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Home > Italienische Kunst und Kultur > Raffaelo Santi
Der folgende Artikel über den italienischen Maler Raphael (auf italienisch: Raffaelo Santi, Raffelo Sanzio oder auch Raffael da Urbino) ist ein Beispiel des sehr interessanten Newsletters von Sempre Italia. Die Wiedergabe von Text und Fotos erfolgt mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion.

Raffaelo Santi, auch Raffael da Urbino oder schlicht Raffael genannt, wurde vermutlich am 6. April 1483 in Urbino geboren, an einem Karfreitag, was insoweit interessant ist, als er auch an einem Karfreitag starb. Er war der Sohn des Goldschmieds Giovanni Santi, der auch als Maler arbeitete. Durch seinen Vater bekam er früh Kontakt zu gebildeten Humanistenkreisen und erhielt schon als Kind die erste Ausbildung in der Malerei.

Doch bereits im Jahr 1494 verstarb Raffaels Vater. Der erst elfjährige Knabe trat als Schüler in die Werkstatt des Pietro Vanucci, genannt Perugino, ein. Perugino galt als großer Maler, war er doch von Papst Sixtus IV nach Rom gerufen worden, um bei der Ausschmückung der Sixtinischen Kapelle mitzuwirken, wo er die Schlüsselübergabe an den heiligen Petrus malte. Perugino unterhielt zwei Werkstätten, eine in Florenz und eine in Perugia, wo der junge Raffael lernte.

Hier gelang es ihm, sich dem Stil Peruginos so weit anzunähern, dass die Unterscheidung der Werke beider Künstler aus dieser Zeit oft nur mit Mühe möglich ist. Und schon im Jahr 1500 wurde Raffael in einem überlieferten Vertrag für ein Altarwerk als maestro, also Meister, bezeichnet. Denn mittlerweile stellte er seinen Lehrer in den Schatten, dessen Figuren von oft manieristischer Anmut sind, mit süßlichen Farben gemalt, im Rhythmus etwas monoton und wie abgezirkelt.

Raffael fand, obwohl stark von Perugino beeinflusst, seinen eigenen Stil in einer lebendigeren Malerei, in der das Landschaftselement eine neue Bedeutung erreicht und andere Farbtöne dominieren. Geprägt ist Raffaels Stil auch von den geometrisch klar gestalteten Bildern Piero della Francescas.

Seine ersten großen Werke entstanden in diesen Jahren um 1500. Neben der Londoner Kreuzigung schuf er die Krönung Mariae, die heute im Vatikan zu besichtigen ist, und die Vermählung der Maria, die sich jetzt in Mailand befindet. Beim Heiligen Michael malte Raffael Fabeltiere, die von den Werken des Hieronymus Bosch inspiriert waren.

Im Jahre 1504 kam er mit einem Empfehlungsschreiben des Urbinischen Hofes nach Florenz, wo schon seine Kollegen Michelangelo Buonarotti und Leonardo da Vinci Berühmtheit erlangt hatten. Er befreundete sich mit dem mächtigen Taddeo Taddei, in dessen Palast er wohnte. Ein weiterer Florentiner Freund Raffaels, der Maler Fra Bartolomeo, brachte ihn mit dem fundamentalistischen Christentum des 1498 hingerichteten Girolamo Savonarola in Kontakt.

Auch während seiner Florentiner Zeit waren die Madonnenbilder, die er schuf, hoch geschätzt. Raffael, der nun intensiv die Werke Leonardo da Vincis studierte, schuf in Florenz etwa 15 Madonnen, die zu seinen besten zählen. Die berühmteste dieser Madonnen ist die Madonna mit dem Stieglitz, die heute in den Uffizien gezeigt wird. Außerdem entstanden in dieser Zeit vielfigurige Altarkompositionen.

Auf Empfehlung seines Onkels Donato Bramante, der unter Papst Julius II mit dem Neubau des Petersdoms und des Vatikans beauftragt war, kam Raffael schließlich 1508 nach Rom.

Hier erhielt er den Auftrag, die päpstlichen Gemächer, die so genannten Stanzen, mit Fresken zu schmücken. Auch der Julius II nachfolgende Papst Leo X war von seinen Arbeiten fasziniert und zeigte Raffael seine Gunst. So entstanden zwischen 1509 und 1517 seine berühmtesten Werke, begonnen mit dem Sitzungszimmer Stanze della Segnatura mit der berühmten Schule von Athen, einer Darstellung der philosophischen Wissenschaften. Das Zentrum bilden Platon und Aristoteles, um die sich die anderen Philosophen wie Pythagoras, Heraklit, Sokrates oder Diogenes gruppieren. Aber auch der keinesfalls papstfreundliche Dante, zudem noch dargestellt als Theologe, und der ein Jahrzehnt zuvor in Florenz hingerichtete Girolamo Savonarola fanden Aufnahme in das Fresco.

Ein weiteres Fresko ist der Parnass, in dessen Mitte Apollo mit einem Streichinstrument thront, umgeben von den neun Musen und Dichtern der Antike wie Homer, Vergil und Ovid.

Während seiner Arbeiten im Vatikan lernte Raffael Michelangelo kennen, der zu dieser Zeit mit der Ausschmückung der Sixtinischen Kapelle befasst war. Auch der Stil Michelangelos beeinflusste Raffaels Arbeiten seit dieser Zeit.

Die Wandgemälde der Stanzen preisen die Künste, die Religion und die Philosophie und gelten als absolute Meisterwerke der Hochrenaissance. In der Befreiung Petri oder auch in der Vertreibung des Heliodor verband Raffael zudem religiöse Inhalte mit aktuellen politischen Ereignissen. Diese vielschichtige Ikonographie geht auf Anregungen des Papstes zurück, der seine religionspolitischen Vorstellungen auch in der Kunst zum Ausdruck bringen wollte.

Die durchdachten Eingriffe Raffaels in die vorgegebenen Themen lassen das humanistisch geprägte kulturelle Klima des Roms seiner Zeit auf außergewöhnliche Weise zum Ausdruck kommen. Die Fresken der Stanzen stellen einen Höhepunkt der europäischen Malerei dar. Das Wahre, Gute und Schöne ergänzen einander und führen zur Verschmelzung von antikem und christlichem Denken. In den klaren und ausdrucksvollen Bildern entsprechen sich Form und Inhalt aufs Vollkommenste.

In dieser Zeit entstand auch sein berühmtestes Madonnenbild, die Sixtinische Madonna, die sich heute in der Gemäldegalerie von Dresden befindet, und deren zauberhafte Putten zahllose Zitate der Populärkultur auf allen möglichen Gegenständen der heutigen Zeit finden.

Doch schuf Raffael auch hervorragende Portraits, so das des Humanisten Graf Baldassare Castiglione, mit dem er befreundet war, das des Papstes Julius II und das des Papstes Leo X mit zwei Kardinälen. Diese Portraits zeigen souveräne Charaktere der Renaissance im Licht eines edlen Kolorits, das für Jahrhunderte vorbildlich blieb. Raffaels reifer Malstil ist von hoher Idealität geprägt, die sich mit menschlicher Wärme und Natürlichkeit verbindet.

In allen Phasen seines Lebens schuf er Selbstportraits, angefangen mit einer Zeichnung, die er im Alter von 15 Jahren anfertigte, über das Selbstbildnis im Palazzo Pitti in Florenz, das ihn als Zweiundzwanzigjährigen zeigt, bis hin zu seinen Portraits in der Schule von Athen und der Vertreibung des Helidor im Vatikan.

Neben anderen Aufträgen, die ihm am päpstlichen Hof verkehrende Persönlichkeiten erteilten, wurde Raffael nach Bramantes Tod 1514 als Bauleiter für Sankt Peter eingesetzt. Als Architekt schuf er den Grundriss der Kathedrale auf Basis eines lateinischen Kreuzes, während sein Vorgänger noch ein griechisches Kreuz vorgesehen hatte. Erhalten blieben zahlreiche weitere Entwürfe und Architekturzeichnungen Raffaels aus dieser Zeit. Außerdem wurde er zum Aufseher der antiken Gebäude und Leiter der Ausgrabungen bestellt, zudem beauftragte der Papst ihn mit Entwürfen für die zehn prächtigen Wandteppiche der Sixtinischen Kapelle, die dann in Brüssel gewebt wurden.

Obwohl Raffael ein gewaltiges Arbeitspensum bewältigte, ließ dieser umfangreiche Aufgabenbereich ihm kaum noch Zeit, die Werke der Malerei selbst auszuführen, sodass er es mehr und mehr den fünfzig Schülern seiner gut organisierten Werkstatt, allen voran Giulio Romano, überließ, die Aufträge auszuführen.

Es entstanden noch der Amor- und Psyche-Freskenzyklus in der Farnesina, der von nachfolgenden Künstlern als beispielhaft empfunden wird, sowie die Fresken der vatikanischen Loggien, die biblische Szenen darstellen und als „Bibel Raffaels“ bezeichnet werden. Raffaels letztes eigenhändig gemaltes Werk war die Verklärung Christi, die sich heute in der Pinakothek des Vatikans befindet und nie vollendet wurde.

Denn an seinem Geburtstag, dem 6. April 1520, einem Karfreitag, starb Raffael im Alter von nur 37 Jahren und wurde im Pantheon beigesetzt. Ganz Rom trauerte um den hoch verehrten Künstler. Über die Ursache seines frühen Todes wird gemunkelt, dass der zwar kleine, aber freundliche und gut aussehende, allseits beliebte Künstler, der die Frauen sehr liebte, sich mit der Syphilis infiziert hatte und an deren Folgen verstarb. Andere Vermutungen gehen dahin, dass er am Sumpffieber tödlich erkrankte. Unbestritten jedoch ist, dass Raffael die nach ihm kommenden Künstlergenerationen nachhaltig beeinflusste und zu den herausragendsten Meistern der Hochrenaissance zählt.

Text und Fotos:
Sempre Italia

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