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Home > Städte und Landschaften > Ligurien > Cinque Terre (Reisebericht)
Die Region der "Cinque Terre" ist eine der faszinierendsten Gegenden Norditaliens. Anke Schlingemann und Detlef Hälker sind dort gewesen und berichten hier davon. Ihre Reise führte sie durch Ligurien, Piemont, Lombardei und Emilia Romagna.


Vernazza - einer der Orte von Cinqueterre

Das Programm der Reise:

Erster Teil:

1. Juni Hamburg - Weil am Rhein – Basel
2. Juni Basel – Vals
3. Juni Vals – Ascona – Riomaggiore
4. Juni Riomaggiore - Manarola
5. Juni Portovenere
6. Juni Genua
7. Juni Parma
8. Juni Cinque Terre-Küstenwanderung: Riomaggiore – Manarola – Corniglia – Vernazza – Monterosso del Mare
9. Juni Portofino

Zweiter Teil:

10. Juni Ravenna
11. Juni Ravenna - Dozza – Bologna
12. Juni Bologna – Marareta – Modena – Maranello - Mantua
13. Juni Mantua – Piemont / Barolo
14. Juni Piemont – Rocca – Comer See / Bellagio
15. Juni Comer See - Bellagio – Tremezzo
16. Juni Comer See - Varenna – Bellagio
17. Juni Schaffhausen – Hamburg
 

Erster Teil

1. Juni: Hamburg - Weil am Rhein – Basel

Unsere Reise beginnen wir bereits früh morgens. Das erste Ziel ist die Stadt Weil am Rhein, u.a. bekannt durch das hier ansässige Vitra Design Museum. Den von dem Stararchitekten Frank 0. Gehry gestaltete Museumsbau erreichen wir um die Mittagszeit bei strahlendem Sonnenschein. Zunächst steht die Besichtigung auf dem Programm. Der Stühlehersteller Vitra hat neben dem ausgefallenen Museumsbau auch noch weitere nennenswerte Gebäude in Auftrag gegeben. Zum einen eine Feuerwache, die heute eine Stühleausstellung beherbergt. Bemerkenswert an dem Gebäude ist insbesondere die Gestaltung der sehr spitz auslaufenden Fassade sowie die Kombination aus Glas und Beton. Die israelische Architektin Zaha Hadid durfte hier erstmals einen ihrer außergewöhnlichen Entwürfe in die Tat umsetzen.

Auch der von dem Architekten Tadao Ando gestaltete Conference Pavillon ist etwas Besonderes. Ando hat für diesen Bau pure Betonplatten aneinandergesetzt und trotzdem nicht vergessen, dass der Mensch die Natur zum Atmen braucht. Aus jedem Konferenzraum sieht man Bäume oder grüne Rasenflächen. Eine Plastik von Claes Oldenburg (Werkzeug in Übergröße) ziert die Grünflächen des Geländes.

Im Stadtkanton Basel mit 200.000 Einwohnern wurde die erste Universität der Schweiz (1460) gegründet. Besonders gefällt uns der zur Universität gehörende Botanische Garten. Die Stadt wird durch den Rhein in zwei Teile geteilt. Rechtsrheinisch liegt das multikulturelle Kleinbasel. Linksrheinisch: Großbasel mit Stadtzentrum und Altstadt.

Ein kleiner Stadtrundgang führt uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Das auffällige, mit Gold verzierte Rathaus ist heute noch Regierungssitz. Wir besichtigen u.a. den Kreuzgang des Münsters, das Blaue Haus und kommen am Spaltentor (Teil der früheren Stadtbefestigung) vorbei.

Auf dem Museumsplatz (die Stadt hat ca. 30 Museen) genießen wir in einem kleinen Gartenrestaurant eine Erfrischung und gucken uns den Tinguely-Brunnen an. Wir übernachten in einem kleinen Hotel in Basel.

2. Juni: Basel – Vals

Nach einem einfachen Frühstück fahren wir zunächst nach Basel-Birsfelden. Mangels eines ausführlichen Stadtplans finden wir das ebenfalls von Frank O. Gehry gestaltete Vitra Center erst, als wir unseren Plan beinahe schon wieder aufgeben wollen. Das Gebäude lässt den Architektenstil – diesmal sehr bunt – gut erkennen.

Über Zürich, Chur, Reichenau und Ilanz fahren wir weiter ins Valsertal / Graubünden. Zugegebenermaßen liegt der Ort Vals nicht ganz auf unserer Route. Wir nehmen einen Umweg von ca. 200 km sowie eine von Serpentinen erschwerte Fahrt in Kauf und werden absolut entschädigt.

Der Ort selbst ist klein und unscheinbar. Unser Nachtquartier beziehen wir in einem kleinen Hotel und verbringen den Nachmittag und Abend in der Therme. Schon von Außen sieht der Thermen-Bau, durch das verwendete Material - Quarzit, ein anthrazitfarbener Naturstein - ungewöhnlich aus. Das Material wurde von dem Schweizer Architekten Peter Zumthor, der ebenfalls den Schweizer Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover zu seinen Projekten zählt, durchgängig verwendet. Die Therme (Baukosten 26 Mio. sfr) haben einiges zu bieten. Ein großer Pool mit Außenbecken lädt zum Schwimmen ein. Von der Außenterrasse blickt man auf die noch schneebedeckten Spitzen der umliegenden Berge.

In den unterschiedlichsten Bädern kann man die Seele so richtig baumeln lassen. Ein äußerst besinnliches Erlebnis. In der Ringelblumenhöhle, die auf 33 Grad temperiert ist, riecht es durch die im Wasser schwimmenden Blüten sehr beruhigend. Wer es heißer mag kann das 42 Grad warme "Feuerbad“ genießen und sich anschließend im Eisbad (14 Grad) abkühlen. Um das Grottenbad (35 Grad) zu erreichen geht man zunächst durch verwinkelte Gänge. Beim Schwitz- und Dampfstein verliert man bei 85-100 % Luftfeuchtigkeit vollends den Durchblick.

3. Juni: Vals – Ascona – Riomaggiore

Nach dem Frühstück geht es nun endlich nach Italien. Zunächst müssen wir natürlich die beschwerliche Strecke durch das Carreratal zurückfahren. Bei Reichenau haben wir einen schönen Blick in die Rheinschlucht bevor es ins Piemont zum Lago Maggiore geht. Einen Zwischenstopp legen wir im mondänen Badeort Ascona ein. Die Promenade mit Blick auf den Lago Maggiore ist sehr einladend. Ein schöner kleiner Badeort. Nach einer kleinen Erfrischung geht es für uns jedoch weiter. Zunächst fahren wir entlang des Lago Maggiore durch viele kleine am See gelegene Städtchen. Dieser Streckenabschnitt ist etwas nervig, da wir nicht wirklich vorwärts kommen. Mit Erreichen der Autobahn in Richtung Genua wird es besser. Die Strecke führt durch Genua hindurch und weiter an der Riviera di Levante nach La Spezia (90 km, ca. 50 Tunnel - die Italiener sind offensichtlich Meister im Tunnelbau). Die Strecke bis Cinque Terre zieht sich noch etwas hin und ist nicht gekennzeichnet durch zu viele Ausschilderungen. Dennoch erreichen wir am frühen Abend unser Ziel.

Die Küste Liguriens teilt sich in zwei Abschnitte auf: östlich von Genua liegt die felsige und oft steile Riviera di Levante, westlich von Genua die dichter besiedelte Riviera di Ponente, die bis an die französische Küste reicht.

Einer der schönsten Küstenflecken Liguriens sind die unter dem Namen Cinque Terre bekannten fünf Fischerdörfer, die hoch auf den Klippen vor steilen Felswänden liegen. Das heute unter dem Schutz der UNESCO stehende Weltkulturerbe war einst ein Piratennest und hat eine 1.000jährige Besiedlungsgeschichte.

In Riomaggiore haben wir für eine Woche ein kleines Apartment gemietet. Der Ort ist wie alle fünf Cinque Terre-Orte autofrei, so dass die Anmietung einer Garage für Anreisende mit dem Pkw Pflicht ist. Am Ortseingang angekommen müssen wir zunächst unseren Vermieter kontaktieren, der uns an der Schranke abholt und uns zur Garage bringt. Vorsorglich hatten wir die wichtigsten Lebensmittel noch vorher eingekauft. Eine blöde Idee, wie sich herausstellt – die Lebensmittelgeschäfte haben bis spät abends auf. Glücklicherweise wird unser Gepäck mit einem Elektrowagen zumindest zum unteren Ortskern gefahren. Die letzten 100 Meter müssen wir dann leider doch zu Fuß zurücklegen und fühlen uns wie Packesel.

Das angemietete Apartment liegt in einem Haus, indem ansonsten nur Einheimische wohnen. Es ist sehr einfach ausgestattet, dafür ist die Lage im ältesten Ortskern umso schöner. Von unserem kleinen Balkon aus blicken wir direkt auf den kleinen Hafen und auf das Meer. Wie die Wände einer Schlucht fallen die drei- und vierstöckigen Häuser zum Hafen hin ab. Die Fassaden sind in gedeckten Farben gestrichen: Cremebeige, Altrosa, Terrakottabraun, Magentarot. Nichts Grelles knallt vorlaut dazwischen. Doch von machen Mauern platzt passend der Putz. Dazu die bunten Boote, die kieloben auf der Mole lagern. Riomaggiore verkörpert die Prachtausgabe eines italienischen Dorfes längst vergangener Jahrzehnte. Wir genießen das Abendessen auf den Balkon und wandern anschließend durch die Dunkelheit zur Felsenbucht, um den Wellen zu lauschen.

4. Juni: Riomaggiore - Manarola

Das Frühstück wollen wir natürlich wieder auf dem Balkon einnehmen. Leider wird über uns ein Geländer blau gestrichen was uns nach Drinnen vertreibt. Heute erkunden wir erst einmal den Ort, der durch verwinkelte Gassen und viele (ungleichmäßige) Treppenstufen gekennzeichnet ist. Ein Labyrinth aus schattigen Gassen, Torbögen, Treppen und Balustraden. Auf den Bänken sitzen stoppelbärtige, alte Männer, die plaudernd vollkommen unbeeindruckt Touristen beschauen.

Riomaggiore ist mit 1.400 Einwohnern der älteste Cinque Terre-Ort (8. Jh.) und wurde von einer Gruppe griechischer Flüchtlinge gegründet. Der Ort liegt im schmalen Tal des Rio Major (unterirdisch) und ist nach diesem benannt. Wir besichtigen die Ruine einer Genueser Burg (16. Jh.) sowie die Chiesa San Giovanni Battista aus dem 14. Jh., im 19. Jh. neugotisch aufpoliert.

Anschließend steht ein 15-minütiger Spaziergang über die Via dell’Amore - Italiens berühmtester Spazierweg - zum Nachbarort Manarola an. Die Via dell’Amore wurde 1928 als Zugang zu zwei Pulverdepots. Die für den Ausbau der Bahnstrecke benötigt wurden, in den Felsen gesprengt. Bald darauf hatten die jungen Leute aus beiden Dörfern den Pfad mit seinen lauschigen Winkeln für verschwiegene Stelldicheins entdeckt. Nach einem Erdrutsch vor ein paar Jahren wurde sie neu befestigt. Am Hang entlang zieht ein breiter, bequemer Weg, streckenweise gepflastert, überdacht und an den Wänden bepinselt mit bonbonfarbenen Porträts berühmter Liebespaare: eine Freiluftgalerie mit dem Charme einer Bahnhofshalle. In den steilen Hangterrassen sind teilweise Weinberge angelegt.

Manarola ist in eine Flussmündung gebaut. Auf den vorgelagerten Felsen veranstalten Jugendliche Ihre Springübungen ins Wasser. Der Ort selber zeichnet sich -ähnlich wie Riomaggiore- durch viele schmale Gassen mit bunt bemalten Häusern aus. Jeder Zentimeter Baugrund scheint optimal genutzt worden zu sein.

Wieder zurück in Riomaggiore kaufen wir noch schnell ein paar Leckereien ein. Für uns gibt es heute etwas zu feiern, so dass wir uns ein Festmahl zubereiten wollen. Leider stellt sich heraus, dass unser Gasvorrat hierfür nicht ausreicht. Wir disponieren um und machen stattdessen ein Picknick in der Felsbucht mit Blick auf die langsam untergehende Sonne. Das Picknick fällt mit Brot und Käse etwas einfacher aus, dafür gönnen wir uns immerhin eine Flasche Ferrari Reserva Sekt.

5. Juni: Portovenere

Heute steht eine Küstenwanderung nach Portovenere (ca. 13 km) auf unserem Programm. Der Weg beginnt am Bahnhof, die Hauptstraße hoch bis zu den letzten Häusern des Ortes. Beim Croce Bianca beginnt der eigentliche Wanderweg. Entlang des kleinen Wildbaches Maggiore führt der Pfad zwischen Kulturen, Trockenmauern und Bauernhöfen stetig bergan. Plastikschläuche auf dem Weg leiten Wasser zu den vereinzelten Bauernhäusern. Der Weg zur auf 340 m über dem Meeresspiegel liegende Kirche Santurio di Montenero ist gleichzeitig ein Wallfahrtsweg. Auf dem Plateau hat man eine herrliche Sicht runter auf Riomaggiore und auf den Küstenbogen der Cinque Terre. Westlich reicht der Blick bis zur Westspitze der Steilküste hinter Monterosso (Punta Mesco) und nach Osten sieht man die Felseninseln von Portovenere.

Der weitere Weg, der an Weinterrassen vorbeiführt, ist teilweise sehr schmal und steinig. Uns fällt das Schienensystem der Lastenlifte auf, das den Hügel säumt. Hiermit wird den Bewohnern und den Weinanbauern die mühsame Arbeit auf dem Berg etwas erleichtert. Wir streifen die Überreste der verlassene Siedlung Lemmen und gehen vorbei an der Chiesa Sant'Antonio.

In dem kleinen Ort Campiglia, der auf 570 m ü.d.M. liegt - zum Glück der höchste Punkt unserer Wanderung - legen wir eine kleine Rast ein. Der weitere Weg nach Portovenere beschert uns tolle Panoramablicke und führt uns langsam wieder hinab. Der Pfad über die Felsenabstürze zwischen Campiglia und Portovenere ist atemberaubend und sehr spektakulär. Grau, grün, schroff und steil stürzen zerklüftete Felsen ab ins Meer. Das letzte Streckenstück besteht aus nicht enden wollenden Treppenstufen. Nach dieser viereinhalbstündigen Wanderung, einem Überraschungs-Parcours über zernarbtem Gestein und durch Pinienwälder,  erreichen wir unser Ziel.

Portovenere - Hafen der Venus - ist der südlichste Ort der Riviera de Levante und liegt auf einer Halbinsel, die den Golf vom offenen Meer abschirmt. Der mittelalterliche Ort wird vom großen Castello überragt; der Rest einer imposanten Befestigungsanlage zeugt davon, dass das Hafenstädtchen einst wichtiger war als La Spezia. Die Chiesa San Pietro, eine gotische “Streifenkirche” liegt traumhaft auf der äußersten Felspitze der Halbinsel. Der mittelalterlicher Ortskern von Portovenere ist sehr finster und gekennzeichnet von engen Gassen.

An der Hauptpiazza Bastreri gibt es ein noch intakten Stadttor sowie einen restaurierten Wehrturm zu besichtigen. Der kleine Hafen wird von vielen bunt bemalten Häusern umrandet. Nachdem wir uns am Doria Kai mit Blick auf den Golf de la Spezia (Golfo di Poetri) einen Cocktail gegönnt haben, geht es per Schiff zurück nach Riomaggiore. Vom Wasser aus blicken wir auf die grünen Felsküste, die wir morgens noch erwandert haben.

Das gestrige Picknick hat uns so gut gefallen, dass wir es abends gleich wiederholen.

6. Juni: Genua

Die Zugfahrt von Riomaggiore nach Genua dauert ca. eineinhalb Stunden. Die einst reichste europäische Weltstadt hat heute noch ca. 780.000 Einwohner. Am Stazione Brignole kommen wir an und wollen zunächst den Mercato orientale aufsuchen, eine Markthalle in einem ehemaligen Klosterkreuzgang. Der Markt gehört zu den beliebtesten in der Stadt. Von Tintenfisch bis Trüffel – je nach Saison – ist hier alles zu haben. Was sich vielversprechend anhört, wirkt auf uns eher enttäuschend. Vom Scham des ursprünglichen Klosters ist nicht viel übrig geblieben.

Ebenfalls schade, dass die Via XX Settembre eine vierspurige Straße ist. Dieser beidseitig von Kolonnaden umgebene monumentale Flanierboulevard hat ansonsten einiges zu bieten. Wir erreichen die Piazza de Ferrari, die von schönen Gebäuden umgeben ist: dem Palazzo Ducale, der Kunstakademie, dem Teatro Carlo Felice (Architekt: Aldo Rossi 1987 - 1991, der Zuschauerraum gleicht angeblich einer mittelalterlichen Piazza), die Börse sowie einige Bankhäuser.

Unser nächstes Ziel ist der Hafen. Im Porto Vecchio ist ein Nachbau der spanische Galeone “Neptune”, mit der Kolumbus zur Entdeckung Amerikas aufgebrochen ist, zu besichtigen. Bigo, der für die Expo errichtetet „Monster-Kran“ mit Festzelt und Panoranaglasaufzug sticht ins Auge.

Im angrenzenden Quartiere del Porto Vecchio – dem alten und ehemals sehr angesagten Hafenviertel - ist das Rotlichtmillieu sowie ein hoher Ausländeranteil nicht zu übersehen.

An der Piazza Acquaverde steht das Kolumbusdenkmal. Gut gefällt uns die Via Balbi, eine Barock-Prachtstraße des 17. Jh. Auch die städt. Palazzoarchitektur in der Via Garibaldi und der Strada Nuova sagt uns sehr zu. In diesen Renaissance-Prachtstraßen des 16. Jh. war der Stadtadel ansässig.

Eher zufällig kommen wir zum Palazzo Spinola an der Piazza Pellicceria I. Der vollständig möblierte Palast der Familie Grimaldi vermittelt einen Eindruck vom prunkvollen, adligen Lebensstil. Ob Salons mit Fresken und Gemälden, ein Hausaltar oder die Küche, alles ist originalgetreu ausgestattet. Von der Dachterrasse aus hat man einen schönen Blick über die Dächer von Genua.

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen zu Romanego, der berühmtesten Konfiserie der Schokoladenstadt zu gehen. Die Ladenausstattung ist aus dem 18. Jh. Frische Pralinen, kandierte Veilchen, glasierte Kastanien, Karamelkonfekt – alles was der süße Gaumen begehrt.

Die Kathedrale San Lorenzo ist ein schwarzweiß gestreifter Dom mit einem wertvollen Reliquienschatz. Die Chiesa San Matteo war die Hauskapelle der Prinzen Doria. Sie liegt an einem kleinen Platz, umrahmt von fünf Palazzi der Familie. Sehenswert ist der Kreuzgang links hinter der fast 900 Jahre alten Kirche. Ein Teil der alten Befestigungsanlage Porta Soprana ist ebenfalls noch zu besichtigen.

Ein Tag reicht, um einen schönen Einblick in die Stadt zu bekommen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Mit dem Zug fahren wir wieder zurück in unser Urlaubsdomizil. Auf unserem Balkon wollen wir das Abendessen mit traumhaft leckerem Cinque Terre-Pesto einnehmen. Diesmal ist es der Regen, der uns nach Drinnen vertreibt. Nachts gibt es Gewitter.

7. Juni: Parma

Das Wetter ist leider nicht besonders gut. Wir beschließen, mit dem Auto nach Parma zu fahren. Der wohlhabende Ort hat ca. 190.000 Einwohner und liegt an der einstigen römischen und heute noch wichtigen Transportader Via Aemilia.

Die Stadt ist nicht nur durch den gleichnamigen Schinken bekannt geworden, auch der Nudelhersteller Barilla hat hier seinen Sitz. Im einstigen Herzogtum herrschten die Fürstenfamilie Farnese und ab 1816 bis zur Nationalstaatseinigung im Jahre1871 die Habsburgerin Maria Luisa. Wir parken unser Auto in einer Seitenstraße nahe dem Palazzo Ducale.

Durch den frequentierten Parco Ducale erreichen wir den Palazzo Ducale. Über die Ponte Verdi geht es weiter zum Palazzo della Pilotta. Dieser Palast wurde niemals fertiggestellt und – nachdem er im 2. Weltkrieg zerstört wurde – schnörkellos wieder aufgebaut. Absolut beeindruckend ist allerdings das Teatro Farnese. 1618 wurde dieses im Palazzo untergebrachte Theater anlässlich des Medici-Besuchs errichtet. Trotz der kurzen nur einige Monate andauernden Bauzeit trifft man ein sehr großzügiges Theater mit großzügiger Bühne, Holzvertäfelungen und aufwändiger Rang-Bestuhlung an. Natürlich wurde auch an einige Logen gedacht.

Weiter geht es zur Piazza Duomo. Das romanisch-gotische Battisterio des Architekten und Bildhauers Benedetto Antelami (Baubeginn 1196) ist beeindruckend. Aus Veroneser Rosa Marmor erstrahlt der achteckige Bau. Die Symbolik des Grundrisses soll Erde und Himmel vereinen (Erde: Quadrat, Himmel: Kreis). Die Taufkirche hat drei Portale, die für Dreifaltigkeit stehen. Interessant ist der Bau ebenfalls von Innen. Die Kuppel erscheint sechzehneckig und wird von einem schönen Deckenfresko geschmückt. Auch einige sehr schöne Skulpturen und Reliefs von Antelami sind zu bewundern.

Der Dom (romanischen Pfleilerbasilika mit gotischem Campanile) ist ebenfalls absolut sehenswert. Der lokale Meister Antonio Allegri Corregio erhielt 1530 den Auftrag, die Kuppel zu freskieren. Selbst Tizian soll von dem Ergebnis begeistert gewesen sein. Rechts im Querschiff ist das Relief "Kreuzabnahme“ des Künstlers Benedetto Antelami zu bewundern. In der Krypta sind noch Reste eines Mosaikfußbodens erhalten.

Das Kloster San Giovanni Evangelista sollte man auf keinen Fall auslassen. In dem Renaissancebau mit Barockfassade leben noch heute etwas 20 Benediktiner-Mönche. In einer original eingerichtetenn historischen Apotheke, die 1201 von den Benediktinern gegründet wurde, wird noch heute selbst Produziertes angeboten. Wir erstehen ein Glas Aprikosen-Jam. In dem Kloster gibt es vier Kreuzgänge. Die Kirche ist mit Fresken von Corregio und Parmigianino ausgestattet. Besonders sehenswert: das Kuppelfresko von Corregio.

Mittags folgen wir einem Geheimtipp und suchen die Trattoria Corriero auf. Nur wenige Touristen verlaufen sich hierher. Die traditionelle Küche genießen beinahe ausschließlich Einheimische. In mehreren Gasträumen wird die göttliche Pasta serviert. Nach Pasta und Vino Frizzante wieder gestärkt geht es weiter zur bekannten Via Garibaldi. In der Salumeria Garibaldi erstehen wir ein Stück Proscuitto di Parma bevor wir die Stadt wieder verlassen.

Im Reiseführer lesen wir, dass der echte Parmaschinken aus Langhirano stammt und in den Riviera-Winden getrocknet wird. Kurzerhand legen wir auf der Rückfahrt einen kleinen Abstecher in Langhirano ein. Die Stadt ist klein und unscheinbar. Das protzige Fontanellato (eine Wasserburg) ist leider nur von Außen zu besichtigen. Nachdem wir ein kleines Eis genossen haben, fahren wir endgültig zurück nach Riomaggiore.

8. Juni: Cinque Terre-Küstenwanderung: Riomaggiore – Manarola –
Corniglia – Vernazza – Monterosso del Mare

Die Cinque Terre – dass sind fünf Dörfer an der ligurischen Küste südöstlich von Genua mit den wohlklingenden Namen Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore - ist ein Wanderparadies. Gerade mal neu Kilometer Bahnstrecke liegen zwischen dem ersten und dem letzten, zwölf Kilometer Fußweg oder fünfzehn Kilometer Küstenlinie.

Ein Netz von Wanderwegen erstreckt sich an den Hängen zwischen diesen Dörfern. Auf und ab kurven die Wege, laufen um Kuppen und über Kämme, durch Olivenhaine und von Efeu überwucherte Schluchten und tauchen wieder auf aus dem Schatten von Kastanien- und Steineichenwäldern. Sie sind ausgezeichnet markiert und so gut instand gehalten, dass sich niemand verläuft. Und doch rau und ursprünglich genug, dass dem Wanderer das Gefühl bleibt, nicht gerade auf einem Spazierpfad unterwegs zu sein.

Das Wetter spielt heute mal wieder mit. Wir starten die ca. 12 km lange Wanderung in Riomaggiore. Über die bereits bekannte Via dell’Amore geht es nach Manarola. Von dort aus führt fast auf Meereshöhe ein schöner Wanderweg (ca. 1 h) nach Corniglia - 100 Meter oder 377 Stufen hoch auf einem Fels gelegen. Nach dem wir den Bahnhof am Strand erreicht haben, führt das letzte Stück über serpentinenförmig angelegten Treppen den Felsen hinauf. Nach dieser anstrengenden Etappe entschädigt der Blick auf Corniglia, dem einzigen Cinque Terre-Ort, der nicht direkt am Meer liegt, für die Strapazen. Zunächst einmal genehmigen wir uns ein kühles Getränk mit Blick auf das Meer. Nachdem uns die Bedienung die Getränke serviert hat, wart sie nicht mehr gesehen. Als diese nach einigen ungeduldigen Minuten nicht zurückkehrt und wir leider kein Kleingeld haben, müssen wir, wohl oder übel, die Zeche prellen.

Corniglia ist mit 300 Einwohnern am ehesten Dorf geblieben. Doch auch hier finden in der Saison tausende Touristen ihren Schlafplatz. Von Corniglia aus gilt es erneut, 150 Höhenmeter zu überwinden, um nach Vernazza zu komnen. Für den 4 km langen Weg benötigen wir ca. 1,5 h.

Vernazza, der kleinste (und hübscheste) Cinque Terre-Ort, liegt in einen engen zum Meer hinab führenden Tal. Vom wieder aufgebauten Festungsturm hat man einen schönen Blick auf den feinen Ort. Die Besichtigung (und den Eintritt) des Castello Doria sparen wir uns. Von dem schönen Ausblick angetan, entscheiden wir uns statt dessen für ein Mittagessen in der Trattoria La Torre, bevor wir den Ort erkunden.

Vernazza ist sehr reizvoll. Im kleinen Hafen kontrastieren bunte Sonnenschirmen und in Dreierreihen liegende Fischerboote sehr schön mit dem türkisen Wasser. Am winzigen Sandstrand, direkt vor der Piazza, plantschen nicht nur kleine Kinder im Wasser. Vier-, fünfmal am Tag schwappt die Fähre neue Touristenscharen in die engen Gassen. Auf der einladenden Hafen-Piazza spielt sich das Leben ab.

Die letzte Etappe des Tages ist mit 1,5 Std. angegeben. Durch terrassenartig angelegte Wein- und Olivengärten führt ein teilweise äußerst schmaler und immer mal wieder steiler Weg nach Monterosso. Auch diesen Ort erreicht man nur, in dem man eine Vielzahl von Treppen hinab steigt.

Monterosso ist der Hauptort und das touristisches Zentrum der Cinque Terre, was man den Ort auch schnell ansieht. Verglichen mit den anderen Orten wirkt Monterosso al Mare, im breiten Bett eines Bergbachs angesiedelt, mit 1700 Einwohnern und zahlreichen Hotels schon beinahe mondän. Am relativ breiten Sandstrand räkeln sich bronze-glänzende Ölgötzen und auf der Promenade tummeln sich schöne und reiche Italiener, gemischt mit vielen Touristen.

Zurück nach Riomaggiore geht es mal wieder per Schiff. Vom Wasser aus genießen wir noch einmal den Blick auf die schön gelegene Wanderstrecke, die uns – trotz aller Strapazen - tolle Ausblicke beschert hat. Auf unserem Apartment-Balkon lassen wir den Tag bei Pasta mit Gamberoni und einem Fläschchen Rotwein gemütlich ausklingen.

9. Juni: Portofino

Das zeitige Aufstehen wird leider durch einen nicht kommenden Zug wieder zunichte gemacht. Die Bigletteria macht auch erst um 9:30 h auf nach einem halbstündigen Warten entscheiden wir uns schließlich, mit dem Auto zu fahren. Der Reiseführer hat uns zwar vor Staus und dem ewigen Parkplatzmangel gewarnt, doch lange Wartezeiten zählen nicht zu unseren präferierten Tätigkeiten. Über die Autobahn geht es bis Rapallo, dann weiter über St. Magaretha nach Portofino.

Glücklicherweise bleiben uns Staus erspart und es gibt noch einen Stellplatz im Parkhaus (für nur 28.000 Lira ein wahres Schnäppchen!!!). Zunächst wollen wir zur Abtei St. Fruttuosa, die wir mit einem Schiff ansteuern. Die Besichtigung der Abtei ist schnell erledigt – dafür kann man sich diesen Touristenmagnet sparen. Auch das Mittagessen es eher als Frechheit, denn als Gourmetgenuss zu bezeichnen. Der Blick auf die kleine Bucht entschädigt uns für trockenes Brot und schlecht zubereitete Pasta zu überzogenen Preisen. Lange halten wir uns hier nicht auf. Anders als viele andere Touristen wollen wir uns den Rückweg erlaufen.

Zunächst gilt es, 250 Höhenmeter zu überwinden. Die 1,5 h Wanderung nach Portofino ist sehr empfehlenswert. Vom Höhenweg hat man tolle Panoramablicke auf die hier sehr grüne Küstenlandschaft, die mit dem blauen Meer kontrastiert. Portofino ist ein Nobelbadeort der Cremè de la Cremè. Schöne (und teure) Villen und Sternehotels haben sich angesiedelt. Auch hier ist der Hafen von kleinen bunten Häusern umgeben. Allerdings liegen hier neben den bunten Fischerboote die teuren (und häufig bewachten) Yachten der "besseren Gesellschaft“.

Wieder zurück in Riomaggiore zieht es uns abends erneut zu unserem beliebten Picknickplatz auf den Felsen. Die morgige Abschiednahme von Riomaggiore fällt, angesichts eines schönen Sonnenuntergangs, sehr schwer.

Hier geht's zum zweiten Teil des Reiseberichts:
Cinque Terre - Reisebericht (2)

Text und Fotos:
Anke Schlingemann

Die Homepage von Anke Schlingemann:
www.schlingels.de

Andere Texte von Anke Schlingemann in www.reise-nach-italien.de:
Die Seiten der Mitarbeiter

Siehe auch:

Alle Seiten über Ligurien
Genua und die italienische Riviera. [Kapitel]

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