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Italienische Geschichte
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Kurz vor dem Ende des 1. Weltkrieges vollführte der
exzentrische italienische Dichter Gabriele D'Annunzio eine spektakuläre
Propagandaaktion.
![]() Gabriele D'Annunzio (1863-1938) Wer war Gabriele D'Annunzio?
Gabriele D'Annunzio war einer der wichtigsten italienischen Schriftsteller
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Stark beeeinflusst von der
Philosophie Friedrich Nietzsches schrieb er zahlreiche Romane, Dramen und
Gedichte, in denen die Sinneslust und die Idee des „Übermenschen“ im
Vordergrund standen, wobei er die Empfindungen in wortgewaltiger Sprache zum
Ausdruck brachte. D’Annunzios ästhetisierender Stil spiegelt sein
extrentrisch-romantisches Wesen und seinen bewegten Lebenswandel wider.
Aber D'Annunzio war auch politisch sehr aktiv. Im Jahre 1915 gehörte er, zusammen mit Mussolini, zu den lautstärksten Vertretern des italienischen Kriegseintritts und es blieb auch nicht nur bei Worten: zwischen 1916 und 1920 war D'Annunzio der Protagonist mehrerer spektakulärer Aktionen. Eine davon war der Flug über Wien. Der Flug über Wien
Im Jahre 1918, kurz vor dem Ende des 1. Weltkrieges, vollführte Gabriele D'Annunzio eine
seiner spektakulärsten Aktionen: Mit insgesamt 11 Flugzeugen (10 Einsitzer und 1 Zweisitzer, in dem
D'Annunzio mitflog) startete er am 9. August um 5.50 Uhr vom Flugplatz San
Pelagio in der Provinz Padua zu einem Propagandaflug nach Wien, zur Hauptstadt
des Kriegsgegners Österreich. Drei der Flugzeuge mussten schon auf dem
Hinflug, noch über italienischem Territorium, notlanden, ein viertes kurz
vor Wien (der Pilot wurde von den Österreichern gefangen genommen), so dass
schließlich noch 7 Flugzeuge über Wien ankamen, wo sie
aus etwa 600-800m Höhe hundertausende von Flugblättern mit propagandistischem Inhalt abwarfen.
Eins der beiden Flugblätter (beide mit den Farben der italienischen Fahne bedruckt), das in 50.000 Exemplaren abgeworfen wurde, war von D'Annunzio selbst geschrieben worden. Der Text war im typischen ziemlich schwülstigen Propagandastil von D'Annunzio abgefasst, halb reißerisch, halb pathetisch, und endete mit dem Satz: „Das Drohen der Schwinge des jungen italienischen Adlers gleicht nicht der finsteren Bronze im morgendlichen Licht. Die unbekümmerte Kühnheit wirft über Sankt Stephan und den Graben das unwiderstehliche Wort ab: Viva l’Italia!" Dieses Flugblatt wurde auf italienisch, ohne deutsche Übersetzung, abgeworfen und die Wiener verstanden wohl herzlich wenig davon und wenn, dann hat es sie sicher kaum überzeugt. Das muss wohl in der Vorbereitung auch Ugo Ojetti, einem Mitstreiter von D'Annunzio, klar gewesen sein, denn er schrieb noch ein zweites Flugblatt (mit deutscher Übersetzung), das in 250.000 Exemplaren abgeworfen wurde und das klarer und verständlicher war. Da hieß es: "Wiener, lernt die Italiener kennen! Wenn wir wollten, könnten wir ganze Tonnen von Bomben auf Eure Stadt hinabwerfen, aber wir senden Euch nur einen Gruß der Trikolore! Wir Italiener führen keinen Krieg gegen Kinder, Frauen und Alte. Wir führen Krieg gegen eure Regierung, die ein Feind der Unabhängigkeit der Völker und nicht in der Lage ist, euch Brot und Frieden zu garantieren [...]" Der Text appellierte auch an die Intelligenz der Wiener und forderte sie auf, den Versprechungen der preußischen Generäle keinen Glauben mehr zu schenken.
Erst bei der Rückkehr nach Italien eröffnete die Flugabwehr von Ljubljana das Feuer auf die Flugzeuge, allerdings ergebnislos. So landete die Staffel von D'Annunzio gegen 12.30 Uhr, nach 7 Stunden und ca. 1.000 km Flug, wieder am Ausgangspunkt San Pelagio. Die Reaktionen in Wien und in Italien
Die in den folgenden Tagen in den Wiener Zeitungen veröffentlichten Artikel und Kommentare
berichten uns von der Reaktion der Wiener auf den kühnen
Husarenstreich. Ein in der
Wiener Zeitung "Standard" am 14. September 2002 veröffentlichter Artikel (http://derstandard.at/1070812)
zitiert aus dem Buch von Peter Demetz "Die Flugschau von Brescia" (siehe unten), aus dem hier einzelne Abschnitte
wiedergegeben werden:
"Zumindest zwei Zeitungen, die konsequent konservative Reichspost und die
sozialistische Arbeiter-Zeitung, vermuteten unisono, der Angriff sei eine
"aviatische Leistung", die nicht aus politischen Gründen heruntergespielt
werden sollte. Es sei eine "hervorragende Leistung" gewesen, die starke
Nerven und eine gute physische Konstitution erforderte, insbesondere
angesichts des orkanartigen Gegenwindes, der den Piloten in ihren offenen
Cockpits ins Gesicht blies (Arbeiter-Zeitung). Ein "denkwürdiges" Erlebnis
in der Wiener Kriegsgeschichte, hieß es weiter, aber die Bevölkerung habe
keine heroischen Gefühle demonstriert. [...] In Italien dagegen hatte diese Aktion eine enorme Resonanz. D'Annunzio und die anderen sieben Piloten wurden überall begeistert gefeiert. Die Aktion war zwar für den Kriegsverlauf völlig bedeutungslos, wurde aber propagandistisch weidlich ausgeschlachtet. 1924 wurde D’Annunzio auf Vorschlag der faschistischen Regierung durch König Viktor Emanuel III. sogar geadelt. ![]() In einem der Zimmer des Museums von San Pelagio (siehe unten) wird die Lagebesprechung von D'Annunzio und den anderen Piloten vor dem Flug über Wien nachgestellt. Das Museum von San Pelagio
In San Pelagio (Provinz Padua), von wo aus D'Annunzio und seine Mitstreiter
zum Flug über Wien gestartet sind, befindet sich heute ein Museum für Luft- und
Raumfahrt, das eine Abteilung dieser Propagandaaktion gewidmet
hat.
Sehen Sie dazu die Seite: Das Museum der Luft- und Raumfahrt von San Pelagio Wenn Sie mehr über D'Annunzio wissen wollen:![]() Gabriele D'Annunzio - Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten von Maria Gazzetti 160 Seiten, Verlag: rororo bei Amazon bestellen ![]() Die Flugschau von Brescia. Kafka, D'Annunzio und die Männer, die vom Himmel fielenn von Peter Demetz 256 Seiten, Verlag: Szolnay bei Amazon bestellen Alle Seiten über die Geschichte Italiens:Kostenloser Newsletter:Inhaltsverzeichnisse (über 650 Seiten): |
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