. Manche der verschachtelten Häuser scheinen
regelrecht in den Berghang eingewachsen zu sein.

Am kleinen, unscheinbaren Hafen angekommen, wandern wir zunächst zum Castello
Vezio hoch und werden mit einem Atem beraubenden Ausblick belohnt. Wir sind die
ersten Gäste, das Ticket-Häuschen wird gerade (von zwei ca. 14jährigen Jungen)
eröffnet. Das Tor wird für uns aufgeschlossen und wie besichtigen in der Burg
eine Eulen- und Fotoausstellung. Die Burg gehört nicht zu den größten und
pompösesten, aber vom Turm aus (den man über Hängebrücken erreicht) hat man
einen grandioser Blick auf den Comer See. Unterm Steilhang des Castello di Vezio entfaltet sich die Pracht der Palazzi und Gärten von Varenna. Nach dieser
schönen Wanderung schlendern wir durch die Straßen, bevor wir uns am Hafen bei
einem Kaffee niederlassen und das ruhige Treiben beobachten. Hektik scheint
dieser kleine Ort nicht zu kennen – ein äußerst beruhigendes Gefühl.
Mit der Fähre geht es wieder zurück nach Bellagio. Direkt am Hafen liegt das
Fünf-Sterne Grand Hotel. Wir schlendern durch den Hotel-Garten (Giardino di
Grand Hotel) und schauen uns die Gäste an. Ein wahres Flitterwochen-Paradies wie
uns scheint. Nachdem wir für unseren letzten Italien-Abend einen Tisch in einem
Restaurant an der Promenade reserviert haben, fahren wir mit dem Auto zum
Belvedere. Den besten Blick auf Como und den See hat man vom kleinen Ort Brunate.
Weit unten liegen die Kirchtürme der Stadt, vom gegenüber liegenden Ufer
leuchten die herrschaftlichen Villen, und aus der Ferne grüßen die
schneebedeckten Gipfel der Alpen.
Im Uferpromenaden-Restaurant gibt man uns den Tavolo dell’amore. Bei einem
leicht überteuerten Essen (aufgrund der unangemessen hohen Weinpreise
entscheiden wir uns für einen einfachen Lambrusco) lassen wir unseren letzten
Urlaubsabend ausklingen.
17.Juni: Schaffhausen - Hamburg
Heute geht es zurück in Richtung Heimat. Auf der Rückfahrt halten wir am
Rheinfall in Schaffhausen.

Der Rheinfall ist der größte Wasserfall Europas. Über eine Breite von 150 m und
eine Höhe von 23 m stürzen bei mittlerer Wasserführung des Rheins 700 Kubikmeter
Wasser pro Sekunde über die Felsen. Vom Rheinfallbecken aus kann man die ganze
Wucht der Wassermassen auf sich wirken lassen. Lohnenswert ist auch eine
Bootsfahrt zum mittleren Felsen, der bestiegen werden kann. Nach diesem kleinen
Abstecher treten wir nun die letzte Etappe unserer Rückfahrt an.
Text und Fotos:
Anke Schlingemann
Die Homepage von Anke Schlingemann:
www.schlingels.de
Andere Texte von Anke Schlingemann in www.reise-nach-italien.de:
Die Seiten der Mitarbeiter
|