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Home > Städte und Landschaften > Venetien > Goethe, Palladio, Villa Rotonda

Vicenza ist die Stadt, die Goethe nach Rom am meisten interessierte. Was er dort suchte und fand, waren die Villen und Paläste des italienischen Architekten Andrea Palladio (1508-1580). Besonders beeindruckt war er von dessen Villa "La Rotonda".


Die Villa "La Rotonda"

Andrea Palladio

Andrea Palladio (eigentlich Andrea di Pietro) war der wichtigste Architekt der norditalienischen Renaissance. Im Gegensatz zur Renaissancearchitektur mit ihren reich verzierten Gebäuden vertrat Palladio die Ideen eines strengen klassizistischen Ideals. Er war fasziniert von der Baukunst des antiken Roms, die er als Vorbild für sich betrachtete. Er war jedoch kein Nachahmer der Antike, bei seinen Gebäuden trachtete er stets danach, die jeweilige Baufunktion, die praktischen Bedürfnisse des Auftraggebers sowie die Bedingungen des Bauplatzes zu berücksichtigen und erstrebte ein Maximum an Harmonie aller architektonischen Elemente. Sein Ruhm basiert jedoch nicht nur auf den Villen und Palästen, die nach seiner Planung erbaut wurden, sondern auch auf seiner Architekturlehre "Quattro Libri dell'Architettura" (Vier Bücher zur Architektur), die weit über Italien hinaus eine große Wirkung auf die Ausbildung des neoklassizistischen Stils hatte. Architektonische Schönheit resultiert für Palladio "aus der Übereinstimmung des Ganzen mit den Teilen, so dass ein Gebäude als ein Körper mit vollkommenen Proportionen erscheint, in dem jedes Glied von Standpunkt des ganzen Körpers notwendig ist."


Holzschnitt von Andrea Palladio

Goethe in Italien

Goethe, der auf seiner Italienreise (1786-88) vor allem das römisch-griechische Altertum suchte, war von Palladio begeistert. In ihm sah er den Erneuerer der Antike, der ihm das Altertum erschließen sollte. So wundert es nicht, dass Vicenza mit seinen vielen Palästen von Palladio zu einem wichtigen Ziel seiner Reise wurde. Nachdem er in Padua dann eine Faksimile-Ausgabe der "Vier Bücher..." von Palladio erworben hatte, schreibt Goethe in seinem Tagebuch der Italienischen Reise:

"Endlich hab' ich die Werke des Palladio erlangt, zwar nicht die Original-Ausgabe (...) aber eine genaue Kopie. (...) Jetzt studier ich das Buch und es fallen wie Schuppen von den Augen, der Nebel geht auseinander und ich erkenne die Gegenstände. (...). Das vierte Buch ist eine rechte Einleitung, Rom mit Sinn zu sehen."

Über die Villa Rotonda (eigentlich: Villa Almerico Capra) am Stadtrand von Vicenza, einem der Hauptwerke des italienischen Architekten, schreibt er:

"Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe liegende Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Inwendig kann man es wohnbar, aber nicht wohnlich nennen. Der Saal ist von der schönsten Proportion, die Zimmer auch; aber zu den Bedürfnissen eines Sommeraufenthalts einer vornehmen Familie würden sie kaum hinreichen. Dafür sieht man es auch in der ganzen Gegend von allen Seiten sich auf das herrlichste darstellen. Die Mannigfaltigkeit ist groß, in der sich seine Hauptmasse zugleich mit den vorspringenden Säulen vor dem Auge der Umherwandelnden bewegt, und die Absicht des Besitzers ist vollkommen erreicht, der ein großes Fideikommißgut und zugleich ein sinnliches Denkmal seines Vermögens hinterlassen wollte. Und wie nun das Gebäude von allen Punkten der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher gleichfalls die angenehmste. Man sieht den Bachiglione fließen, Schiffe von Verona herab gegen die Brenta führend; dabei überschaut man die weiten Besitzungen, welche Marchese Capra unzertrennt bei seiner Familie erhalten wollte. Die Inschriften der vier Giebelseiten, die zusammen eine ganze ausmachen, verdienen wohl aufgezeichnet zu werden:

Marcus Capra Gabrielis filius
qui aedes has
arctissimo primogeniturae gradui subjecit
una cum omnibus
censibus agris vallibus et collibus
citra viam magnam
memoriae perpetuae mandans haec
dum sustinet ac abstinet.

Der Schluß besonders ist seltsam genug: ein Mann, dem so viel Vermögen und Wille zu Gebote stand, fühlt noch, dass er dulden und entbehren müsse. Das kann man mit geringerem Aufwand lernen."

J.W. Goethe: Italienische Reise


"Goethe in Kampanien" -
Gemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein.

Mehr über Palladio und die Villa Rotonda:

www.andrea-palladio.de/bauten/villen/rotonda.htm
www.susannealbers.de/08architektur-rotonda.html

Siehe auch:

Vicenza
Die vornehme norditalienische Stadt Vicenza besticht durch zahlreiche Villen und Paläste des berühmten Renaissance-Architekten Andrea Palladio, der hier zu Hause war und den schon Goethe auf seiner Italienreise bewunderte.
Führungen: Vicenza, Padua, die venezianischen Villen und die Lagune von Venedig
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Warum ging Goethe 1786 nach Italien? Was suchte er, was fand er dort? Wie reiste man im 18. Jahrhundert? Von dieser Seite gibt es auch eine italienische Version! [2 Seiten]
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