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Die Villa "La Rotonda"
Andrea Palladio
Andrea Palladio (eigentlich Andrea di Pietro) war
der wichtigste Architekt der norditalienischen Renaissance. Im Gegensatz zur
Renaissancearchitektur mit ihren reich verzierten Gebäuden vertrat Palladio die
Ideen eines strengen klassizistischen Ideals. Er war fasziniert
von der Baukunst des antiken Roms, die er als Vorbild für sich
betrachtete. Er war jedoch kein Nachahmer der Antike, bei seinen Gebäuden
trachtete er stets danach, die jeweilige Baufunktion, die praktischen
Bedürfnisse des Auftraggebers sowie die Bedingungen des Bauplatzes zu
berücksichtigen und erstrebte ein Maximum an Harmonie aller architektonischen
Elemente. Sein Ruhm basiert jedoch nicht nur auf den Villen und Palästen, die
nach seiner Planung erbaut wurden, sondern auch auf seiner
Architekturlehre "Quattro Libri dell'Architettura" (Vier Bücher
zur Architektur), die weit über Italien hinaus eine große Wirkung auf die
Ausbildung des neoklassizistischen Stils hatte.
Architektonische Schönheit resultiert für Palladio "aus der Übereinstimmung des
Ganzen mit den Teilen, so dass ein Gebäude als ein Körper mit vollkommenen
Proportionen erscheint, in dem jedes Glied von Standpunkt des ganzen Körpers
notwendig ist."

Holzschnitt von Andrea Palladio
Goethe in Italien
Goethe, der auf seiner Italienreise (1786-88) vor allem das
römisch-griechische Altertum suchte, war von Palladio begeistert. In ihm sah er
den Erneuerer der Antike, der ihm das Altertum erschließen sollte. So wundert
es nicht, dass Vicenza mit seinen vielen Palästen von Palladio zu einem
wichtigen Ziel seiner Reise wurde. Nachdem er in Padua dann eine
Faksimile-Ausgabe der "Vier Bücher..." von Palladio erworben hatte, schreibt
Goethe in seinem Tagebuch der Italienischen Reise:
| "Endlich hab' ich die Werke des Palladio erlangt,
zwar nicht die Original-Ausgabe (...) aber eine genaue Kopie. (...)
Jetzt studier ich das Buch und es fallen wie Schuppen von den Augen,
der Nebel geht auseinander und ich erkenne die Gegenstände. (...).
Das vierte Buch ist eine rechte Einleitung, Rom mit Sinn zu sehen." |
Über die Villa Rotonda (eigentlich: Villa
Almerico Capra) am Stadtrand von Vicenza, einem der Hauptwerke des italienischen
Architekten, schreibt er:
"Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe
liegende Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das
einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten
steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die
von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren
Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die Treppen und Vorhallen
einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite
würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Inwendig kann man es wohnbar, aber
nicht wohnlich nennen. Der Saal ist von der schönsten Proportion, die Zimmer
auch; aber zu den Bedürfnissen eines Sommeraufenthalts einer vornehmen Familie
würden sie kaum hinreichen. Dafür sieht man es auch in der ganzen Gegend von
allen Seiten sich auf das herrlichste darstellen. Die Mannigfaltigkeit ist groß,
in der sich seine Hauptmasse zugleich mit den vorspringenden Säulen vor dem Auge
der Umherwandelnden bewegt, und die Absicht des Besitzers ist vollkommen
erreicht, der ein großes Fideikommißgut und zugleich ein sinnliches Denkmal
seines Vermögens hinterlassen wollte. Und wie nun das Gebäude von allen Punkten
der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher
gleichfalls die angenehmste. Man sieht den Bachiglione fließen, Schiffe von
Verona herab gegen die Brenta führend; dabei überschaut man die weiten
Besitzungen, welche Marchese Capra unzertrennt bei seiner Familie erhalten
wollte. Die Inschriften der vier Giebelseiten, die zusammen eine ganze
ausmachen, verdienen wohl aufgezeichnet zu werden:
Marcus Capra Gabrielis filius qui aedes has arctissimo primogeniturae gradui subjecit una cum omnibus censibus agris vallibus et collibus citra viam magnam memoriae perpetuae mandans haec dum sustinet ac abstinet.
Der Schluß besonders ist seltsam genug: ein Mann, dem so viel Vermögen und Wille
zu Gebote stand, fühlt noch, dass er dulden und entbehren müsse. Das kann man mit
geringerem Aufwand lernen."
J.W. Goethe: Italienische Reise |
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