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Geschichte der Stadt:
Die Stadt liegt in 313 m Höhe auf einem steilen Tuff-Felsen. Die
ganze Gegend um Pitigliano bis weit hinter Rom ist durch Tuff geprägt, den
Vulkane hier vor Urzeiten ausgespuckt haben. Das typische Toskanabild, kleine
Gehöfte auf sanften Hügeln, findet sich hier selten. Die Südtoskana ist wild und
vielgestaltig, wie auch das angrenzende Latium, die Gegend um Rom. Kleine Flüsse
haben steile Canons in die Landschaft geschnitten, und es gibt viel Wald. Nicht
weit ist der Lago di Bolsena, ein gewaltiger Kratersee, der größte italienische
See südlich der Alpenseen. Schon von Siena aus kann man den Monte Amiata sehen,
einen 1738 Meter hohen isolierten Vulkan, im Winter ein beliebtes Schigebiet. Am
Meer dagegen dehnen sich die Maremmen aus, flache Landstriche, die bis in die
dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts noch berüchtigt für die Malaria waren. Dort
waren auch die Schlupfwinkel berühmter Banditen wie Domenico Tiburzi, die in
bitteramen Zeiten auf ihre Art versuchten zu überleben. Heute sind in der
Maremma unterhalb von Pitigliano schöne, kaum verbaute Badestrände.

Diese Landschaft war eine der wichtigsten Zentren der Etrusker.
Rund um Pitigliano gibt es noch Unmengen von Gräbern aus dieser Zeit, tief in
den Tuff geschnittene Höhlen, die vielfach heute noch als Keller oder Ställe
genutzt werden. Später wurde Pitigliano dann römisch, aber aus dieser Zeit ist
über der Erde nur noch wenig zu sehen. Unter den Häusern der Stadt werden aber
heute noch Kellerräume mit vielen kleinen Nischen benutzt, in denen vor 2000
Jahren die Totenurnen standen.
Im Mittelalter, seit dem 9. Jahrhundert, beherrschten dann die (langobardischen)
Aldobrandesci das Land um Pitigliano, ab1312 die Orsini und ab 1604 die Medici.
Interessant ist die jüdische Geschichte von Pitigliano. Lange Zeit hatte es eine
außergewöhnlich starke jüdische Gemeinde, die das Kulturleben der Stadt
mitgeprägt hat.
Sehenswertes in Pitigliano:
Die Orsini-Burg - Am Eingang der Altstadt steht die Burg.
Daneben ragt der imposante mittelalterliche Aquädukt auf, der die Stadt mit
Wasser versorgte.
Museen - In der Orsini-Burg ist ein archäologisches Museum. Außerdem ist
eine Sammlung sakraler Gegenstände zu besichtigen.
Piazza - Auf der Piazza sind 2 Bars: Die Bar Centrale und die Bar Italia.
Im Mittelalter war das Niveau der Piazza stellenweise 6 Meter tiefer als heute,
es wurde aufgeschüttet, und man kann sich heute kaum vorstellen, dass sich im
Keller der Bar Italia eine Kapelle mit alten Fresken befindet (leider weder
gepflegt noch zugänglich).
Museum der "Giubbonaia"
- Links vom Rathaus ist der Eingang zu einem interessanten Museum mit alten
Geräten aus dem Alltagsleben, vorwiegend aus Küche, Landwirtschaft und Weinbau.
Haben Sie schon einmal eine kardanisch aufgehängte Krankentrage für Gegenden mit
steilen Wegen gesehen? Hier gibt es sie. Und von hier startet auch eine
unterirdische Wanderung zwischen den Fundamenten der Burg hindurch, durch lange
Tuffsteingänge (im Fremdenverkehrsbüro an der Piazza fragen).
Kirche - An der Piazza San Gregorio der Dom aus dem 15.Jhdt. mit
historistischen Gemälden von Pietro Aldo. Die älteste Kirche von Pitigliano
(1274 erwähnt) ist San Rocco, fast am Ende der Altstadt. Sie hat einen
ungewöhnlichen trapezförmigen Grundriss und elegante, schlanke Travertin-Säulen.
Etrusker-Mauer - Am Ortsende steigt man über eine Treppe zur Porta di
Sovana, dem mittelalterlichen Stadttor. Direkt davor sind Reste der etruskischen
Stadtmauer zu sehen.
Synagoge - Unterhalb des Doms, im ehemaligen Ghetto (Eingang von der Via
Zuccarelli) ist die kürzlich renovierte Synagoge und der Forno delle Azzime (der
Koscher-Ofen) zu besichtigen, Zeugen der einst blühenden jüdischen Kultur von
Pitigliano.
Orsini-Park - Am Ortsende Richtung Sorano, hinter der Brücke, geht es in
den Park (Ende 16. Jhdt.), in dem am Nordhang in den Felsen gehauene Steinsitze
und Figuren zu sehen sind.
Etrusker-Straßen - In der ganzen Gegend findet man häufig steile Wege,
oft mit mehr als zehn Meter hohen Wänden, die von den Etruskern in den
Tuff-Felsen gegraben wurden. Sie winden sich von der Höhe zum Tal. Auch direkt
außerhalb von Pitigliano sind einige: hinter der Porta di Sovana, rechts und
links hinter der Meleta- wie auch der Lentebrücke und vom Tal hoch zur Kirche
Madonna delle Grazie.
Text und Fotos:
Peter Petri
Die Homepage von Peter Petri:
www.peterpetri.de |