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Hier die offizielle
Buchvorstellung:
Manchmal werde ich gefragt: "War es denn nicht langweilig, ein
Vierteljahr auf so einer winzigen Insel zu verbringen? Was macht
denn überhaupt den Reiz von Alicudi aus?"
Was soll ich antworten?
Nein, es gibt dort keine weißen Sandstrände, keine Palmen, die im
Wind sich wiegen und keine Hulamädchen, die das gleiche gegen Cash
mit ihren Hüften tun. Aber es gibt eine wunderbare große Stille, die
Abwesenheit allen menschlichen Getöses. Es gibt den Blütenduft des
Apfelsinenbaumes, die Farbenwogen, mit denen die Mittagsblumen die
Mauern überschwemmen, eine grandiose Bergwelt, die zum Wandern und
Klettern einlädt, und - diesen grenzenlosen Blick ins Blau von
Himmel und Meer.
Ausstieg auf Zeit: Um wieder zu sich selbst zu finden, nahm der
Autor Abschied vom Berufsalltag und ließ sich auf das Experiment
ein, drei Monate auf einer abgeschiedenen süditalienischen Insel zu
leben. In seinem Buch lässt er die Tage auf Alicudi Revue passieren,
erzählt lustige, nachdenkliche und abenteuerliche Episoden und
beschreibt Begegnungen mit liebenswerten Menschen, die genau wie er
auf diesem Stück Vulkangestein inmitten des Tyrrhenischen Meeres
eine zweite Heimat gefunden haben. |
Über Alicudi:

Karte: Wikipedia
Schon ein Blick auf diese Karte macht klar, dass
diese kleine Insel, die zur Gruppe der Äolischen Inseln gehört,
ziemlich abseits der Touristenströme liegt, die hier vor allem die
Hauptinsel Lipari und, für Abenteuerlustige, die Insel Stromboli mit
ihrem ständig aktiven Vulkan betrifft.
Die fast kreisrunde Insel (5,2 km2)besteht aus einem
schon seit vielen Jahrhunderten erloschenen Vulkan und ist nur auf
der weniger steil abfallenden Ostseite bewohnt. Der einzige Ort,
Alicudi, hat etwa 100 Einwohner, die überwiegend von der
Landwirtschaft und vom noch wenig entwickelten Tourismus leben. Die
Insel ist mit dem Schiff von Lipari aus zu erreichen. Von da gibt es
Schiffsverbindungen nach Milazzo, Palermo und Neapel. |

Ralf Gryl auf einer seiner zahlreichen Wanderungen über die
Insel.
Foto: Ralf Gryl
Mein persönlicher Kommentar:
"Alicudi? Nie gehört!" So werden viele Deutsche auf die Frage
nach dieser süditalienischen Insel antworten, und selbst von Italienern hört man
oft "Alicudi, non so di preciso, è da qualche parte al sud" ("Alicudi, ich weiß
nicht genau, es ist irgendwo im Süden").
Aber das ist kein Wunder, gibt es doch auf dieser kleinen Insel mit gerade mal
hundert Einwohnern keine Straßen, kein Krankenhaus, keine Polizei und, abgesehen
von einem kleinen, nur wenige Monate im Jahr geöffneten Hotel, keinerlei
touristische Infrastrukturen. Und wenn Sie außerhalb des einzigen kleinen Orts
unterkommen wollen, müssen Sie damit rechnen, das Wasser aus dem Brunnen holen und Ihren Strom
selbst produzieren zu müssen. Hier ist der Esel immer noch das einzige Transportmittel und
wenn das Wetter schlecht ist, passiert es oft, dass die Fähre im winzigen Hafen
nicht anlegen und der Hubschrauber nicht landen kann und die Insel so tagelang
von aller Welt abgeschnitten ist. Nicht gerade ein Paradies für
Pauschaltouristen.
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Aber kommen wir zum Buch. Ich warne
Sie gleich vorweg: Es könnte gefährlich werden, sich auf das Lesen
einzulassen. Ralf Gryl, der Autor dieses liebenswerten Buches, nennt
es den "Inselvirus", der bei ihm und seiner Frau zugeschlagen hat,
schon lange bevor er den Entschluss fasste, sich auf sein
dreimonatiges Abenteuer einzulassen. Es wäre schließlich nicht das
erste Mal, dass ein Buch zunächst Neugierde weckt (und ich kann
Ihnen versichern, das wird Ihnen in diesem Fall passieren), die
Ansteckung nach einem ersten Besuch sich dann im Kopf festsetzt und
am Ende aus einem zeitlich begrenzten Aufenthalt der Rest des Lebens
wird... |
Fotos sagen mehr
als viele Worte:

Hier eine kleine Auswahl
der
Fotos, mit denen der Autor
sein Buch
illustriert hat. |
Allerdings sollten Sie nicht unterschätzen, was man mit
dem schönen Wort "Abenteuer" umschreibt. "Wer nach Alicudi reist, lässt sich aufs Landleben ein", schreibt
Ralf Gryl und "Landleben" bedeutet in diesem Fall der Verzicht auf das meiste,
was man im "Stadtleben" als normal empfindet: Fernseher, Kühlschrank, fließendes
Wasser, WC und Bad. Das Leben "auf Tuchfühlung mit der Natur" ist auch zu zweit
nicht immer sehr romantisch.
Und es ist gerade das, was das Buch so ehrlich und so lesenswert macht: Der Autor beschreibt
nicht nur die faszinierenden Schönheiten des Lebens auf dieser Insel (die Fotos
auf der nächsten Seite sprechen für sich) und
seine wohltuenden Auswirkungen auf die stressgeplagte Psyche, er spart auch
nicht die zahlreichen Probleme aus, die nicht nur praktischer Natur sind. Er
spricht sehr realistisch über die Gefahr, bei einem solchen Leben zu einem
introvertierten Einsiedler zu werden, er lässt den Leser sowohl seine euphorischen Hochgefühle
als auch seine Depressionen mitempfinden.
Und er umgeht auch nicht die enormen Schwierigkeiten, die die Rückkehr (Ralf
Gryl nennt es sogar "Absturz") in die
Normalität des Alltagslebens in Deutschland mit sich bringt.
Natürlich ist eine Auszeit in einer solchen Abgeschiedenheit wie in Alicudi
nicht jedermanns Sache. Aber, wie Gryl am Ende seines Erlebnisberichts schreibt,
"es gibt so viele Eden, wie es Menschen gibt. Wichtig ist, wach zu bleiben, auf
der Suche zu bleiben, allen Fehlschlägen, allen Irrtümern zum Trotz. Auf der
Suche nach einem Platz, wo die Seele singen kann, auf der Suche nach dem eigenen
Paradies. Ich glaube, meines gefunden zu haben."
Beneidenswert. Oder besser gesagt: nachahmenswert!
Wolfgang Pruscha |